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Marionetten [Taschenbuch]

John le Carré , Sabine Roth , Regina Rawlinson
3.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (61 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

14. Oktober 2009
Ein junger Tschetschene reist illegal nach Deutschland ein. Dort gerät er sofort in das Fadenkreuz verschiedener Geheimdienste, die ihn verbissen jagen. Sein Schicksal scheint besiegelt, früher oder später wird man ihn verhaften und nach Russland abschieben. Doch dann bekommt er unerwartete Hilfe von einer jungen Anwältin und Bürgerrechtlerin. Es beginnt ein gnadenloser Wettlauf und ein Kampf zwischen Gewissenlosigkeit und Nächstenliebe, eiskaltem Kalkül und Gleichgültigkeit. Entdecken Sie auch das Hörbuch zu diesem Titel!

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 368 Seiten
  • Verlag: Ullstein (14. Oktober 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3548281281
  • ISBN-13: 978-3548281285
  • Originaltitel: A Most Wanted Man
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12 x 3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (61 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 148.556 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Interview mit John le Carré

Frage:
In welcher Beziehung steht Ihr neues Buch zu den bis­he­ri­­gen? Stellt es eine Rückkehr zu Ihrem alten Stil dar, oder sehen Sie darin eine neue Richtung?

Antwort: Darüber muß die Kritik befinden. Und mit dem kritischen Prozeß habe ich ja nichts zu tun. Ich mag dieses Buch jedenfalls sehr. Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl. Ich mußte meine Figuren nur anstupsen, schon lief alles so, wie ich wollte. Ich bin die Geschichte mit ziemlich viel Wut angegangen, und meine Figuren haben die­­­­se Wut für mich zum Ausdruck gebracht. Ich wollte einen Thriller schreiben, und beim Schreiben hat mich genau die gleiche Angst gepackt, wie sie hoffentlich auch meine Le­­ser packt. Was mich verblüfft hat, war die Öko­nomie des Ganzen. Normalerweise arbeite ich nicht so sauber. Aber diesmal gab es keine falschen Spuren, keine Sackgassen, keine riesigen Mengen von Ausschuß wie sonst so oft. Ich hatte in meine Vergangenheit gegriffen, und der Instinkt oder ein glücklicher Zufall hatten mich genau die Figuren und Hintergründe her­ausziehen lassen, die ich brauch­­te.

Frage: Heißt das, Sie hatten die Figuren bereits fertig im Kopf, bevor Sie überhaupt mit dem Schreiben begonnen haben?

Antwort: Es gibt zwei Figuren in diesem Buch, die sich schon lan­ge vorher in meinem Schriftstellergedächt­nis eingenistet hat­ten und auf ihren Auftritt warteten. Man­che Figuren sind so. Sie reifen in der Flasche, zum Teil über Jahrzehnte. Dieser alte Mann zum Beispiel, den ich einmal in St. John's Wood getroffen habe. Er saß auf einer Bank, die Einkäufe einer ganzen Woche zu seinen Füßen, und weinte. Als ich ihn fragte, warum, sagte er mir, das Geschimpfe sei­ner Frau sei ihm so unerträglich geworden, daß er einfach nicht den Mut zum Heimgehen auf­bringe. Oder der zwölfjährige Junge in dem Kran­kenhaus in Palästina, dem eine Streu­bombe beide Beine wegge­rissen hatte und der alle, die an seinem Bett vorübergingen, mit hochge­recktem Daumen begrüßte. Diese bei­den habe ich bisher noch nir­gends untergebracht. Bei dem alten Mann habe ich es in Gehei­me Me­lodie versucht, aber irgendwie wollte er sich nicht einbauen lassen. Und über den palästinensischen Jungen werde ich wahrschein­lich niemals schreiben können. Er ist für mich nicht einfach eine Romanfigur, er ist ein Symbol nicht zu unterdrückender Tapferkeit.

Dafür konnte ich über einen anderen Jungen schreiben, einen einundzwanzigjährigen Tschetschenen namens Issa, den ich 1992 bei meinen Recherchen zu Unser Spiel in Moskau kennen­gelernt hatte. Er war ein Aussteiger, halb Tschet­sche­ne, halb Russe, und wohnte in einem musli­mischen Getto in den Moskauer Außenbezirken. Im Haus trug er immer eine Pistole im Gürtel. In Moskau mußte man damals (wie heute übrigens auch noch) nur asiatisch aussehen, um verhaftet zu werden - und Issa sah asiatisch aus. Ich war mit ihm nie auf der Straße unterwegs, des­halb weiß ich nicht, ob die Pistole ihn außer Haus beglei­tete. Er war groß und ausgemergelt und gab sich fast aufreizend würde­voll, trotz oder gerade wegen der Tat­sache, daß seine halbrussische Abstammung ihn zum Gespött der echten Tschet­schenen machte.

Für die tschetschenische Sache kämpfte er aus Op­position gegen seinen Vater, einen ehemaligen Oberst der russi­schen Besat­zungs­armee. Seine Mutter war ein Mäd­chen aus den tsche­tschenischen Bergen gewesen, und ihre eigenen Leute hatten sie dafür bestraft, daß sie ver­ge­waltigt worden war: die Dorfältesten sahen es - wodurch auch immer - als erwiesen an, daß sie willfährig gewesen war und kommandierten zur Wieder­herstellung der Familienehre ihre männ­lichen Angehöri­gen dazu ab, sie zu töten, sobald sie ihr Kind zur Welt gebracht hat­te. Als der Vater nach Moskau zu­rück­­beordert wurde, nahm er Issa mit und gab sich alle Mühe, aus ihm einen ordentlichen Rus­­sen­­jungen zu machen. Die besten Schu­len, alles das. Mit dem Erfolg, daß sich Issa, so­bald er dazu in der Lage war, den tschetschenischen Separa­tisten anschloß. Und daß er zum Islam kon­ver­tierte - aus Liebe zu einer Mut­ter, die er nie gekannt hatte. In dem Buch, das ich jetzt plante, hatte ich endlich die ideale Rolle für Issa; ich behielt sogar seinen Vor­namen bei – das tschetschenische Wort für Jesus. Wobei mein Issa im Roman natürlich nicht mehr der Issa ist, den ich damals in Moskau kannte. Um echte Menschen in Romanfiguren zu verwan­deln, müssen wir unserem begrenzten Einblick in ihr Inneres nachhelfen, indem wir ihnen ein paar Züge von uns selbst verleihen.

Frage: Und die zweite Figur, die schon auf ihren Einsatz ge­warte­t hat, war Ihr quertreiberischer deutscher Agenten­füh­rer, hab ich recht? Herr Bachmann?

Antwort: Nein. Der hat sich auf eigene Faust Zutritt verschafft. Ich kannte eine ganze Reihe von Bachmanns zu meiner Zeit, abgehalfterte, ausgebrannte Geheimdienstleute wie Alec Lea­mas in Der Spion, der aus der Kälte kam. Bach­mann war aus demselben Stall. Nein, die andere Figur, die schon in meinem imaginären Wartesaal saß, war Tommy Brue, der sechzigjährige Schotte und Erbe einer angeschlagenen Privatbank, der un­versehens in Issas Leben hineingezogen wird. Wie Issa hatte auch Brue einen höchst problematischen Va­ter. Der von Brue hat vor ihm die Bank gelei­tet, in Wien. Alle haben Väter in diesem Buch. Alle tragen die ganz persönlichen Kämpfe aus, die ihre Geburt und ihre Lebens­umstände ihnen mit auf den Weg geben. Das ist wahr­schein­lich meine Art, meine eige­ne schwie­rige Vaterbe­ziehung aufzuarbeiten, über die ich in Ein blendender Spion geschrie­ben habe. Ich habe selber eine Zeit­lang in Wien ge­lebt. Und es ist zwar schon vierzig Jahre her, aber mir ist leb­haft der trinkfreudige schottische Bankier im Ge­dächt­nis, der mich damals immer wieder bestürmt hat, doch ein Num­mern­konto bei ihm zu eröffnen - keine Namen, kei­ne For­malitäten. Es war nicht mein Geld, hinter dem er her war. Es ging ihm um die Ka­me­rad­schaft. Er war ein einsamer Exil­engländer mit einer zerbröckelnden Ehe, und Geld war nur ein Vorwand für ihn, sich an Leute an­zu­nähern, die er mochte. Ich hat­te allen Ern­stes ein schlech­tes Gewissen, daß ich kein Num­mernkonto bei ihm aufmachte, aber dieses eine Mal siegte die Vernunft, und als ich aus Wien wegging, war er denn auch in ei­nen unschönen Skandal verwickelt. Einen Skandal übrigens, an dem sein Vater die Schuld trug!

Frage: Das waren also die beiden Figuren, die es schon gab, als Sie mit der Geschichte begonnen haben?

Antwort: Es gab auch noch eine dritte Figur. Eine extrem wichtige sogar: die Stadt Hamburg. Es hat mich beim Schreiben ja immer wieder nach Deutschland zurückgezogen, so wie es auch George Smiley im­mer wieder zurückgezogen hat: nach Deutschland, dem Motor Europas, Deutschland mit seinem aggressiven Alleingang im zwanzigsten Jahrhundert, Deutschland, der Wiege eines so großen Teils unserer europäischen Kultur. Aber diesmal mußte es Hamburg sein, Hamburg oder gar nichts. Und in vieler Hin­sicht stellt es die exotischste Figur im gan­zen Buch dar. Das heutige Hamburg ist eine vitale, quirlige, schöne, selbst­bewußte Stadt: kein kulturelles Juwel, aber dafür die reichste Stadt in Europa. Aber Hamburg blickt auf eine turbulen­te Geschichte zurück: erst Besetzung durch Napoleon, 1918 dann Machtübernahme durch die Kommunisten und 1933 durch die Nazis. 1933 lebten zwanzigtau­send Juden in Ham­burg, 1945 waren es keine tausend mehr. Die Bombardierung Hamburgs durch die Alliierten 1943 kostete in einer einzigen Woche mehr Menschen das Leben als der ganze Blitz­krieg gegen England oder die Atombombe auf Nagasaki: fünfundvierzig­tausend. Um so mehr grenzt der Wiederaufbau Hamburgs nach dem Krieg an ein Wunder. Toleranz und Libera­lismus, so lautete Hamburgs neue Parole. Was einer der Gründe sein mag, warum die Stadt unwissentlich den Nährboden für Ulrike Meinhoff und die Baa­der-Meinhoff-Bande abgab – und Jahre später für Mo­hammed Atta und ein halbes Dutzend der Flugzeug­entführer vom 11. September und ihrer Mit­verschwörer.

Ich hatte noch ein anderes Motiv für meine Wahl, ein ganz persönliches. Ich war ein heimkehrender Sohn. Anfang der sechziger Jahre war ich britischer Konsul in dem mitt­ler­weile geschlossenen Hamburger Generalkonsulat gewesen. Die Bri­tische Botschaft in Bonn hatte mich in einer Eilaktion dort hinver­frachtet, nachdem ich als der Autor von Der Spion, der aus der Kälte kam enttarnt worden war. Meine Arbeitgeber hatten nichts gegen das Buch an sich, aber sie hatten nicht mit dem Aufsehen gerechnet, das meine Autorschaft erregte. Hamburg schien ihnen da angenehm weit ab vom Schuß. Da saß ich also, unschlüssig, ob ich meine Geheim­dienstkarriere weiterver­folgen oder mich ganz aufs Schreiben verlegen sollte. Als ich mich dann für die Schriftstel­lerei entschied, verließ ich Hamburg fast heimlich. Ich erinnere mich an keinerlei Ab­schie­de. Es war ein bißchen, als hätte ich eine Liebes­affäre mit der Stadt begonnen und wäre dann über Nacht abgereist, ohne meine Telefonnummer zu hinterlassen. Was wiederum ein starkes Bedürfnis in mir auslöste, die Beziehung da wieder­aufzunehmen, wo ich sie so rüde abgebro­chen hatte.

Frage: Nach vierzig Jahren?

Antwort: Ein paarmal war ich auch zwischendurch dort gewesen, aber nie lange genug. Es ist sicher Zufall, daß ich den 11. September 2001 in Hamburg erlebte, aber rückblickend fühlt es sich nicht so an. Ich recherchierte damals für ein ganz anderes Buch - Absolute Freunde, auch ein Roman über Deutsch­land -, und ich hatte mir den Vormittag über in einem Fern­seharchiv Filmaufzeichnungen aus den sechziger und siebziger Jahren angese­hen, in denen [[der anarchistische Studenten­führer]] Rudi Dutschke seine Anhänger gegen Ame­ri­ka auf­peitschte. Als ich danach ins Hotel zu­rück­kam, erwartete mich eine Nachricht mei­ner Sekretärin in Cornwall: "Gehen Sie so­fort zum nächsten Fern­seher." Ich gehorchte und kam gerade rechtzeitig, um das zweite Flugzeug in die Zwillings­türme kra­chen zu se­hen. Den Morgen hatte ich mit Rudi Dutschke ver­bracht, den Nachmittag verbrachte ich nun mit Osama bin Laden, beides erklärte Feinde des amerikanischen Kolonialismus, der Glo­balisierung und all dessen, was wir Fortschritt nennen. Ich blieb noch etwa eine Woche in Deutschland und hörte mir die Reaktionen von Freunden an. Nach außen hin hätte das Mit­gefühl für die Vereinigten Staaten kaum größer sein können: Kerzen auf ame­r­ikanischen Türschwellen, eine herzergreifende Beileidsbekun­dung auf einem Transparent am Brandenbur­ger Tor, und und und. In­­­offiziell fielen die Kommentare oft harscher aus. Ein sechzigjähriger evangelischer Pfarrer meinte zu mir, es geschehe den Amerikanern ganz recht. Für sei­ne Generation zumindest war Rudi Dutsch­kes Botschaft noch nicht gänz­lich verhallt.

Frage: Und Annabel, Ihre deutsche Bürgerrechtsanwältin, die Issa vertritt - wo kam die her?

Antwort: Eigentlich hätte ich die Rolle ja gern mit einer Frau aus der ehemaligen DDR besetzt, als eine Art Gegengewicht zu Ham­burgs überbordendem Materialismus, aber das traute ich mir denn doch nicht zu. Also habe ich mich statt dessen für eine Ideali­stin aus einer wohlhabenden Aka­de­mi­kerfamilie ent­schie­den, eine Menschenrechtsanwältin, und zwar eine mit einem gehörigen Funken Rebellentum. Puritanisch, aber freidenke­risch, ge­gen das Establishment, aber dennoch Teil davon, und fast schon übertrieben korrekt, besonders im Umgang mit Issa. Und attrak­tiv. Schließlich gehört ja auch eine Portion se­­xueller Spannung zu einer Beziehung zwischen ei­nem Muslim von Anfang zwanzig, der jahrelang ohne weibliche Gesellschaft auskommen mußte, und einer engagierten jungen Frau, die sich von seiner Not anrühren läßt. Der Issa, den Annabel kennen­lernt, war im Ge­fäng­nis und ist gefoltert wor­den. Die Folter ist ei­ne ent­setz­liche Art von Ritterschlag. Wir nicht Gefol­terten können mit den Gefolterten niemals gleichziehen, gottlob. Wir haben ein schlechtes Ge­wissen ihnen gegenüber, wir wollen sie beschützen, wir glauben, ihnen alles schuldig zu sein. Daraus speisen sich Annabels Gefühle. Fügen Sie der Mi­schung noch meinen Bankier Brue hinzu, und der Reigen ent­täuschter Liebe ist komplett. Ich fand, die Che­­­mie stimmt. Wie ich Ihnen schon zu Anfang gesagt habe, ich mag dieses Buch.

Frage: Wie wird es von den Kritikern aufgenommen werden, meinen Sie?

Antwort: So wie meine Bücher immer aufgenommen werden. In mei­nem Alter hat man seine Fans und seine Feinde, und sie än­dern sich nicht groß. Diejenigen, die mich für überschätzt halten, werden das kundtun. Diejenigen, die mich für unter­schätzt halten, werden es ebenfalls kundtun. Und in ein paar Jahren wird sich sowieso keiner mehr erinnern, wie das Buch auf­ge­nommen worden ist. Jeder halbwegs seriöse Schriftstel­ler hat es im Gefühl, wann er sein bestes gegeben hat und wann er hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Eine breite Leser­schaft zu haben ist ein Privileg, und ich habe in dieser Hin­sicht sehr viel Glück gehabt. Ich halte die­­ses Buch für eins meiner besten, und das macht mich sehr froh. Noch froher wür­de es mich natürlich machen, wenn meine Leser derselben Mei­nung wären.

Frage: Sie sagten, Sie wären die Geschichte mit ziemlich viel Wut angegangen. Wut worüber?

Antwort: Zum Teil darüber, daß um mich herum so wenig Wut zu spüren ist über das, was mit unserer Gesellschaft passiert, angeblich auch noch zu unserem eigenen besten. Wir sind unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in einen Krieg getrieben worden, wir werden in einer Atmosphäre der Panik unserer Frei­heitsrechte beraubt. Unsere Anwälte gehen nicht auf die Straße, wie es die Anwälte in Pakistan getan haben. Unsere Abgeordneten fallen auf ihre eigenen Meinungsmacher herein und glau­ben am Schluß die Propaganda, die sie selbst verbrei­ten. Unser Außen­minister muß eine Nahostmission abbrechen, damit die zweiundvierzigtätige Untersuchungshaft für Ter­roris­mu­sverdächtige durchgedrückt werden kann. Manche nennen mich einen zornigen alten Mann. Von mir aus. Man muß nicht alt sein, um sich über so etwas auf­zure­gen. Wir haben unsere Souveränität unserer „be­sonderen Beziehung“ zu Amerika ge­opfert, an der keiner etwas Besonderes findet außer wir selbst, darum wollte ich der Frage nachgehen, in­wie­weit Deutsch­­land unsere Fehler nachzuahmen gedenkt.

Aber das ist alles heiße Luft, wenn nicht die Geschichte und die Figuren den Ball nehmen und damit loslaufen - und das machen sie in diesem Buch. Und deswegen mag ich es so.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

»Ein Wunderstück literarischer Verführungskunst.« Tobias Gohlis in DIE ZEIT

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ralf KvF
Format:Gebundene Ausgabe
Der junge und strenggläubige Moslem Issa reist illegal nach Deutschland ein und bittet eine ihm unbekannte türkische Familie in Hamburg um Hilfe. Es stellt sich heraus, dass Issa, der starke Spuren fremder Gewalteinwirkung aufweist, Tschetschene ist und beabsichtigt, in Deutschland Medizin zu studieren. Issa lässt über die Anwältin einer Flüchtlingshilfsorganisation die Verbindung zum britischen Bankhaus Brue Frères herstellen und Zugriff auf ein Nummernkonto verschaffen, das aus alten Geldwäschegeschäften des Bankhauses mit der russischen Organisierten Kriminalität stammt und durch den britischen Nachrichtendienst in Auftrag gegeben wurde. Wie sich herausstellt ist Issa der uneheliche tschetschenische Sohn eines russischen Offiziers, der für Großbritanien als Quelle des britischen Dienstes tätig war. Mit den Verbindungsbemühungen der Anwältin ist für Issa die Verbindung zum Inhaber des Bankhauses hergestellt, dessen Unterstützung er in Deutschland benötigt, um hier legal studieren zu können. Issa und den Inhaber des Bankhauses verbindet eine gemeinsame Vergangenheit iher Väter im Spionagemilieu aus der Zeit des Kalten Krieges. Beide müssen nun die unbewältigte Vergangenheit dieser Herren bewältigen.
Allerdings ist Issa als illegal eingewandeter Tschetschene und strenggläubiger Moslem in den Blickwinkel der deutschen Sicherheitsbehörden geraten, die nach 9/11 gerade diesen Personenkreis besonders beobachten. Im Rahmen ihrer weiteren Nachforschungen werden die Geheimnisse der Vergangenheit aufgedeckt und Issa gerät damit sogar ins Visier der internationalen Kooperation der Nachrichtendienste im Bereich der Terrorismusabwehr. Unter Führung deutscher Sicherheitsbehörden wird er mit seinem Erbteil des Nummernkontos Teil einer nachrichtendienstlichen Operation zur Durchdringung eines vermeintlichen islamistischen Netzwerkes. Die Operation endet mit einer "extraordinary rendition" der US-Dienste, die von deutscher Seite - entgegen den Planungen ihres eigenen verantwortlichen Operationsführers - bereitwillig geduldet wird.
Le Carré hat einen durchweg spannenden Spionageroman geschrieben, der ohne blutige Zwischenfälle auskommt und sich stattdessen auf die Darstellung nachrichtendienstlicher Arbeit konzentriert. Das Romanende ist etwas abrupt, zu kurz geraten und lässt mehrere Fragen offen.
Vor dem Hintergrund des Verhaltens deutscher Sicherheitsbehörden anlässlich des Münchner Oktoberfestes 2009 ist die Thematik des Buches aktueller denn je. Die zentrale Frage ist: Wie behandeln wir strenggläubige, junge Muslime, die sich im Umfeld oder der Nähe zur islamistischen Szene bewegen? Wie gehen wir mit Ihnen und den vermeintlichen Indizien um?
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54 von 66 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Beklemmend 12. November 2008
Von Natascha
Format:Gebundene Ausgabe
"Marionetten" spielt in Hamburg, das ist schon mal ziemlich nah dran, und als ich mit diesem Buch gestern Abend durch war, fragte ich mich schon, wie nah an der Wirklichkeit das Szenario wohl ist und ob solche Dramen sich wohl tatsächlich abspielen, ich fürchte schon...

Die Geschichte ist schnell erzählt, es geht um den illegal nach Deutschland gekommenen Issa, bei dem man bis zum Schluss nicht wirklich sicher weiß, woher er tatsächlich kommt und welche Ziele er verfolgt. Verschiedenste Menschen haben auf irgendeine Weise mit ihm zu tun, versuchen ihm zu helfen, und am Ende kommt doch alles anders als gedacht. Alle sind nur Marionetten, auch wenn sie selbst das nicht wahrnehmen und immer glauben, selbst die Fäden in der Hand zu haben.

Sprachlich musste ich mich erst in das Buch hineinfinden. John le Carré schreibt recht anspruchsvoll (und warum eigentlich in alter" Rechtschreibung?), das Buch ist definitiv nichts zum mal eben zwischendurch ein paar Seiten lesen", sondern verdient volle Aufmerksamkeit. Die Personen werden sehr detailliert beschrieben, auch wenn Melik und seine Mutter Leyla ziemlich schnell wieder in der Versenkung verschwinden, dafür kann man sich dann gut in Annabel Richter und den Bankier Tommy Brue hineinversetzen. Diese beiden machen neugierig, ganz im Gegensatz zu den Geheimdienstleuten, die vergleichsweise blass und ohne Kontur bleiben, was vermutlich mit Absicht geschieht.

Die Story selbst zieht einen sofort in den Bann, es bleibt spannend bis zum Schluss, auch wenn irgendwann klar wird, dass es wohl nicht zu einem guten Ende für alle Beteiligten kommen wird. Eigentlich passiert" auch gar nicht so viel, es werden viele geheime und hochgeheime Gespräche geführt, Gedanken gewälzt und Thesen gesponnen, aber auch das fesselte mich wider Erwarten sehr.

Gut recherchiert sind sicher die ungewohnten Gedanken und Ansichten, Denkmuster und Rituale der islamischen Welt. Auch die Theorie des zu 95% guten" und zu 5 % bösen" Menschen hat mich sehr nachdenklich gemacht. Wieviel Gutes muss man tun, um wieviel Böses zu kompensieren? Darf man unschuldige Menschen opfern, um Böses zu verhindern? Ab wann ist das Gemeinwohl" wichtiger als das Wohl und die Freiheit des Einzelnen?

Eine Antwort darauf gibt das Buch nicht, am Ende sind so ziemlich alle Opfer, einen Gewinner gibt es nicht und noch nicht einmal Leyla und Melik kommen unbeschadet aus der Geschichte heraus, obwohl sie doch einfach nur Gutes tun wollten.

Ein wirklich beeindruckendes Buch, das noch lange nachwirkt.
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18 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Auch Lipizzaner sind zunächst schwarz 27. April 2009
Format:Gebundene Ausgabe
Der Tschetschene Issa flüchtet nach Hamburg. Die alternative Anwältin Annabel will seinen Aufenthalt legalisieren, um ihm das angestrebte Medizinstudium zu ermöglichen. Vielleicht ist Annabel naiv und Issa ein brandgefährlicher Islamist, der Terroranschläge plant. Das jedenfalls argwöhnen die die deutschen Verfassungsschützer. Der britische Geheimdienst wiederum zeigt Interesse an dem Umstand, dass der Verdächtige vom englischen Privatbankier Tommy Brue finanziell unterstützt wird. Und auch der CIA ist - wer könnte daran zweifeln - an Ort und Stelle zugange.
Eine wunderbare Parabel über die Frage, wer eigentlich die Terroristen sind, die es zu bekämpfen gilt. Jeder, der aus "Sicherheitsgründen" bei einer Pauschalreise am Flugplatz Gürtel, Kamm und Schlüsselbund ablegen muß, und jede, der daselbst "Terrorinstrumente" - die da sind Nagelfeile, Hautschere und Badelotion - von "Securities" mit nachgewiesenem Volksschulabschluss abgenommen werden, um ein angebliches Sicherheitsbedürfnis zu befriedigen, kann nur hellauf begeistert sein. Feine Ironie, britischer Humor und unglaubliche Phantasie zeichnen auch diesen Roman des Altmeisters aus, der wiederum in beispielhafter Übersetzung (dafür sind Sabine Roth und Regina Rawlinson verantwortlich) vorliegt. Kein Buch für Leser, die Action und nicht Suspense lieben, mit Stil und Sprache nichts anzufangen wissen oder Bush gewählt haben. Ein Roman für Skeptiker des Sicherheitswahns und solche, denen Freiheit, Rechtsstaat und Menschenrechte am Herzen liegen.
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4.0 von 5 Sternen Gretchenfrage - Wer zieht wirklich die Fäden ?
für dieses Buch eine Rezension zu schreiben fällt nicht leicht. Viele Tage, nachdem ich das Buch schon gelesen hatte, versuchte ich eine sinnvolle Ordnung in die... Lesen Sie weiter...
Vor 7 Monaten von Laoghaire veröffentlicht
2.0 von 5 Sternen Doch wer ist der Puppenspieler?
Issa, ein tschetschenischer Moslem, flüchtet sich nach Deutschland, wo ihn eine türkische Familie aufnimmt. Lesen Sie weiter...
Vor 13 Monaten von McFayden veröffentlicht
5.0 von 5 Sternen Marionetten wie wir
Auch dieser Roman gehört für mich zu den Spitzenwerken von John LeCarre, dessen Werke immer mehr vom anspruchsvollen Spionageroman zum literarischen, politischen Roman... Lesen Sie weiter...
Vor 14 Monaten von hanniball veröffentlicht
4.0 von 5 Sternen Hat mich nicht enttäuscht
Mir hat das Buch sehr gut gefallen.
Zum einen, weil die Erzähl- und Schreibweise des Autors auf
einem etwas höheren Niveau angesiedelt ist, und zum... Lesen Sie weiter...
Vor 18 Monaten von Janine2610 veröffentlicht
3.0 von 5 Sternen Der Preis unserer Sicherheit
Terror, ein hochaktuelles Thema, das in vielen Thrillern bereits seinen Platz fand. Kenner der Materie John le Carré verpackt dieses Thema nun auch in diesem Werke -... Lesen Sie weiter...
Vor 20 Monaten von Eikem veröffentlicht
4.0 von 5 Sternen Wer zieht an den Fäden?
Wer zieht an den Fäden? ist der nicht nur sprichwortliche rote Faden, der sich durch das ganze Buch von John LeCarré hindurchzieht. Lesen Sie weiter...
Vor 20 Monaten von Dschaenna veröffentlicht
2.0 von 5 Sternen Da hat sich der Puppenspieler wohl vertan
Issa Karpow ist ein tschetschenischer Flüchtling. Er war in russischen und türkischen Gefängnissen, dort wurde er gefoltert, aber er konnte entkommen. Lesen Sie weiter...
Vor 23 Monaten von T. Renzer veröffentlicht
3.0 von 5 Sternen Deprimierend
Das Handlung mag hochaktuell sein, und bestimmt sind auch die Hintergründe gut recherchiert. Letztendlich gibt es nur Verlierer und alles bleibt beim alten. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 17. Januar 2011 von Yoda42
2.0 von 5 Sternen Stereotyp
Die Handlung des Buches wurde zu genüge beschrieben und ich stimme überein das, dass Buch zu Anfang recht spannend geschrieben ist und die Handlung parallele... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 31. Dezember 2010 von Aisteg
4.0 von 5 Sternen Das Morgen geht aus dem Gestern hervor
John le Carré beschreibt seine Charaktere so genau und ausführlich, dass man beim Lesen den Eindruck hat, als würde man die Protagonisten persönlich kennen. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 6. November 2010 von Susanne
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Elizabeth George 0 19.12.2008
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