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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Unter Verdacht im Netz der Sicherheitsbehörden verfangen,
Von Ralf KvF "Ralf KvF" (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Marionetten (Gebundene Ausgabe)
Der junge und strenggläubige Moslem Issa reist illegal nach Deutschland ein und bittet eine ihm unbekannte türkische Familie in Hamburg um Hilfe. Es stellt sich heraus, dass Issa, der starke Spuren fremder Gewalteinwirkung aufweist, Tschetschene ist und beabsichtigt, in Deutschland Medizin zu studieren. Issa lässt über die Anwältin einer Flüchtlingshilfsorganisation die Verbindung zum britischen Bankhaus Brue Frères herstellen und Zugriff auf ein Nummernkonto verschaffen, das aus alten Geldwäschegeschäften des Bankhauses mit der russischen Organisierten Kriminalität stammt und durch den britischen Nachrichtendienst in Auftrag gegeben wurde. Wie sich herausstellt ist Issa der uneheliche tschetschenische Sohn eines russischen Offiziers, der für Großbritanien als Quelle des britischen Dienstes tätig war. Mit den Verbindungsbemühungen der Anwältin ist für Issa die Verbindung zum Inhaber des Bankhauses hergestellt, dessen Unterstützung er in Deutschland benötigt, um hier legal studieren zu können. Issa und den Inhaber des Bankhauses verbindet eine gemeinsame Vergangenheit iher Väter im Spionagemilieu aus der Zeit des Kalten Krieges. Beide müssen nun die unbewältigte Vergangenheit dieser Herren bewältigen.Allerdings ist Issa als illegal eingewandeter Tschetschene und strenggläubiger Moslem in den Blickwinkel der deutschen Sicherheitsbehörden geraten, die nach 9/11 gerade diesen Personenkreis besonders beobachten. Im Rahmen ihrer weiteren Nachforschungen werden die Geheimnisse der Vergangenheit aufgedeckt und Issa gerät damit sogar ins Visier der internationalen Kooperation der Nachrichtendienste im Bereich der Terrorismusabwehr. Unter Führung deutscher Sicherheitsbehörden wird er mit seinem Erbteil des Nummernkontos Teil einer nachrichtendienstlichen Operation zur Durchdringung eines vermeintlichen islamistischen Netzwerkes. Die Operation endet mit einer "extraordinary rendition" der US-Dienste, die von deutscher Seite - entgegen den Planungen ihres eigenen verantwortlichen Operationsführers - bereitwillig geduldet wird. Le Carré hat einen durchweg spannenden Spionageroman geschrieben, der ohne blutige Zwischenfälle auskommt und sich stattdessen auf die Darstellung nachrichtendienstlicher Arbeit konzentriert. Das Romanende ist etwas abrupt, zu kurz geraten und lässt mehrere Fragen offen. Vor dem Hintergrund des Verhaltens deutscher Sicherheitsbehörden anlässlich des Münchner Oktoberfestes 2009 ist die Thematik des Buches aktueller denn je. Die zentrale Frage ist: Wie behandeln wir strenggläubige, junge Muslime, die sich im Umfeld oder der Nähe zur islamistischen Szene bewegen? Wie gehen wir mit Ihnen und den vermeintlichen Indizien um? Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
53 von 66 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Beklemmend,
Rezension bezieht sich auf: Marionetten (Gebundene Ausgabe)
"Marionetten" spielt in Hamburg, das ist schon mal ziemlich nah dran, und als ich mit diesem Buch gestern Abend durch war, fragte ich mich schon, wie nah an der Wirklichkeit das Szenario wohl ist und ob solche Dramen sich wohl tatsächlich abspielen, ich fürchte schon...Die Geschichte ist schnell erzählt, es geht um den illegal nach Deutschland gekommenen Issa, bei dem man bis zum Schluss nicht wirklich sicher weiß, woher er tatsächlich kommt und welche Ziele er verfolgt. Verschiedenste Menschen haben auf irgendeine Weise mit ihm zu tun, versuchen ihm zu helfen, und am Ende kommt doch alles anders als gedacht. Alle sind nur Marionetten, auch wenn sie selbst das nicht wahrnehmen und immer glauben, selbst die Fäden in der Hand zu haben. Sprachlich musste ich mich erst in das Buch hineinfinden. John le Carré schreibt recht anspruchsvoll (und warum eigentlich in alter" Rechtschreibung?), das Buch ist definitiv nichts zum mal eben zwischendurch ein paar Seiten lesen", sondern verdient volle Aufmerksamkeit. Die Personen werden sehr detailliert beschrieben, auch wenn Melik und seine Mutter Leyla ziemlich schnell wieder in der Versenkung verschwinden, dafür kann man sich dann gut in Annabel Richter und den Bankier Tommy Brue hineinversetzen. Diese beiden machen neugierig, ganz im Gegensatz zu den Geheimdienstleuten, die vergleichsweise blass und ohne Kontur bleiben, was vermutlich mit Absicht geschieht. Die Story selbst zieht einen sofort in den Bann, es bleibt spannend bis zum Schluss, auch wenn irgendwann klar wird, dass es wohl nicht zu einem guten Ende für alle Beteiligten kommen wird. Eigentlich passiert" auch gar nicht so viel, es werden viele geheime und hochgeheime Gespräche geführt, Gedanken gewälzt und Thesen gesponnen, aber auch das fesselte mich wider Erwarten sehr. Gut recherchiert sind sicher die ungewohnten Gedanken und Ansichten, Denkmuster und Rituale der islamischen Welt. Auch die Theorie des zu 95% guten" und zu 5 % bösen" Menschen hat mich sehr nachdenklich gemacht. Wieviel Gutes muss man tun, um wieviel Böses zu kompensieren? Darf man unschuldige Menschen opfern, um Böses zu verhindern? Ab wann ist das Gemeinwohl" wichtiger als das Wohl und die Freiheit des Einzelnen? Eine Antwort darauf gibt das Buch nicht, am Ende sind so ziemlich alle Opfer, einen Gewinner gibt es nicht und noch nicht einmal Leyla und Melik kommen unbeschadet aus der Geschichte heraus, obwohl sie doch einfach nur Gutes tun wollten. Ein wirklich beeindruckendes Buch, das noch lange nachwirkt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
33 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wer zieht hier die Fäden?,
Von Auglia "Büchereule" (nähe München) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Marionetten (Gebundene Ausgabe)
Bei dem Buch handelt es sich um "Marionetten" Von John le Carré. Der Autor hat schon viele Bücher veröffentlich, die zum Teil dann auch Grundlage von Filmen wurden.Inhalt: Ein junger Moslem reist illegal über die Türkei und Dänemark nach Deutschland ein. Der junge Moslem, der eigentlich Tschetschne und auf der Flucht vor der Polizei ist, heißt Issa. Im Hamburger Stadtteil Altona bitte er eine türkische Familie um Hilfe, die ihn schließlich aufnimmt. Nur langsam finden die verängstigten Gastgeber heraus, wer der Fremde ist und was er in der Hansestadt will. Die Geheimdienste und auch andere Organisationen sind im ständig auf den Fersen. Er wendet sich schließlich an eine Organistion in Hamburg, die ihm eine Anwältin, Anabell Richter, zuteilt. Ein Bankier in Hamburg, Tommy Brue, dessen Großvater die Brue Frères vor "Urzeiten" gegründet hat, scheint mit dem Schicksal des jungen Isssas, der in Deutschland Arzt werden und den tschetschenischen Menschen helfen will, verbunden. Was haben die ominösen Lippizaner-Konten damit zu tun, und warum trägt Issa einen Zeitungsauschnitt und eine Todesanzeige von einem General der Roten Armee namens Karpow bei sich?... So beginnt John le Carrés meisterhaft komponierter Roman über unsere Gesellschaft des Verdachts nach dem 11. September 2001. In einem raffiniert gesponnenen Netz aus privaten und politischen Interessen bewegen sich die Figuren zwischen Gewissenlosigkeit und Nächstenliebe, eiskaltem Kalkül und Gleichgültigkeit. Die Bedrohung durch den islamistischen Terror wird zur Kulisse für ein skrupelloses Spiel der Geheimdienst, in dem jeder, gleich ob Schuldig oder Unschuldig, Statist eines undurchschaubaren Marionettenspiels wird. Über den Autor: John le Carré, geboren 1931 in Poole, Dorset, studierte in Bern und Oxford Germanistik, bevor er in diplomatischen Diensten u. a. in Bonn und Hamburg tätig war. "Der Spion, der aus der Kälte kam" begründete seinen Weltruhm als Bestsellerautor. Der Autor lebt mit seiner Frau in Cornwall und London. Eigene Meinung: Der Titel "Marionetten" passt gut zum Inhalt des Buches, er spiegelt die Ausweglosigkeit der Personen wider, die an ihrem Marionettendasein, seien sie reich oder in höherer Position, nichts ändern können. Das Wort "Marionetten" fällt im Verlauf des ganzen Buches kein einziges Mal, erst zum Ende wird deutlich, wie wenig manche Personen an ihrem Schicksal ändern können, sogar diejenigen, die meinen selbst die Stricke der Marionetten zu halten. Im Englischen heißt das Buch übrigens "A Most Wanted Man" Es handelt sich bei diesem Buch um ein gebundes Buch mit einem Schutzumschlag, der als Cover fungiert. Abgebildet ist eine regennasse Straße, die eine Person überquert. Von der Person ist allerdings nur die untere Körperhälfte zu sehen. "Marionetten" hat mir wirklich sehr gut gefallen, ich habe es innerhalb einer Nacht und dem darauffolgenden Vormittag durchgelesen. Das Buch hat mich wirklich gefesselt, ich wollte unbedingt mehr über das Schicksal von Issa erfahren und auch wie es mit ihm weitergeht. Ein kleiner Makel ist mir aber gleich zu Beginn des Lesen aufgefallen: Das Buch ist in alter Rechtschreibung geschrieben, d. h. "dass" steht noch mit "ß" und auch andere Wörter. Anfangs hat mich das gestört, aber mit der Zeit habe ich diese Stellen einfach gekonnt überlesen. Das Buch beeinhaltet einen sehr verwickelte Handlung, er ganz am Schluss des Buches wird diese ein wenig gelöst, wobei mir noch ein paar Fragen offen bleiben. Gibt es eine Fortsetzung? Teilweise ist das Buch sehr ironisch geschrieben, was nachteilig sein kann, aber hier hat es keinesfalls gestört. Dadurch wurden manchen Situationen sehr aufgelockert. Mr. Brue z. B. redet häufig (in Gedanken) mit sich selbst und ist dabei sehr ironisch. Die Familie, die Issa aufnimmt, Melik und seine Mutter Leyla scheint es nicht zu stören, dass sie einen Wildfremden Mann aufnehmen. Das finde ich etwas komisch. Aber im Laufe des Buches spielen sie eh eine weniger wichtige Rolle, sie werden eingentlich erst am Schluss nochmal kurz erwähnt. Das Buch behandelt ein sehr aktuelles Thema, was es für mich persönlich sehr interessant gemacht hat. Vorurteile scheinen in dem Buch eine große Rolle zu spielen, hier ein Beispiel: Mr Brue verlässt Issa und seine Gastfamilie und ist sehr verwirrt, daraufhin verläuft er sich auf dem Heimweg. Seine Beobachter denken aber, dass er ein Profi sei und das absichtlich gemacht hat. So entstehen Vorurteile... Zum Abschluss noch ein paar Zitate aus dem Buch: "Wir sind Deutschland, aber wir sind auch etwas Eigenes. Wir sind besser als Deutschland. Wir sind Hamburg, aber zugleich nicht New York. Wir haben vielleicht keine Zwillingstürme. Aber die hat New York jetzt ja auch nicht mehr. Trotzdem, wir sind attraktiv. Wir haben das richtige Odeur für die falschen Leute." Dieses Zitat stammt von einem gewissen Herrn Bachmann, der in dem Buch eine wichtige Rolle einnimmt. Hier sieht man, dass Ironie auch falsch eingsetzt werden kann und überzogen wirkt, vor allem, was die Zwillingstürme anbelangt. "Das ist aber eines der großen Probleme unserer Modernen Welt, wissen Sie. Das Vergessen. Die vergessen nie. Fragen Sie einen Iren, was ihm die Engländer 1920 angetan haben, und er wird Ihnen die Namen sämtlicher Getöteten aufzählen, mit Datum un Uhrzeit. Fragen Sie einen Iraker,was ihm die Engländer 1953 angetan haben, und er kann es Ihnen sagen. Sein Kind kann es Ihnen sagen. Sein Enkel kann es Ihnen sagen. Selbst sein Urenkel wird es Ihnen noch sagen können, falls er einen hat. Aber fragen Sie einen Engländer...? (...) Schaut nach Vorne! Vergesst, war wir euch angetan haben. Morgen ist einer neuer Tag!" (...) Aber das Stimmt nicht. Das Morgen geht aus dem Gestern hervor, und aus dem Vorgestern, verstehen Sie? (...)Wer die Geschichte ingoriert, ignoriert den Wolf vor der Tür. (...)" Das steckt Wahrheit drin, wie ich finde... Fazit: Ein spannendes Buch, das mich sehr fesselte und sich lohnt gelesen zu werden. Ich vergebe 9,5 von 10 Punkten. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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