Die im Titel dieser Rezension gestellte Frage: "Was wissen wir von Maria" versucht das vorliegende Buch von Michael Hesemann zu beantworten. Er greift hierzu auf verschiedene Quellen zurück. Allen voran natürlich die Bibel bzw. das Neue Testament. Dieses lässt allerdings viele Unklarheiten offen, wenn es um die Person von Jesu Mutter geht. Dennoch zeigt Hesemann auf, dass die Evangelien doch mehr über sie preisgeben, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Auch die katholischen Dogmen der "Unbefleckten Empfängnis" oder den Glauben an die immer währende Jungfräulichkeit Mariens, sowie ihre Himmelfahrt, versucht Hesemann anhand des Neuen Testaments plausibel zu machen, bzw. er versucht aufzuzeigen, dass es sich hierbei nicht um reine Erfindungen der Kirche handelt. Dennoch bleibt das Bild von Marias Leben, wie man es aus dem NT ableiten kann, eher blass.
Um weitere Stationen ihres Lebensweges nachzeichnen zu können bemüht Hesehamm daher drei weitere Quellen:
a) Die Aussagen früher Kirchenväter über Maria
b) Apogryphe Schriften, die sich mit ihr auseinander setzen
c) Lokale Traditionen an den geglaubten Orten von Marias Wirken
Sicherlich sind alle drei genannten Quellen mit einer gewissen Vorsicht zu genießen, doch ist es eben so falsch, ihnen pauschal jegliche Aussagekraft abzusprechen. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass sich im Verlauf des Buches immer wieder Formulierungen finden wie "Es ist nicht unwahrscheinlich, dass...", "Es ist durchaus denkbar, dass..." usw., da es eben vieles im Leben Marias gibt, was wir nicht wissen können, sondern was lediglich plausibel oder denkbar ist. Dies kann ich daher dem Buch nicht negativ anrechnen, sondern es ist eher löblich, dass Hesemann nicht wie andere irgendetwas als Fakt deklariert, was eben keiner ist. Kritiker, die strikt darauf beharren, dass etwas nicht so gewesen sein kann (wie z.B. die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten), begeben sich argumentativ viel eher auf's Glatteis, als Hesemann, der nach der kritischen Würdigung und der Einordnung seines Quellenmaterials versucht ein plausibles, konsistentes und auch glaubwürdiges Bild eben dieser Flucht zu rekonstruieren. Dass sich die drei unter a-c) genannten Quellen deutlich öfter decken und ergänzen als sich unvereinbar zu widersprechen, erhöht ebenfalls die Plausibilität vieler im Buch getätigter Vermutungen, ohne sie aber beweisen zu können.
Etwas gestört an dem Buch haben mich die zahlreichen Verweise auf andere Werke des Autors (vor allem die Werke über Paulus, Petrus oder Stigmata, die das Gebiet "Maria" wirklich kaum mehr als ganz am Rande berühren) und einige Passagen, die mir doch zu ähnlich zu Hesemanns Jesus-Buch sind und die ich als Besitzer beider Bücher als Wiederholung empfinde. Außerdem lässt Hesemann seine katholische Grundeinstellung zu deutlich durchscheinen, was es Kritikern zu einfach macht Nebenkriegsschauplätze zu eröffnen und das Buch somit schlecht zu machen, ohne sich wirklich mit dessen Inhalt auseinandersetzen zu müssen.
Alles in allem handelt es sich aber um ein sehr lesenswertes Buch, das ich eigentlich jedem nur ans Herz legen kann.