Hinter dem vieldeutigen Titel »Marias Sohn« versteckt sich ein spannender und unterhaltsamer Kriminalroman mit viel nordbadischem Lokalkolorit.
Der fast 20-jährige Christian Schönewald wurde von Kriminaloberkommissar Thomas Petzold verhaftet, der dabei selbst durch durch eine gefährlichen Messerattacke verletzt wurde. Schönewald hatte zuvor mehrere Menschen in kürzester Zeit brutal ermordet. Nach seiner Verhaftung soll er psychiatrisch untersucht werden und wird deshalb von Rastatt in die Justizvollzugsanstalt Bruchsal verbracht. Hier wird er in einer spektakulären Aktion aus dem Gefängnis befreit. Der Apparat der Karlsruhe Kriminalpolizei beginnt anzulaufen. Es gibt mehrere Verdächtige, die Helfer bei der Befreiung sein könnten. Und wohin will Schönewald nach seiner Flucht? Was steckt hinter der Gefangenenbefreiung? Und warum spielen die Kinder auf der Straße 'Himmel und Hölle'?
Wolfgang Burger will in seinem Roman die Frage nach den Ursachen für menschliches Verhalten thematisieren. Warum wird ein Mensch zum mehrfachen Mörder? Wie sieht die Seele eines Mörders aus? Welche Konsequenzen hat das für die Mutter? Wie gehen andere Beteiligte mit Schuld um? Dazu hat er in seinem Roman ein komplexes Beziehungsgeflecht gewoben, in dem sich alle Beteiligten verfangen. Doch so ganz überzeugend, nachvollziehbar und einleuchtend sind die Verhaltensweisen aller seiner Protagonisten leider nicht.
Der Autor mag dazu mit der Erwähnung der JVA Bruchsal gewisse Parallelen zu dem Massenmörder Heinrich Pommerenke entwickeln, der vor gut 50 Jahren im Alter von 21 Jahren im Schwarzwald und in Baden eine Serie von Morden und Mordversuchen beging und als der am längsten einsitzende Häftling Deutschlands galt. Er wurde als Teufel, als Bestie beschrieben. Ähnlich dem Christian Schönewald, »Marias Sohn«. Bei Schönewald aber baut Burger ein Puzzle zusammen, das die Deutung, das Verständnis, trotz der absolut bestialisch, ja unmenschlichen Taten noch möglich erschienen lässt.
Doch insgesamt erscheint der Kriminalroman zu ambitioniert. Das sicherlich zwiespältige Verhältnis zwischen Maria Schönewald und dem Kriminaloberkommissar Thomas Petzold wirkt nicht einleuchtend, überzeichnet, fast irreal. Die scheinbare Zerrissenheit und Verwirrtheit der Mutter stellt sich eigenartig abstrus, ja überzogen dar. Auch das im Laufe des Romans aufgedeckte Handeln, die Motivlage der Mutter, die Gründe für ihre Vorgehensweise scheinen sehr konstruiert.
Erfreulich, unterhaltsam und gut zu lesen sind die Entwicklungen der Erkenntnisse im Bereich der Polizei, auch wenn die Charaktere manchmal zu holzschnittartig präsentiert werden. Der Autor legt mehrere Fährten, die die Kommissare konsequent abarbeiten. Leiser Humor wirkt mit, Lokalkolorit lässt eine Verbundenheit mit den handelnden Personen entstehen, auch wenn Burger kleine Fehler in den Ortsangaben (2. Auflage 2001) unterliefen.
Insgesamt lesenswert, aber ausbaufähig.