Hier liegt ein Buch über kleine Firmen vor, welche durch Nischenprodukte den Großen das Leben schwer machen. Ganz nach dem Motto es lebe die Vielfalt präsentieren die Autoren ein Konzept, in dem das Ende der industriellen Massenproduktion und eine Rückkehr kleiner, individueller Nischenprodukte von Kleinfirmen propagiert wird. Es wird auch sehr stark auf die Möglichkeiten der Vermarktung von Eigenbau-Produkten über das Internet hingewiesen. Eine Abkehr von Taylor und seinen Prinzipien ist das letzten Endes. Eine These, die in der aktuellen Managementliteratur recht populär zu sein scheint. Garniert werden die Ausführungen der Autoren mit einigen anekdotenhaften Fallbeispielen über Marke-Eigenbau-Firmen welche erfolgreich Großunternehmen die Stirn bieten.
Friebe und Ramge liefern alles in allem kein schlechtes aber auch kein großartiges Buch ab. Ihre Thesen von der Rückkehr kleiner Unternehmen und der dadurch entstehenden Vielfalt erscheinen dem Leser als intuitiv einleuchtend, völlig überzeugen kann ihr Konzept in meinen Augen aber nicht. Bereits vor 10 Jahren gab es Veröffentlichungen zu der These, das Internet werde dafür sorgen dass große Marken durch die einfache Vermarktbarkeit von Nischenprodukten über das Internet in Schwierigkeiten geraden würden. Sicherlich war die damalige Rhetorik mit welcher diese Aussagen verpackt wurden, deutlich technokratischer als heute, was am damaligen Zeitgeist (New Economy) lag, inhaltlich war das Ganze aber relativ nahe an diesem Buch (teilweise war gar von einem Ende der großen Marken im Allgemeinen die Rede, da das Internet dem Endverbraucher einen sehr hohe Markttransparenz zur Verfügung stelle und damit die Kennzeichnung durch Marken nicht mehr nötig bzw. überflüssig sei; was davon bis heute eingetreten ist, kann jeder selbst einschätzen).
Da durch die momentane Finanz- und die evtl. dadurch entstehende Wirtschaftskrise das Vertrauen der breiten Öffentlichkeit in die momentanen wirtschaftlichen Strukturen erschüttert ist, erscheint dieses Buch sicherlich gerade zum rechten Zeitpunkt. Völlig neu ist es aber nicht was einem hier präsentiert wird. Wer bereits ein Buch über Guerilla-Marketing (sprich starke kleine Firmen welche Großkonzernen trotz geringer Finanzmittel in Nischenmärkten den Rang ablaufen) oder die oben angesprochenen Veröffentlichungen aus der New Economy Zeit kennt, wird einige Thesen zwar anders verpackt aber grundsätzlich als bekannt empfinden. Trotzdem gibt es schlechtere Wirtschaftsbücher und ich denke die von den Autoren vertretenen Aussagen sind als absichtlich überspitzte und provokative Thesen aufzufassen, nicht als Konzept welches direkt umsetzbar ist. Ob man die Einschätzung teilt, dass die großen Marken (und die Konzerne dahinter) tatsächlich demnächst verschwinden scheint mir eh mehr eine Glaubensfrage als sonst etwas zu sein.