Ich habe "Marken von A bis Z" als Geburtstagsgeschenk bekommen. Als ich das Buch in die Hand nahm, habe ich geglaubt, mich erwartet ein Fachbuch, dass mir alle theoretischen Grundlagen zum Stichwort "Marke" vermittelt. Überrascht hat mich, dass ich nach einer kurzen Einführung ausschießlich Bilder sah. Schön geordnet, von A bis Z eben. Auf jeder linken Seite war nur ein Buchstabe abgedruckt. Allerdings in einer Schrift und / oder Farbe, die mich direkt an etwas erinnerte - einen Namen, einen Geruch, einen Geschmack, ein Erlebnis. Es war jeweils die Herauslösung eines Buchstabens aus einem (Marken-)Logo. Dieses Kondensat reichte aus, um so viele Gedanken in mir wach zu rufen. Auf jeder rechten Seite sah ich, ebenfalls nach dem ABC geordnet, Personen. Ich kannte sie (fast) alle. Und es ging mir genauso - ich verband sie mit Erinnerungen und Erlebnissen, ich mochte sie oder ich mochte sie nicht, ich bewunderte sie oder ich hätte lästern wollen über sie.
Was haben die Buchstaben und die Personen gemeinsam? Marken sind Persönlickeiten. Sie sind uns vertraut, wir sind mit ihnen befreundet, wir ordnen ihnen konkrete Charaktereigenschaften zu, sie versprechen uns eine Leistung, sie stiften uns einen Nutzen, sie verkörpern Werte, die uns wichtig (oder auch unwichtig) sind. Der einzelne Buchstabe eines Markenlogos ist quasi ein Code, der eine komplette Assoziationskette wachruft.
Und genau das gleiche passiert beim Anschauen der abgebildeten Persönlichkeiten. Auch sie definieren sich durch ihre individuellen Leistungen bzw. Persönlichkeitsmerkmale und verkörpern Werte, auch sie sind "Marken".
In dem vor mir liegenden Bilderbuch konnte ich mir das erklären, was man gemeinhin so gerne theoretisch über Marken sagt, was aber meist so abstrakt ist, dass man sich keinen großen Reim darauf machen kann.
Ich habe aus Bernd Kreutz Buch in einzigartiger Weise gelernt, was eine Marke ist. Warum? Weil ich es nicht (theoretisch) gelernt, sondern durch die Bilder und die Gedanken, die ich dazu hatte, erfahren habe. Marken sind kein Eigentum von Unternehmen, sondern sie leben in den Köpfen des Publikums. Kein Theoriebuch hätte mir das mit vorgefertigten Definitionen und Beschreibungen besser vermitteln können.
Ich habe es zu meinem "Standardwerk" erkoren und blättere immer wieder gerne darin. Wenn Freunde zu Besuch sind, zeige ich das Buch auch gerne einmal herum. Dann wird ruck zuck aus meinem "Standardwerk" ein Gesellschaftsspiel; wenn nämlich alle wild durcheinander diskutieren, was sie mit jedem einzelnen Buchstaben, mit jeder einzelnen Person verbinden - eben das, was für sie diese Marke ist. Meist wird der Rahmen dann schnell gesprengt und jeder hat eine neue Idee, die er aus seinem Blickwinkel beleuchtet.
Kinder lernen am besten und schnellsten aus Bildern und mit Bilderbüchern. Bei diesem Buch zeigt sich, dass das bei Erwachsenen (noch) genauso ist. Bernd Kreutz erhält von mir 5 Sterne für diese einfach(e) tolle Idee.