Dieses Buch ist bis heute eine der besten Biographien; es liest sich flüssig und zeichnet nach Jahrhunderten ein lebendiges Bild dieser berühmt-berüchtigten Frau. Vieles ist nicht gerade schmeichelhaft, Maria Antonia war eben ein mittlerer Charakter. Mehr musste sie auch nicht sein, ihr Zweck war einzig und alleine in ein grosses Königshaus einzuheiraten und damit Allianzen zu bilden oder bestehende Machtverhältnisse zu sichern.
Ohne grossartige Bildung - politische schon gar nicht - und fast unglaublich naiv, dazu von ihren Untartanen isoliert am prunkvollen Hof in Versailles lebend, wie konnte Marie Antoinette auch nur erahnen wie es in der wirklichen Welt der arbeitenden Bevölkerung zuging? Diese Gesetzmässigkeiten gelten ja noch heute, oder glaubt der geneigte Leser vielleicht, der/die Bundeskanzler/in oder ein Minister hätte eine Ahnung wie schwer es ist auf dem freien Markt eine günstige Mietwohnung zu finden? So weltfremd war sie dass sie keine Idee hatte wie sehr ihr z.B. die Halsband-Affäre schadete; sie hatte sich nichts zu schulden kommen lassen, und damit Basta! Ihre Untertanen würden das doch wohl genauso sehen.
Trotz aller Unzulänglichkeiten fühlt man oft Sympathie oder gar Mitleid für diese Frau: für das Mädchen, das hunderte von Meilen von ihrer Heimat entfernt, auf dem Weg zu ihrem künftigen Ehemann, den sie noch nie gesehen hat, sich vor Fremden nackt ausziehen muss. Sogar die Haarbänder und ihre Unterwäsche, nichts darf sie von ihrer alten, österreichischen Identität behalten, nun, da sie Französin werden soll. Viel später, in den Wirren der Revolution, bangt man mit ihr um ihre Kinder und ihr eigenes Leben, liest voller Rührung ihre letzten Worte.
Ein sehr gelungenes Portrait eines mittleren Charakters und einer der berühmtesten Frauen der Weltgeschichte. Ihre Verhängnis war nicht etwa ihre Mittelmässigkeit, sondern eine unglückliche Verkettung von 'zu früh' 'zu viel' und 'zu spät'.