Die Biografie von Antonia Fraser über Marie Antoinette beschreibt das Leben der letzten französischen Königin. In sieben Kapiteln zeichnet die Historikerin die einzelnen Stationen der 38 Jahre von der Kindheit am Habsburger Hof bis zum Ableben in Paris nach. Als die damals 14-jährige Prinzessin mit Louis XVI vermählt wurde, bat die Österreichische Kaiserin ihre Tochter, sie möge den Franzosen so viel Gutes tun, dass sie sagen können, sie hätte ihnen einen Engel gesandt. Leider entwickelte sich die Geschichte anders. Zeitweise stieg zwar die Beliebtheit im Volk als nach sieben Ehejahren endlich ein Kind aus der Verbindung hervorging. Doch schon wenige Jahre später änderte sich diese Haltung und die Königin wurde zum Sinnbild der Verschwendung. Die Autorin stellt Marie Antoinette mit all ihren Stärken und Schwächen dar und belegt diese Aussagen mit Fakten. Dabei versucht sie möglichst objektiv vorzugehen, damit sich der Leser ein eigenes Bild machen kann. Aus einer oberflächlichen Modeinteressierten wird dann auch eine großherzige und treusorgende Mutter.
Die deutsche Übersetzung ist circa 400 Seiten kürzer als die englische Originalausgabe, die zudem auch noch farbige Bilder bietet. Warum das im Original so gelungene Buch derart gekürzt wurde, kann ich nicht verstehen. Das Weglassen vieler Beschreibungen geht zu Lasten der bildhaften Darstellung historischer Gegebenheiten und nicht zuletzt der Vorstellungskraft des Lesers. Da die Übersetzung ungefähr zeitgleich mit dem gleichnamigen Hollywoodfilm erschienen ist und sogar das Cover daran erinnert, entsteht bei mir der Eindruck, dass die umfassend recherchierte Biografie einem strategischen Marketing zum Opfer gefallen ist. Von daher kann ich nur jedem Geschichtsinteressierten die englische Ausgabe emp-fehlen. Wer sich nur kurz über das Leben Königin informieren möchte, erhält allerdings eine sehr gut recherchierte Buchvorlage.