Detective Kara Gillian arbeitet bei der Polizei von Beaulac und hat gerade ihren ersten großen Fall zugewiesen bekommen. Sie soll eine Reihe von rituellen Morden untersuchen und sich so ihre Sporen in der Truppe verdienen. Kara ist nicht nur eine gute Polizistin, sie beschwört auch Dämonen und ist mit der Welt des Übernatürlichen vertraut, was ihr einen großen Vorteil verschafft. Schnell wird ihr klar, dass der Serienmörder versucht, einen Dämon zu beschwören, und er ist der Polizei einige Schritte voraus. Als Kara einen niederen Dämon zu sich rufen will, um ihn zu den Vorgängen zu befragen, geht etwas schief und der mächtige Dämonenlord Rhyzkahl taucht stattdessen auf. Anstatt Kara aufgrund dieser Anmaßung abzuschlachten, entwickelt er reges Interesse an ihr und versucht sie zu überreden, ihn freizusetzen. Kara fühlt sich einerseits von seiner engelsgleichen Schönheit angezogen, andererseits weiß sie, zu welchen Gräueltaten er fähig sein kann. Aber seine Mithilfe bei der Aufklärung der Morde wäre sehr willkommen für sie. Und dann ist da noch der gutaussehende FBI-Agent, der dem Fall zugeteilt wurde, und der Kara zwar auf die Palme bringt, den sie sich aber trotzdem nicht aus dem Kopf schlagen kann.
MARK OF THE DEMON hat mir gut gefallen. Kara ist eine wirklich sympathische und rundum gelungene Hauptfigur, deren Entscheidungen und Gefühle man gut nachvollziehen kann. Sie ist eine fähige Polizistin und kann sich in dieser Männerdomäne durchsetzen, ohne dabei aber grob oder unsympathisch zu wirken. Obwohl sie im Beruf manchmal ihre härteren Seiten zeigen muss, ist Kara doch von einer tiefen Verletzlichkeit erfüllt. Sie lebt in selbstgewählter Einsamkeit - sie hat ihre Gründe dafür - und hat dementsprechend Schwierigkeiten, andere Menschen an sich heranzulassen.
Der Polizeialltag wird in MARK OF THE DEMON sehr realistisch dargestellt und Karas Kollegen sind keine Karikaturen, sondern lebensecht wirkende Charaktere. Auch alle anderen Nebenfiguren sind ansprechend gestaltet und können überzeugen. Gut gefallen hat mir Karas Tante Tessa, die Kara nicht nur aufgezogen hat, sondern sie auch in die Kunst der Dämonenbeschwörung eingeführt hat. Angetan war ich auch von Ryan, dem FBI-Agenten, über den wir zwar nicht besonders viel erfahren, der jedoch durch und durch sympathisch ist, obwohl er doch leichte Gary Stu-Tendenzen aufweist.
Die Dämonen, ihre Kasteneinteilung und ihre Beschwörungen sind interessant geschildert und Diana Rowland hat sich hier etwas Neues einfallen lassen. Außer den Dämonen gibt es keine übernatürlichen Elemente in MARK OF THE DEMON und alles läuft nach festgelegten Regeln ab. Mit Rhyzkahl hatte ich aber ein kleines Problem. Obwohl er überirdisch schön und mächtig ist und Kara doch sehr beschäftigt, fand ich ihn unterm Strich doch relativ langweilig. Rowland bietet uns hier nichts wirklich Neues oder Aufregendes. Das führt mich direkt zu der Beschwörungsszene, in der er das erste Mal auftritt. Meine Vorrezensentin hat schon angemerkt, dass die Sexszene, die darauf folgt, unnötig ist und ich muss mich anschließen. Es ist nicht so, dass die Szene unerotisch wäre, aber sie passt einfach nicht ins Gesamtbild des Romans. Diese erste Begegnung zwischen Rhyzkahl und Kara hätte man auch ohne Sex prickelnd und intensiv gestalten können.
Der Handlungsverlauf in MARK OF THE DEMON hat mir insgesamt gut gefallen. Die Ermittlungen sind logisch, spannend und die Aufklärung der Morde wartet mit einer Überraschung auf. Ich muss allerdings sagen, dass die finale Konfrontation mit dem Mörder weniger Biss und Spannung aufgewiesen hat, als ich erwartet hatte. Hier hat Rowland eine Chance verschenkt.
Trotz leichter Schwächen hat mir MARK OF THE DEMON gut gefallen. Ich werde mir auf jeden Fall die Fortsetzung BLOOD OF THE DEMON zu Gemüte führen.