Der Historische Roman ist eine recht gefährliche" Literaturgattung wie ich finde, denn man muss aufpassen, dass die künstlerische Freiheit des Autors nicht die geschichtlichen Fakten überdeckt. Deswegen stehe ich auch nach wie vor historischen Romane etwas skeptisch gegenüber. Dass ich dieses Buch geschenkt bekam ist allerdings schon ein Glücksfall, denn hier hat Margaret George beides gut miteinander verwoben.
Die Biographie Maria Stuarts lädt sehr dazu ein, schriftlich oder filmisch festgehalten zu werden. Mit noch nicht mal einem Jahr gekrönt, also gar nicht fähig ein Land zu regieren, wurde ihr schon in frühen Lebensjahren nach dem Leben getrachtet. Es bleibt nichts übrig als in das Land ihrer Mutter, nach Frankeich zu fliehen. Die folgenden Jahre lebt sie als eine Art Märchenprinzessin mit vielen Freunden in kindlicher Leichtigkeit. Doch mit dem frühen Tod ihres kränklichen Gemahls, des Königs von Frankreich endet dieser Teil tragisch und abrupt. Zurück in Schottland hat sie es als Katholiken alles andere als leicht. Hinzu kommt, dass sie ein sehr emotionaler Mensch zu sein scheint, der viele Entscheidungen nicht gut genug durchdenkt. Die Protestanten mögen sie natürlich von Anfang an nicht und die Katholiken fühlen sich durch sie nicht genügend unterstützt. Dazu kommen noch 2 Ehen die von niemanden so wirklich akzeptiert werden und die Cousine Elisabeth I von England die auch eher distanziert mit ihr umgeht. Es geschehen mysteriöse Tode, Putschversuche, Aufstände uvm. Hierbei darf man nie vergessen, das Maria ja noch nie wirkliche allein ein Land regieren musste. Letztendlich bleibt nichts als ein erneuter Abschied. Diesmal in Richtung England. Doch hier verbringt sie den Rest ihres Lebens in Gefangenschaft bis letztlich der Galgen ihr Leben beendet und dies auch nur auf Grund fadenscheiniger Vorwürfe die vielleicht teilweise der Wahrheit entsprechen, aber dennoch größtenteils nicht legitim sind.
Von mir bekommt das Buch einen Stern abgezogen, weil die Autorin zu oft viel zu weit abschweift vom Thema. Größtenteils ist das alles ganz toll zu lesen und auch besser als ein trockenes Sachbuch, aber man kann die Landschaft oder auch das Wetter doch auch etwas zu genau und zu oft beschreiben. Außerdem driftet Frau George desöfteren in ganz tiefe literarische Gefilde ab. Besonders wenn es um Liebe und Leidenschaft geht. (vgl. S. 569: Ihre Lippen waren so zart wie die Blütenblätter der weißen Lilie) Wenn das dann über mehrere Seiten so weiter geht, dann denkt man irgendwann man hält einen ganz schlechten Trivialroman aus dem 19. Jahrhundert in Händen. Das muss wirklich nicht sein. Ansonsten hat es mir sehr gefallen. Es wird doch ein recht klares, manchmal aber auch verklärtes Bild von Maria Stuart gezeichnet. Eine Frau die leider zu oft meinte es würde reichen eine gesalbte Königin zu sein und das sogar auch noch, als sie schon längst von ihrem Sohn auf dem Thron abgelöst wurde.
Für Leser die vielleicht denken das normale Biographien zu trocken sind, wird dieses Buch wohl genau richtig sein. Allen anderen wird dieses Werk mit knapp über 1200 Seiten wohl zu dick und zu unsachlich sein.