Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Interessantes Portrait einer dekadenten, missverstanden Königin, 9. Juli 2009
An Sofia Coppolas eigenwilliger Version eines Historienfilms scheiden sich die Geister. Ihr Film wird gerne missverstanden und rasch als langweilig abgetan, doch man muss anerkennen, dass ihr mit "Marie Antoinette" ein eigenständiges, wenn auch polarisierendes Kunstwerk gelunge ist.
Es handelt sich hierbei um eine interessante, sozusagen "hippe" Alternative zum klassischen Historienfilm, dem sie mit ihrer frechen und selbstbewussten Regie einen frischen Anstrich verleiht.
Der moderne Bezug, den die Filmemacherin erreichen will, wird schon direkt im Vorspann deutlich, als der Song "Natural's Not In It" der Band Gang of Four erklingt. Der Einsatz moderner Popsongs stößt vielen Zuschauern vor den Kopf und kann durchaus befremdlich wirken, doch das ist nun mal letzlich reine Geschmacksache. Ich finde, dass Coppola die Songs auf leichtfüßige und mühelose Art einbaut und auch nie etwas erzwungen wirken lässt.
Die Gegenüberstellung der häufig modernen Musik mit der historischen Thematik gibt dem ganzen natürlich einen interessanten Bezug mit der heutigen Realität, die von den im Film dargestellten Themen wunderbar korrespondiert.
Coppola geht es offensichtlich nicht um eine akurate Darstellung der Geschichte und den politischen Ereignissen der damaligen Zeit. Sie erzählt die Geschichte ganz und gar aus den Augen der jungen Frau, die regelrecht von Österreich nach Frankreich importiert wurde.
Kirsten Dunst trifft mit dieser Rolle den Nagel absolut auf den Kopf, sie spielt völlig unbeschwert und hinreißend. Gerade ihr tolles Spiel sollte es besonders jungen Zuschauern ermöglichen, sich mit dieser Person zu identifizieren, deren Bedürfnisse und Charakterzüge zeitlos erscheinen.
Ihre Entfremdung und Einsamkeit und ihre Versuche dieser seltsamen Welt zu entfliehen, ist wunderbar umgesetzt (ähnlich wie in Coppolas wundervollem, bedeutend besseren "Lost in Translation"). Sie ist im Prinzip ein ganz gewöhnliches Mädchen, das in eine fremde Welt gestoßen wird und diese, ganz auf sich alleine gestellt, bewältigen muss.
Auch Jason Schwartzman als Ludwig XVI. gibt eine tolle Figur, seine Verklemmtheit und Verunsicherung ist stellenweise urkomisch.
Der Film ist deutlich mehr am höfischen Zeremoniell interessiert als an der Historie. Coppola beobachtet das Leben am Hof, die höfischen Rituale mit scharfem Auge, wodurch sie deren Absurdität entblößt. Die steif wirkende Etikette sorgt auch für manchen Lacher.
Auch die Bezüge zur damaligen Gerüchteküche sind sehr interssant, der berühmte Spruch Marie Antoinettes, dass das Volk doch Kuchen essen soll, wenn sie kein Brot haben, wird als Lüge dargestellt. Parallen zur modernen Klatschpresse, deren Lügengeschichten so manchen Prominenten kaputt machen sind sicherlich nicht ungewollt.
Die Ausstattung ist jedoch zweifelsohne das Highlight des Films: Die exquisiten Dekors führen den Zuschauer direkt in das höfische Leben von Versailles zurück. Natürlich spielen die Originaldrehorte dabei eine entscheidende Rolle, die auf naturalistische und nicht übertriebene Weise eingefangen werden. Die atemberauben Kostüme, für die Milena Canonero mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, sind eine wahre Augenweide.
Coppola kreiert ein ungemein sinnliches Ereignis, man hat regelrecht das Gefühl, die ausgefallen Törtchen schmecken und das Puder der Perücken riechen zu können. Alleie deswegen ist "Marie Antoinette" sehenswert.
Der Film ist also definitiv schön anzusehen und hat einen außergewöhnlichen, unkonventionellen Stil. Er funktioniert auch sicherlich im Bezug auf Coppolas Ambitionen, Parallelen zur Moderne herzustellen (an einer bestimmten Stelle sind sogar versteckt Converse Schuhe zu sehen), jedoch lässt die dargestellte Oberflächlichkeit den Film ein wenig kalt wirken. Dennoch ist "Marie Antoinette" ein guter Film, man muss ihm nur offen begegnen.
|
|
|
6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Feuerwerk an pompösen Kostümen und tragischer Melancholie, 26. August 2009
Wer hier einen der üblichen Historienfilme erwartet, wird vermutlich enttäuscht werden. Denn das ist er mit Sicherheit nicht, auch wenn er - mal abgesehen vom Offensichtlichen - historisch korrekt ist. Noch enttäuschter werden diejenigen sein, die sich auf die Hinrichtung der Königin am Ende gefreut haben, denn diese findet nicht statt - der Film endet davor. Es werden nicht die historischen Eckdaten im Leben der Marie Antoinette behandelt, sondern das Gefühlsleben der jugendlichen Königin wird in den Mittelpunkt gestellt. Das alles sollte aber eigentlich schon klar sein, wenn man das Cover der DVD betrachtet...
Wer "The Virgin Suicides" und "Lost in Translation" gesehen hat, zwei Filme, die ebenfalls von Sofia Coppola sind, der weiß, dass ihre Filme stets von Einsamkeit erzählen, von jungen Frauen, die ihren Platz im Leben (noch) nicht ganz gefunden haben, von Frauen, die sich da, wo sie im Leben stehen, oft fehl am Platz fühlen und ausbrechen möchten. Ihre Filme sind stets sehr gefühlsbetont und auf eine sehr leise Art aufwühlend - und das ist auch "Marie Antoinette" in erster Linie: eine mit reichlich Originalität inszenierte Aufzeichnung des Seelenlebens der Protagonistin. Dabei werden historische Fakten bewusst in den Hintergrund gedrängt, weil sie einfach keinen Platz in einem zweistündigen Film haben, dessen eigentliches Thema sie nicht sind. Stattdessen mixt man pompöse Kostüme mit einem Feuerwerk an farbenfrohen und ausdrucksstarken Bildern (die oft bewusst nicht in die Zeit passen, in einer Szene sieht man einen Converse-Schuh) und einem wunderbaren Soundtrack, der aus der heutigen Alternative-Musik-Schublade stammt. Vor allem der Soundtrack ist einmalig gut! Und dann werden noch ein bisschen die Formalitäten der damaligen Zeit auf den Arm genommen (köstlich: die Ankleideszene!).
Ich persönlich habe den Film nicht auf Anhieb so sehr gemocht, war aber von Beginn an fasziniert. Nach mehrmaligem Schauen entdeckte ich immer mehr Details und kleine Genialitäten... und mittlerweile ist er zu meinem absoluten Lieblingsfilm geworden! Zusammen mit "Elizabethtown" ist er, so finde ich, auch Kirsten Dunst's bester Film. Mit sehr viel Sensibilität spielt sie die leidende, missverstandene Königin Marie Antoinette, bringt aber auch ihre Schattenseiten gut rüber.
Dass der Film die Meinungen spaltet und viele nicht mit dieser fast schon experimentellen Inszenierung klarkommen, kann ich jedenfalls nachvollziehen. Entweder man liebt ihn und inhaliert ihn... oder man kann eben nichts damit anfangen. Für mich persönlich ist er einer der wenigen Filme, die ich mir wahrscheinlich 100x anschauen könnte, ohne dass die geringste Langeweile aufkommt.
|
|
|
54 von 74 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Dekadenz in Pink , 27. Oktober 2007
Wer hat nicht schon von ihr gehört? Marie-Antoinette, die ungeliebte und tragische Königin der Franzosen, die nach ihrer unfreiwilligen Begegnung mit "Madame la Guillotine" um einen Kopf kürzer war.
Aber davon erzählt dieser Film nicht. Die Armut des Volkes, die Diskriminierung und die darin mündende französische Revolution bleiben völlig außen vor. Nein, hier wird ein bewusst subjektiver und sehr poppiger Teenie-Film gezeigt. Hätte man Marie Antoinette und ihren Girlie-Club in Dolce & Gabbana Klamotten gesteckt und ihnen ein It-Bag mit Handy umgebammelt, dann könnte man sie glatt für moderne Teenager der Upper Class - vergleichbar mit Paris Hilton - halten. Diese Allegorie, so will mir scheinen, ist Absicht der Regisseurin, und eine wirklich sehr gut gelungene Absicht noch dazu.
Hier wird ein gerade mal 14 Jahre altes, reiches und verwöhntes Kaiser-Früchtchen mit einem kaum älteren aber noch reicheren und noch verwöhnteren Königs-Früchtchen verkuppelt. Marie Antoinettes Leben spielt sich im Rampenlicht und unter den unerbittlichen Augen der Medien ab - damals Hofstaat genannt. Was für Cory Kennedy gilt, gilt auch für Marie Antoinette: Kann nichts, tut nichts aber ist berühmt!
Also chillt sie herum, feiert Shopping-Orgien, treibt es wild auf exzessiven Parties, isst Designer-Food und verzockt ein ganzes Vermögen an einem Abend. Über das gewöhnliche Leben in der Welt da draußen erfährt sie nichts und es interessiert sie auch nicht. Die Revolution trifft sie völlig überraschend und ohne dass sie sich einer Schuld bewusst wäre. Die letzte Szene in diesem Film, als das "It-Girl" Marie Antoinette in ihrer noblen Staatskarosse gen Paris abfährt um im Knast und schließlich auf dem Schafott zu landen, erinnerte mich unfreiwillig sogar Paris Hilton und ihren berühmten und nicht ungern gesehenen Abstecher in einem kalifornischen Gefängnis. (Obwohl die filmische Marie Antoinette unbestritten eine deutlich sympathischere Ausstrahlung besitzt ;-))
Das ist kein historischer Film, noch nicht mal ein Historienfilm, obwohl er sich an die Biografie von Antonia Fraser anlehnt und natürlich auch einige historisch korrekte Fakten enthält. Dennoch will dieser Film weniger Biografie sein als eine schrille Allegorie auf die Oberen Zehntausend, die - gleichgültig in welchem Zeitalter sie leben - jedweden Bezug zum normalen Leben verloren haben und unter ihrer millionenschweren Käseglocke ein redundantes aber viel beachtetes Leben führen.
Dies ist ein langsamer und trotz der fetzigen Rockmusik (die übrigens vorzüglich passt) sehr sensibler Film, der mit nur wenigen Dialogen und vollkommen ohne Action auskommt und über lange, rockmusikgetränkte Strecken hinweg fast wie ein Videoclip wirkt. Hier wirkt die Bildsprache in Massen von Rüschen, Bergen von Pralinen, überbordenden Blumenarrangements, knalligen Tapisserien, feudalen Barockgärten, schrägen Perücken und schrillen Kleidern. Aber hier wirkt auch, was noch wichtiger ist: Kirsten Dunst.
Hier hat sie die Freundin von Spiderman weit hinter sich gelassen und kann zeigen, dass sie eine fähige Darstellerin ist, die mit gekonnter Mimik und subtiler Körpersprache über fehlende Dialoge leicht hinwegtrösten kann.
DVD:
Sprachen: Deutsch, Englisch, Dolby Digital 5.1
Untertitel: Deutsch, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Türkisch
16:9 Widescreen
Lauflänge 118 Mintuen
Bonus: Making of, Entfallene Szenen, Schlossführung mit Ludwig XVI, Trailer
Einen Oscar gab es für das Kostümdesign, und der ist auch wirklich berechtigt! ;-)
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|