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143
3,3 von 5 Sternen
Marie Antoinette
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15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 26. Juni 2012
"Marie Antoinette" ist ein Film, den man nicht wegen seiner mitreißenden Handlung oder tiefschürfenden Botschaft genießt, sondern einfach deshalb, weil er so ... hübsch ist. Alles darin, diese Mischung aus moderner Musik, schönen bis schrillen Kostümen, extravaganten Frisuren und einer sehr aparten Hauptdarstellerin, ist so dekorativ und süß wie ein Karton Macarons in allen Regenbogenfarben - wenn sich auch gegen Ende eine bittere Note hineinschleicht.
Marie Antoinette, verschrieen als eine herzlose Prasserin, wird hier als ein naives Mädchen gezeigt, das im Glanz des französischen Königshofes allmählich erstickt. Die Tragik wirkt allerdings nicht so herzzerreißend wie in dem (sehr empfehlenswerten!) Film "Die Herzogin" mit Keira Knightley, der von der Handlung her ähnlich ist; das liegt vermutlich auch daran, dass alles Hässliche in "Marie Antoinette" möglichst gering gehalten wird, um den Augen- und Ohrenschmaus nicht zu verderben. Die Dialoge sind sehr spärlich, es gibt viele ruhige bis statische Szenen: Marie Antoinette und ihr Gemahl frühstücken schweigend, Marie Antoinette liegt in der Badewanne, Marie Antoinette sitzt mit ihrer kleinen Tochter auf einer Blumenwiese.
Wer unbedingt einen richtigen Spannungsbogen braucht, wird sich nach dem ersten, noch relativ dynamischen Drittel des Films möglicherweise langweilen. Wer sich aber wie ich gerne von schönen Bildern und schöner Musik unterhalten lässt, den wird diese bonbonrosa verpackte, innerlich eisige Traumwelt sicherlich faszinieren!
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35 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
An Sofia Coppolas eigenwilliger Version eines Historienfilms scheiden sich die Geister. Ihr Film wird gerne missverstanden und rasch als langweilig abgetan, doch man muss anerkennen, dass ihr mit "Marie Antoinette" ein eigenständiges, wenn auch polarisierendes Kunstwerk gelunge ist.

Es handelt sich hierbei um eine interessante, sozusagen "hippe" Alternative zum klassischen Historienfilm, dem sie mit ihrer frechen und selbstbewussten Regie einen frischen Anstrich verleiht.
Der moderne Bezug, den die Filmemacherin erreichen will, wird schon direkt im Vorspann deutlich, als der Song "Natural's Not In It" der Band Gang of Four erklingt. Der Einsatz moderner Popsongs stößt vielen Zuschauern vor den Kopf und kann durchaus befremdlich wirken, doch das ist nun mal letzlich reine Geschmacksache. Ich finde, dass Coppola die Songs auf leichtfüßige und mühelose Art einbaut und auch nie etwas erzwungen wirken lässt.

Die Gegenüberstellung der häufig modernen Musik mit der historischen Thematik gibt dem ganzen natürlich einen interessanten Bezug mit der heutigen Realität, die von den im Film dargestellten Themen wunderbar korrespondiert.

Coppola geht es offensichtlich nicht um eine akurate Darstellung der Geschichte und den politischen Ereignissen der damaligen Zeit. Sie erzählt die Geschichte ganz und gar aus den Augen der jungen Frau, die regelrecht von Österreich nach Frankreich importiert wurde.
Kirsten Dunst trifft mit dieser Rolle den Nagel absolut auf den Kopf, sie spielt völlig unbeschwert und hinreißend. Gerade ihr tolles Spiel sollte es besonders jungen Zuschauern ermöglichen, sich mit dieser Person zu identifizieren, deren Bedürfnisse und Charakterzüge zeitlos erscheinen.

Ihre Entfremdung und Einsamkeit und ihre Versuche dieser seltsamen Welt zu entfliehen, ist wunderbar umgesetzt (ähnlich wie in Coppolas wundervollem, bedeutend besseren "Lost in Translation"). Sie ist im Prinzip ein ganz gewöhnliches Mädchen, das in eine fremde Welt gestoßen wird und diese, ganz auf sich alleine gestellt, bewältigen muss.

Auch Jason Schwartzman als Ludwig XVI. gibt eine tolle Figur, seine Verklemmtheit und Verunsicherung ist stellenweise urkomisch.

Der Film ist deutlich mehr am höfischen Zeremoniell interessiert als an der Historie. Coppola beobachtet das Leben am Hof, die höfischen Rituale mit scharfem Auge, wodurch sie deren Absurdität entblößt. Die steif wirkende Etikette sorgt auch für manchen Lacher.

Auch die Bezüge zur damaligen Gerüchteküche sind sehr interssant, der berühmte Spruch Marie Antoinettes, dass das Volk doch Kuchen essen soll, wenn sie kein Brot haben, wird als Lüge dargestellt. Parallen zur modernen Klatschpresse, deren Lügengeschichten so manchen Prominenten kaputt machen sind sicherlich nicht ungewollt.

Die Ausstattung ist jedoch zweifelsohne das Highlight des Films: Die exquisiten Dekors führen den Zuschauer direkt in das höfische Leben von Versailles zurück. Natürlich spielen die Originaldrehorte dabei eine entscheidende Rolle, die auf naturalistische und nicht übertriebene Weise eingefangen werden. Die atemberauben Kostüme, für die Milena Canonero mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, sind eine wahre Augenweide.

Coppola kreiert ein ungemein sinnliches Ereignis, man hat regelrecht das Gefühl, die ausgefallen Törtchen schmecken und das Puder der Perücken riechen zu können. Alleie deswegen ist "Marie Antoinette" sehenswert.

Der Film ist also definitiv schön anzusehen und hat einen außergewöhnlichen, unkonventionellen Stil. Er funktioniert auch sicherlich im Bezug auf Coppolas Ambitionen, Parallelen zur Moderne herzustellen (an einer bestimmten Stelle sind sogar versteckt Converse Schuhe zu sehen), jedoch lässt die dargestellte Oberflächlichkeit den Film ein wenig kalt wirken. Dennoch ist "Marie Antoinette" ein guter Film, man muss ihm nur offen begegnen.
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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 3. März 2011
Arte war so freundlich den Film heute zu zeigen - und ich muss zugeben - ich bin völlig begeistert!

Sicher mag so mancher mit einer komplett anderen Erwartungshaltung in Hinsicht auf die reale, historische Person enttäuscht davon sein, dass diese Verfilmung eines Teilabschnitts ihres Lebens bewusst aus künstlerischen Gründen eine ganz andere Art der Erzählweise und Wahrnehmung der Abläufe für den Betrachter gewählt hat...aber genau das macht diesen Film zu etwas Besonderem und hebt ihn aus der Masse von Filmbiografien deutlich heraus!

Der Film ist sehr spirituell und ich nehme bewusst als Zuschauer die feine Hand und das Gespür der Regisseurin Sofia Coppola wahr, genau diese Feinheiten, Momentaufnahmen, Perspektiven und Facetten zu zeigen, sowie die ganze Art und Weise, wie das Erzählen erfolgt, wie die opulente Ausstattung eingesetzt wird, die Kameraführung, die Auswahl der Gebäudesilhouetten, die farblichen Eintönungen der Atmophäre usw. - vor allem in der Szene, wo der Sarg per Kutsche abgeholt wird.

Das Leben schien für die Hauptprotagonistin wie ein Bilderrausch, getrieben von Sehnsucht, Liebe, Leidenschaft aber auch Langeweile, Hilflosigkeit und Ohnmacht, sich selbst richtig zu erkennen oder was um sie herum innerhalb dieser Verhältnisse geschieht, eine Welt, in der das junge Mädchen Marie Antoinette von Anfang an gefangen war, ohne wirkliche Chance da irgendwie raus zu kommen. Sie hatte nur eine begrenzte Wahrnehmung und geringe Handlungsmöglichkeiten und hat versucht so gut wie möglich damit umzugehen, innerhalb einer sehr kleinen, alles andere außerhalb ignorierenden Welt. Ihr Schicksal war deshalb von Anfang an besiegelt...sie wusste es nur noch nicht. Oder ahnte sie es doch schon irgendwie? Es lag die ganze Zeit während des Films quasi in der Luft, dass es da draußen ein Volk geben muss, welches leiden musste, um den Prunk und Protz dieser reichen, königlichen Scheinwelt zu erhalten. Von all dem erfährt man zunächst gar nichts...bis das dicke Ende kommt. Der Adel als gesellschaftliche Form von Fetischkonstitution, welche die Macht im Land verkörpert und der aller Reichtum zufließt, wurde selten so gut ins Bewusstsein gerückt wie hier - gerade durch diese spezielle Erzählweise.

Ganz großes Kino, finde ich!!!

Abgesehen davon hat mich die Musik richtig geflasht!!! New Order, Bow Wow Wow, Siouxsie & The Banshees, sogar Adam & The Ants passten wie die Faust auf`s Auge und verliehen den entsprechenden Szenen eine eigene Magie und Dynamik, die heutige Gothic-Liebhaber (wie mich) sehr ansprechen dürften...! So ist die DVD eine prima Möglichkeit, sich diesen Film immer mal wieder ansehen zu können.

Ein echtes Highlight - wie gesagt ganz besonders für Ästhetik- und Gothic-Liebhaber!!!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 23. Juni 2012
auch wenn sofia coppolas (das geheimnis ihres todes,lost in translation) film keinen zweifel daran läßt, dass der hübsche leichtkopf titelgebender königin (kirsten dunst) zunächst eher aufgrund unmäßigen champagnergenusses bleiern hängt und nicht, weil die zu herzen genommene schwere der absolutistischen souverenität ihn belastet. viel eher noch erdrückt da die - für eine etwas vernachlässigte unter vielen österreichischen prinzessinnen gänzlich unerwartete - last der familiären verantwortung als bürde der überlebensgroßen mutter kaiserin (mit mehr als einem mütterlichen augenzwinkern besetzt: marianne faithful).

der film sucht also stets sympathisierende nähe zur bisweilen arg von der historie verfehmten person ihrer mäjestät. so er denn überhaupt die historische person ihrer majestät sucht. trotzdem der film auf antonia frasers eher geschwätziger biographie "the journey" basiert, scheint die amtlich-politische person der regisseurin nämlich größtenteils schnuppe, vielleicht weil ihr die politik begrifflich zu nahe bei der political correctness liegt. und absolut unkorrekt im sinne der vergilbten normen für einen kostümierten erzählfilm ist dieses stück hier allemal, nur darf der zuschauer sich wundern, wie zart und barbie-pink maskiert der punk daher kommt. denn coppola widmet sich viel lieber dem sujet, das ihr am nächsten liegt, und in welchem sie uneingeholte expertin ist: absolut stilsichere, traumwandlerisch feinfühlige studien weltenverlorener charaktäre aus (ab)gehobenen gesellschaftsschichten.

wenn da nun der professionell kritisierende vorwurf laut wird, dass die regisseurin "beim impressionistischen ansatz aus ihren beiden vorherigen filmen bleibt, der in den überwältigenden kulissen allerdings weniger verträumt als kraftlos wirkt", hört sich das, geht es nach mir, viel mehr an, als sei es ihr eben doch auf geradezu kongeniale weise geglückt, das bild, das man heute von der kronprinzessin' charakter in ihrem reduntanten, absolutistischen zeremoniellen unterworfenen leben hat, einzufangen. und dies in form eines filmpoems mit schwelgerisch pastellener ausstattung, einer sowohl als pomp wie auch auf understatement setzenden bildauswahl und haargenauer musikselektion, die von den emotionalen "reisestopps" der behandelt werdenden personen erzählt, wo es die offen-sichtlichen hofeindrücke verschweigen.

angemerkt sei an dieser stelle vielleicht noch, dass der vergleich zu den heutigen societygören nur insofern trifft, als man damit nicht geschmacksbeleidigend grelle blödblinsen und moralbefreite luxusproletten wie oft beschworene paris hilton meint, sondern den bogen vielleicht zu bohemeren it-girls wie coppola und dunst selbst spannt. denn es besteht meines erachtens nach ein immerhin bemerkenswerter unterschied zwischen leicht- und hohlköpfig. dementsprechend auch der das publikum anerkennend fordernde (im gegenteil zu: langweilende) ansatz, nicht effektheischerisch darzustellen, was eh jeder weiss, nämlich wie die königin denn nun in radikaler problembehandlung schlußendlich von ihrer kopflast befreit wird, sondern allgemeines wissen zum näheren verständnis des filmes voraussetzen.

jedenfalls würde ich es den paris hiltons dieser welt nicht zutrauen, diese umwerfende und umwerfend charmante schwermut, chucks, platons höhlengleichnis (ja, tatsächlich, wer hätte das gedacht, erkenntnistheorie in einem film, der vornehmlich für seine - übrigens eher ungelungenen - manolo blahnik schuhe bekannt ist), britischen new-wave-post-punk und das ancien régime derart passgenau, radikal und doch sanft-humorig unter einen hut der zurecht oscar-prämierten kostümbildnerin milena canonero (barry lyndon, der pate) zu bringen.

allein für diese leistung 5 zacken aus der krone mit jeweils einem draufgespießten petit four.

PS: sollte aber nun der geneigte zuschauer doch die historisch verbürgtere person der regina non grata suchen, so versuche er es einfach mit dem sonst eher mediochren "das halsband der königin", der streift besagte dame zwar kurz, aber treffend und ebenso gut gekleidet. wem das immernoch zu wenig dramatisch und unrevolutionär ist, der probiert vielleicht das gleichnamige alte MGM vehikel nach stefan zweigs "bildnis eines mittleren charakters", der, von der kritik liebevoller behandelt, zwar mit dem buch und der politik genauso wenig zu tun hat, aber genauso überwältigende kulissen und kostüme in zeitgemäß hyperdramatischem zuschnitt bietet. ein neuzugang in den filmischen auseinandersetzungen mit der "autrichienne" bietet benoit jaquots "leb wohl, meine königin!" mit einer am rande des nervenzusammenbruchs entlanglächelnden diane krüger in nämlicher rolle. jedoch muss der zuschauer, obwohl der film aus der perspektive einer bediensteten geschildert wird, auch hier einen ähnlich beschränkten winkel mit fehlendem blick durch das gitter des güldenen käfigs in kauf nehmen, in puncto kostüm, tempo, detailschärfe und teifgang seine erwartungen aber erheblich drosseln.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 28. Januar 2015
So schlecht ist der gar nicht....
Natürlich ist es weder ein Actionfilm, noch eine vor Witz sprühende Komödie oder eine triefende Liebesschnulze.
Es ist in meinen Augen schlichtweg ein historischer Film über eine historische Person. Auch wenn er an einigen Stellen etwas frei von der Filmemacherin interpretiert wurde (zum Beispiel bei der Wahl der Musik), ist und bleibt er doch nichts anderes.
Ich finde die Schauspielleistung sehr gut, die Kulissen grandios. Drei Sterne gab es, weil es natürlich Filme gibt die mich mehr begeistern und faszinieren, da muss man nach oben Luft lassen. Dennoch ist der Film sehr empfehlenswert, gerade für Menschen die solche Filme mögen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 17. April 2015
Toller Film mit wenig Text, dafür um so mehr tolle Bilder und Aufnahmen.
Die Szenen rund um Schloß Versaille sind wirklich gelungen.
Sollte man auf jeden Fall mal gesehen haben (als Frau)!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 16. Oktober 2013
Letztlich ist es insbesondere dieser eine Satz, der sich auf ewig ins Gedächtnis der Nachwelt brannte: "Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen!" Eine ebenso zynische wie unsensible Botschaft, gerichtet an ein Volk, in dem es vor allem Hunger und Hass im Übermaß gibt. Marie Antoinette wird dieser Ausspruch zugeschrieben, wenngleich sie jene Worte wohl so nie gesagt hat. Zumindest kommen Historiker wie die Biografin Antonia Fraser (deren Buch der Film in Teilen adaptiert) mittlerweile zu diesem Schluss. Vielmehr handele es sich um ein mit Wonne lanciertes Gerücht, das wahrscheinlich auch deswegen in der Erinnerung verhaften blieb, weil es wunderbar passte: zu der blinden Arroganz der Macht, der Unbeweglichkeit der Ständegesellschaft, der Ignoranz der Monarchie gegenüber dem aufkommenden Elend und dem eklatanten Missverhältnis zwischen den dekadenten Eliten in Versailles und einer in Armut versinkenden Bevölkerung. Bezeichnend für das Leben der letzten Königin des Ancien Regime ist dieser Satz allemal, denn die jüngste Tochter der Habsburger Herrscherin Maria Theresia blieb am französischen Hof immer eine Fremde, eine Wienerin, der man stets misstraute und vieles unterschob, ein pompös herausgeputzter Sündenbock in einem schon seit langem heruntergewirtschafteten Land. Bereits die allererste Szene nutzt Sofia Coppola zu einem provokanten Spiel mit jener ominösen Kuchen-gegen-Brot-Formel: Wir sehen Marie Antoinette, wie sie in lasziver Pose auf einer Chaiselongue liegt, mit dem Finger durch eine pinkfarbene Zuckercreme-Torte fährt und einen verstohlenen Blick in Richtung Kamera wirft. Exquisites Hefegebäck anstelle des gewöhnlichen Brots - als ließe sich eine Staatskrise so einfach lösen! Dass dieses von der Geschichtsschreibung inzwischen leicht korrigierte Bild direkt an den Beginn des Films gesetzt wird, kommt nicht von ungefähr, denn auch Coppola versucht im weiteren Verlauf, das berüchtigte Image der Stilikone des Rokoko ein bisschen aufzubrechen, indem sie ein intimes psychologisches Porträt zeichnet, das zugleich in einer bonbonfarbenen Phantasie eine moderne Version von Marie Antoinette herbeifabuliert. Dabei tritt die auf wissenschaftlichen Quellen basierende Rekonstruktion dieser Epoche weit hinter die tiefere Ausleuchtung der nur lückenhaft überlieferten Ängste und Sehnsüchte einer jungen Frau zurück, die nie um jene Rolle, die sie so dürftig ausfüllte, gebeten hat. Bereits im Alter von 14 Jahren wird die unbeschwerte Nymphe mit dem Bourbonen Louis-August verheiratet, um den Frieden zwischen Frankreich und Österreich zu sichern. Die Übergabe des unerfahrenen Mädchens erfolgt auf neutralem Gebiet in einem Pavillon im Wald, wo man die verschüchterte Maria Antonia unter der Aufsicht der sittenstrengen Comtess de Noailles vollständig entkleidet und anschließend in französische Gewänder steckt - ein Akt, mit dem die Initiation zur Dauphine endgültig besiegelt wird. Doch dies ist nur der Anfang einer ganzen Kette von höfischen Ritualen des Ankleidens, Speisens und Gebärens, die von Coppola zwar in einer etwas burlesken Überdehnung dargestellt werden, aber nicht die Grausamkeit verbergen, die mit der gewaltsamen Enteignung des Körpers einhergeht.

Als besonders schwierig gestaltet sich fortan die Zeugung eines Thronfolgers, da der seltsam apathische Ludwig XVI. keinerlei Interesse an seiner Frau zeigt, wobei man nicht genau weiß, ob nun seine religiöse Erziehung, mangelnde Aufklärung oder doch eine Phimose die Ursache seines Versagens bildet. Die in staatspolitischer Sorge erstarrende Öffentlichkeit gibt wiederum seiner Gemahlin die Schuld am Nichtvollzug der so leidenschaftslosen Ehe, die daraufhin ihre Frustration in nahtlos ineinanderfließende Konsumorgien, Maskenbälle, Opernbesuche, pfauenbunte Modeexzesse und Vergnügungen am Spieltisch ertränkt. Zum Symbol der monströsen Verschwendungssucht wird der kolossale Haarturm, der dermaßen übertrieben mit kitschigen Accessoires dekoriert ist, dass man denken könnte, die Königin sei kopfüber in ein Kinderzimmer gefallen. Mit diesem Verhalten bereitet Marie Antoinette den Nährboden für die wildesten Gerüchte der Klatschpresse. Selbst die lang ersehnte Erfüllung ihrer dynastischen Zeugungspflichten kann ihren Ruf nicht mehr retten. Zum Vorboten des Niedergangs wird der Tod des dritten Sprösslings, der zeitlich fast genau mit dem Sturm auf die Bastille zusammenfällt. Der legendäre Marsch der Marktweiber nach Versailles (im Oktober 1789) führt die Handlung auf ihrer elliptischen Bahn an den Ausgangspunkt zurück. Das aufgebrachte Volk dringt bis in die Gemächer des Königspaares vor, um dem Potentaten persönlich zu sagen, was es will: Brot. Damit schließt sich auch die Klammer des Films. Die verwüsteten Räume werden zum Sinnbild eines entweihten Mikrokosmos, in dem die Lust an der Zerstreuung ab jetzt dem Blutrausch der Revolution weichen muss; die illusorische Scheinwelt der Genüsse zerplatzt an der wirklichen Wucht der physischen Zerstörung. Noch in der Morgendämmerung wird die Monarchenfamilie nach Paris in die Tuilerien überführt. Die Kutschfahrt endet mit einem abrupten Schnitt, der dem einer sausenden Guillotine gleicht.

Das mag auf den ersten Blick alles ein wenig relativierend, wenn nicht gar revisionistisch erscheinen, doch man darf dieses Sittengemälde nicht als historisch akkurates Biopic sehen (was die vielen Modifikationen in Ausstattung und Drehbuch auch gar nicht zulassen), sondern eher als Teil einer Reihe melancholischer Gesellschaftsstudien, in denen die Regisseurin Coppola eine adoleszente Generation porträtiert, der Jugend und Wohlstand nicht zum Glück gereichen. Langeweile, Einsamkeit und innere Leere werden deshalb mit Hedonismus als Ersatzbefriedigung ausgefüllt, wobei sich im wahllosen Schwelgen in Dekorativität und Äußerlichkeit das redundante Moment manifestiert. Der Brückenschlag in die Gegenwart erfolgt über den Soundtrack. So schreitet die von Kirsten Dunst als sehr hilflos und unbedarft interpretierte Marie Antoinette nach ihrer Krönung zu "Plainsong" von The Cure die Schlosstreppe herab, zelebriert ihren Geburtstag zu "Ceremony" von New Order und verführt den schwedischen Grafen Axel von Fersen zu "King Of The Wild Frontier" von Adam Ant, alles ideale Songs, um die anachronistische Flucht in ein realitätsfremdes Traumgebilde zu untermalen, in das sich eine einst so lebhafte Kindfrau zurückzieht, die (ebenso wie ihr heillos überforderter Mann) nicht die Weitsicht besaß, die Zeichen der Zeit richtig zu deuten.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Nach Ansicht der Regisseurin und Drehbuchautorin Sofia Coppola schon. Deshalb versucht sie den Zuschauern mit geschickten Stilmitteln und mit viel psychologischem Einfühlungsvermögen in ihrem Film deutlich zu machen, was sich eigentlich im Spätrokoko am französischen Hofe in Versailles ereignet hat und um wen es sich bei der Person Marie Antoinettes( Kirstin Dunst) wirklich handelte.

Die Tochter Kaiserin Maria Theresias von Habsburg ist 15 Jahre alt als sie Schönbrunn verlässt, um den französischen Thronfolger, den späteren Ludwig XVI zu heiraten. Man sieht das junge, sehr hübsche und überaus charmante Mädchen die letzten Mahnungen ihrer Mutter entgegennehmen und wenig später in einer Kutsche auf dem Weg nach Frankreich.

An der französischen Grenze muss Marie Antoinette sich all ihrer Kleider und Habe entledigen, wird neu eingekleidet und vom Großvater ihres zukünftigen Mannes empfangen, der sie diesem vorstellt. Die beiden Brautleute sind blutjung, sind nach heutigen Begriffen Teenager und werden von früh bis spät in das Korsett nicht enden wollender Konventionen gesteckt und zwar in einem Schloss , fernab gesellschaftlicher Realitäten, in einem Schloss, in dem eigene Sitten und Gebräuche gelten und ein junger Mensch, die Welt, so wie sie sich darstellt , nicht in Erfahrung bringen kann. Nach der Eheschließung erwartet man von Marie Antoinette, dass sie schwanger wird, doch ihr junger Gatte ist viel zu schüchtern als dass er mit ihr beischlafen könnte.

Von Stund an wird sie von allen Seiten bedrängt und ihre Position in Frage gestellt. Sechs Jahre nach der Eheschließung haben die beiden immer noch keine körperliche Beziehung. Das junge Paar führt artig das Hofzeremoniell aus(sehr subtil dargestellt), - immerfort ist der Hofstaat um die beiden, kleidet die junge Frau morgens an und abends aus, ist beim Tafeln in ihrer Nähe, entmündigt das Mädchen in jeder Beziehung und lässt ihm nicht die Luft zum Atmen.

Diese verschafft sich Marie Antoinette auf nächtlichen Maskenbällen mit jungen Aristokraten in Paris und später nach dem Tod Ludwigs XV bei Hofe, nachdem sie Königin von Frankreich geworden ist. Sie spielt mit Freunden Roulette, feiert ausgelassen mit Gleichaltrigen, ist einfach nur jung und lebenslustig. Immer dann, wenn Bewegung und Ausgelassenheit im Film dargestellt wird, wechselt die Musik. Plötzlich vernimmt man einem modernen Soundtrack (u.a. The Stroks, Siouxsie And The Banshees, The Cure, New Order, Air) und registriert Partystimmung in Kostümen längst vergangener Zeiten.

Die Menschen in Versailles sind primär in Rosa-, Hellblau-, Türkis- und Gelb-Töne gekleidet, in den Farben des Rokoko. Die Kostüme sind prachtvoll, bewusst etwas überstilisiert und die Frisuren der Damen so aufgetürmt, wie dies bekanntlich in der damaligen Zeit üblich war. Eine Ausnahme bildet die Maitresse Ludwigs XV, Madame Du Barry. Sie gehört einer untergegangen Welt an, deshalb ist ihre Kleidung altbacken, rot.

Die Regisseurin nimmt dem Rokoko die Steifheit und präsentiert das Manierierte als frechen Kult, als Laune junger Leute, die ihre Modeticks ähnlich auslebten wie in allen Zeiten davor und danach.Wunderbar ist die Szene als sich die adeligen Mädels an Schuhen ergötzen und für ein Zehntel- Sekunde unter all den seidenen Schühchen jener Epoche ein paar Turnschuhe sichtbar werden.

Marie Antoinette ist schließlich gelangweilt vom pompösen, einengenden Hofleben, schafft sich ihr Reich im Park von Versailles und zieht sich- mittlerweile hat sie eine Tochter zur Welt gebracht- in das " Petit Trianon " zurück, wo sie die Naturverbundenheit, die Rousseau predigte, stilistisch auslebt. Dort trifft sie sich auch mit Graf Axel von Fersen, der ihr im Film als Geliebter zugerechnet wird. Bekannt ist , dass er ihr Favorit war. Marie Antoinette wurde vom Volk als verschwendungssüchtige Österreicherin dämonisiert und gehasst, obschon sie sich nur ihren Kreisen gemäß verhält. Man lastet ihr allerdings die Unmäßigkeit des Adels in seiner Gesamtheit an. Sie ist das Feindbild Nr. 1 des Volkes. Das wird besonders deutlich als der Mob 1789 vor den Toren Versailles steht und den Tod der französischen Königin fordert.....

Der Film fokussiert sehr drastisch die Dekadenz der Upperclass in jener Epoche, die zwangsläufig zum Aufstand des hungernden Volkes führen musste. Die führende Gesellschaftsschicht hatte sich nach Versailles zurückgezogen, genoss fernab der Lebensrealität des Volkes ignorant eine Sonderstatus und zerbrach an diesem - selbstverschuldet unmündig -, wie Kant vermutlich konstatieren würde.

Ein psychologisch sehr gut ausgeloteter Film, Gewinner 2006 des Cannes Film Festivals, der am Beispiel Marie Antoinettes deutlich macht, wie problematisch es doch ist den Begriff der selbstverschuldeten Unmündigkeit einem Menschen anzuhaften, sobald psychologische Betrachtungen ins Spiel kommen. Hätte diese nicht intellektuell veranlagte Frau in diesem völlig abgeschotteten Mikrokosmos von Versailles wirklich eine Chance zur Erkenntnis haben können?

Bonusmaterial: Making of, Entfallene Szenen, Schlossführung XVI, Trailer. Die wundervollen Kostüme von Milena Cannero wurden mit einem Oskar ausgezeichnet.

Empfehlenswert.
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am 21. Oktober 2014
In den Rezensionen findet man doch viele verstörte Stimmen, was die teilweise poppige Aufmachung des Filmes soll. Ich muss zugeben, dass mich das selbst sehr lange davon abgehalen hat, mir diesen Film anzusehen. Nicht, weil ich Sissi-Kitsch mag, sondern weil ich gerade bei historischen Filmen doch viel Wert auf eine gewisse Authentizität lege. Naja irgendwann habe ich mich dann doch getraut und muss sagen: Sofia Coppola hat Historisches und Modernes perfekt miteinander verknüpft. Dass die Filmmusik aus Pop besteht, fällt überhaupt nicht störend auf. Die Stücke sind gut in die jeweiligen Szenen eingefügt. Auch moderne Elemente wie Macarons oder "Chucks" kommen einem in dem bunten Ensemble gar nicht fremd vor - obwohl sie es sind.

Soviel zur Umsetzung. Marie Antoinette ist zweifellos eine der umstrittensten Figuren der französischen Geschichte. Als Ausländerin fällt es leicht, ihr die Hauptschuld für die Entwicklungen zu geben, die schließlich zur Revolution geführt haben. Aber, und das ist der Kern dieses Films, Marie Antoinette und König Louis XVI. waren nicht einmal 18 Jahre alt, als sie den Thron bestiegen. Vorbereitung spielte am dekadenten Hof von Versailles keine Rolle und so wurden die beiden sprichwörtlich ins kalte Wasser geworfen. Und ist es nicht nachvollziehbar, wenn eine Frau sich vor ihrer Kinderlosigkeit in Verschwendungssucht und Vergnügen stürzt? Soll natürlich nicht heißen, dass das Königspaar nichts falsch gemacht hat. Aber der Film beleuchtet doch ganz gut, wie man Schuld an fatalen Entwicklungen haben kann ohne dass dahinter böse Absichten standen.
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Beim besten Willen. Auch wenn Marie Antoinette nicht geköpft worden wäre, möchte man mit der Frau trotzdem nicht tauschen! Wenn man morgens aufwacht und hat schon seinen ganzen Hofstaat im Schlafzimmer stehen - HORROR!!!
Regisseurin Sophia Coppola schafft es, mit ihrer Version des Lebens von Marie Antoinette gelungen, einem die Vorgänge am Hof von Versailles näher zu bringen. Kostüme, Ausstattung, Drehorte in allem spiegelt sich gekonnt der Pomp jener Zeit wieder. Und wenn man schonmal den einen oder anderen historischen Bericht gelesen hat, dass Marie Antoinette eine recht blauäugige Person gewesen ist im Bezug auf das, was die Nöte des Volkes bedarf, gibt der Film auch das recht gut wieder. Doch merkt man auch, dass die Königin eigentlich nicht anders konnte - zumindest zeigt Sofia Coppola das so. Wenn man schon, wie eingangs erwähnt, stets seinen ganzen Hofstaat um sich herum hat, abgeschirmt wird, die Nachrichten, die man bekommt gefiltert zurecht frisiert werden, wird einem das verständlicher. Auch der berühmte Satz, den man Marie Antoinette nachsagt, dass man dem Volke Kuchen geben solle, wenn kein Brot da ist, taucht auf, doch erscheint der einem dann doch etwas anderem Licht, wenn man den ganzen Hofapparat von Versailles in Aktion erlebt.
Doch nicht, dass Sophia Coppola nur versucht, dass einem Marie Antoinettes Art verständlicher wird. Sie zeigt eben auch die Seite der Medaille, die man sich gern immer wieder mal vorstellt. Der Hofstaat wirkt eben doch auch oft wie ein überheblicher, arroganter Haufen unbedarfter Party People.
Mutig ist es, was hier in Punkto Musik gemacht wurde. Wie etwa Filme wie Der Tag des Falken" und Ritter aus Leidenschaft" wurde Musik verwendet, die man so garnicht mit einem Historienfilm in Einklang bringen mag - moderne Popsongs. Aber wie bei den beiden erstgenannten Filmen Musik von Alan Parsons oder Queen funktionieren die Songs (viele der 80er Jahre) hier perfekt.
Mit "Marie Antoinette" hat Regisseurin Sophia Coppola einen sehr interessanten Historienfilm geschaffen, den man sich halt nicht nur einfach ansehen kann, sondern über den man auch trefflich streiten kann ob der historischen Akkuratesse und der Art, wie die französische Köngin hier wiedergegeben wird.
Für Fans von Historienfilmen ist es einfach mal ein angenehm anderer Stoff, der sich aber trotzdem versucht, dem Wesen der Marie Antoinette zu nähern, wie es auch mit Shekar Kapurs beiden Filmen über die britische Königin Elizabeth I. gemacht wurde.
Da die DVD eine tolle Qualität in Punkto Bild und Ton aufweist, kann man den Pomp von Versailles richtig schön genießen.
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