"Was man scheint, hat jedermann zum Richter; was man ist, hat keinen."
Fasziniert vom Schicksal der laut Zeitzeugen schönen und leidenschaftlichen Maria Stuart, plante Schiller bereits nach der Beendigung von Kabale und Liebe ein Drama über die schottische Königin. Für ihn bestand die Herausforderung bei der Bearbeitung des Stoffes darin, dass man die Katastrophe gleich in den ersten Szenen sieht, und, indem die Handlung des Stückes sich davon wegzubewegen scheint, ihr immer näher und näher geführt wird.
Schillers Trauerspiel beginnt drei Tage vor Maria Stuarts Hinrichtung. Es erzählt von der Eingekerkerten und ihrem Versuch, das bereits verkündete Todesurteil abzuwenden. Währenddessen ringen verschiedene politische Lager, entweder um die Befreiung oder die baldige Hinrichtung der Gefangenen. Elisabeth I., von diesen Kräften umgeben, schwankt. Ein Befreiungsversuch und ein Mordkomplott schlagen fehl. Letztlich unterschreibt Elisabeth die Hinrichtungsurkunde und Maria Stuarts Kopf fällt.
Schillers Königinnendrama stellt die Frage nach dem Verhältnis von Macht und Moral, beschreibt den Einfluss von ganz privaten Gefühlen und Interessen auf Politik. Darin drückt sich eine tiefe Skepsis Schillers gegenüber der Möglichkeit moralischen, politischen Handelns aus, zu der nicht zuletzt die Pervertierung der Französischen Revolution beigetragen hat. Es sind dies Zweifel, die uns heute, in anderer Form, wie Abwendung von Politik, in Demokratiebeschimpfung und vor allem als Angst wieder begegnen.