Die hilfreichsten Kundenrezensionen
6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Zeitlose Gefühle zweier Frauen, 19. Dezember 2007
Rezension bezieht sich auf: Maria Stuart (Taschenbuch)
Die schottische Königin Maria Stuart, die auch auf den englischen Thron Anspruch erhebt, wird aufgrund von Intrigen und Falschaussagen in England festgehalten. Das Todesurteil ist bereits gesprochen, muss nur noch von Königin Elisabeth abgesegnet werden. Diese tut sich aufgrund der verwandtschaftlichen Verhältnisse schwer, obwohl sie ihre Rivalin, auch aufgrund ihres offenherzigen Lebenswandels verachtet. Während Maria Stuart also im Kerker wartet und eigentlich überzeugt ist, dass das Todesurteil nicht vollstreckt werden wird, berät sich Elisabeth nach allen Seiten, wird von versteckten Freunden Marias gedrängt, Gnade walten zu lassen, von anderer Seite wiederum, dass Urteil unverzüglich vollstrecken zu lassen. Auch planen einige Freunde Maria Stuarts bereits deren Flucht und in weiterer Folge auch die Machtübernahme. Zu all dem kommt es schließlich nicht, denn als sich die Rivalinnen im 3.Akt gegenüberstehen, kommt es zu einem wilden Wortgefecht, aus dem Maria Stuart zwar als moralische Siegerin hervorgeht, es Elisabeth allerdings fast unmöglich gemacht wird, Gnade walten zu lassen. Nach einigen weiteren Intrigen von verschiedenster Seite wird Maria schließlich hingerichtet, geht aber voller Stolz und christlicher Überzeugung in den Tod. Schillers Drama geht sehr persönlich und wahrscheinlich auch spekulativ auf das Gefühlsleben der zwei Frauen ein, zeigt ihre Stärken und unzählige menschliche Schwächen, gibt allerdings auch den Nebenfiguren ausreichend Gelegenheit sich zu entwickeln und Fragen aufzuwerfen. Da werden aus den scheinbaren Feinden der Maria Stuart ihre größten Verehrer und so mancher möchte für sie in den Tod gehen. Im Mittelpunkt bleiben jedoch die Gefühle und Gewissenskonflikte der beiden Hauptpersonen, die Zuneigung, ja, sogar das Verständnis für das Handeln der jeweiligen Gegenspielerin. Auch Maria Stuart wir von Schiller nicht ausschließlich als diese Märtyrerin gezeichnet, als die sie in die Geschichte einging, sondern als Frau mit Makel und auch blutigen Sünden. Elisabeth bleibt jedoch auch in Schillers Abhandlung die moralische Verliererin, sowohl beim Zaudern um eine Entscheidung, als auch im direkten Duell der beiden. So gelingt dem Autor beides: Den historischen Stoff abzuhandeln und Menschlichkeit und damit verbundene menschliche Schwächen einzubringen. Schillers Werk erscheint mir dadurch zu gewinnen, dass er zwar historische Andeutungen macht, sich jedoch zu jeder Zeit genug Spielraum für Interpretationen lässt, auch persönliche Befindlichkeiten der Personen in die Machtpolitik der damaligen Zeit einfließen zu lassen und teilweise Absurdes einfließen zu lassen. Der Staatssekretär, der die Befehle seiner Königin nicht versteht, eigentlich nicht verstehen kann, denn die Königin ist außerstande den Befehl zur Hinrichtung zu geben, der Streit der Rivalinnen, in der das Gefühlsleben über jede Taktik oder politische Vernunft obsiegt, die Intrigen der jeweiligen Gefolgsleute - heute würde man sie vielleicht Lobbyisten nennen - dies alles macht Schillers Interpretation des Stoffs in höchstem Maße lebenswert, spannend und - trotz der Tragik - amüsant. Ich würde meinen, der Autor war sich seiner Sache sicher, stand dem Stoff positiv" gegenüber, gibt dem Drama nicht nur Verlierer, sondern (fast) jede Person wird auch positiv gezeichnet. Der moralischen Gewinnerin Maria steht am Ende die politische Gewinnerin Elisabeth gegenüber und auch der Leser ist ein Gewinner, denn hier wurde historischer Stoff kurzweilig, spannend, amüsant und - meiner Meinung nach - ohne erhobenen Zeigefinger abgehandelt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Höhepunkt des Weimarer Klassizismus, 11. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: Maria Stuart (Taschenbuch)
Friedrich Schillers Tragödie "Maria Stuart" behandelt den Konflikt zwischen der englischen Königin Elisabeth I. und Maria Stuart, ehemals Königin von Schottland, die einen berechtigten Anspruch auf den Thron Britanniens hat. Darum wurde Maria auch als Asylsuchende von Elisabeth gefangen gesetzt. Zu diesem politischen Konflikt kommen noch verschiedene andere Aspekte, die das Verhältnis der Königinnen zueinander prägen; Moral und Unmoral sowie eine erotische Konkurrenz zwischen den beiden Figuren. Diese Konflikte werden von Schiller in genialer Weise umgesetzt. So findet das Treffen der beiden Königinnen als Höhepunkt der Handlung exakt in der Mitte des Dramas statt. Formal folgt Schiller insgesamt antiken Mustern, denn die Form ist hier nur Mittel zum Zweck; nämlich der Ausarbeitung der Charaktere der beiden Königinnen. Interessante Wendepunkte der Geschichte werden immer wieder in genialer Weise dramatisch realisiert. Dazu kommen noch Aspekte von Schillers ästhetischen Abhandlungen zum Tragen. Insgesamt gibt es einen großen Interpretationshintergrund, doch den sollte jeder für sich selbst entdecken. Die Sprache des 18. Jh.s ist heute sicher nicht für jeden im ersten Lesen zu verstehen, doch ist sie eine literarische Reise wert und man ist gleichsam gefangen, wenn man sich auf sie eingelassen hat. Insgesamt stellt das Stück einen Höhepunkt klassizistischer Dichtung dar, und ist nur zu empfehlen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Ermorden lassen kann sie mich, nicht richten" (Z. 971)., 31. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: Maria Stuart (Taschenbuch)
Es gibt kaum einen Stoff, der die Dramatiker aller Länder mehr in ihren Bann gezogen hat, als die Geschichte rund um das Leben und Sterben der schottischen Königin Maria Stuart. Attraktiv, impulsiv und den Männern nicht abgeneigt, konnte es keine bessere Gegenspielerin für Elisabeth I, die Virgin Queen of England, geben. Die Protestantin Elisabeth fürchtet einen Angriff auf den Thron Englands durch die Katholikin Maria. Als diese sich aufgrund von innenpolitischen Streitigkeiten hilfesuchend an ihre englische Blutsverwandtin wendet, lässt diese sie kurzerhand einsperren. 18 lange Jahre bleibt Maria in englischer Haft, bis sie schließlich hingerichtet wird. Aus diesem Stoff schuf Friedrich Schiller eine Tragödie, die zwar auf historischen Tatsachen basiert, sich aber auch die eine oder andere dichterische Freiheit genehmigt. "Maria Stuart" beschreibt nicht die jahrelange Vorgeschichte des Duells der beiden Königinnen, sondern setzt erst einige Wochen vor der Hinrichtung Maria Stuarts ein. Die schottische Königin wird dabei zunächst als besonnene und in sich ruhende überzeugte Vertreterin des katholischen Glaubens charakterisiert, die sich den Sünden ihrer Vergangenheit, unter anderen der Ermordung ihres zweiten Ehemannes, bewusst ist, es aber kategorisch bestreitet, es jemals auf die Krone Englands abgesehen zu haben, weshalb sie stolz und selbstbewusst sagen kann: "Ermorden lassen kann sie mich, nicht richten" (Z. 971). Elisabeth hingegen fürchtet ihre Konkurrentin selbst als Gefangene. In der charismatischen Schönheit sieht sie etwas, was sie nie gewesen ist und niemals sein kann. Unter diesen Voraussetzungen kommt es zum Höhepunkt des Stückes, der, völlig unhistorischen, Begegnung zwischen den beiden Königinnen. Dort zeigt sich die stolze Maria zuerst unterwürfig, bevor Elisabeth sie voller Neid auf ihren Erfolg beim männlichen Geschlecht provoziert: "Ja, es ist aus, Lady Maria. Ihr verführt/ Mir keinen mehr, Die Welt hat andre Sorgen./ Es lüstet keinen Euer - vierter Mann/ Zu werden, denn ihr tötet Eure Freier/ Wie eure Männer!" (Z. 2407ff.) Daraufhin lässt Maria ihrem Stolz und ihrer Verachtung Elisabeth gegenüber freien Lauf: "Der Thron von England ist durch einen Ba--ard/ Entweiht, der Briten edelherzig Volk/ Durch eine list'ge Gauklerin betrogen - Regierte Recht, so läget Ihr vor mir/ Im Staube jetzt, denn ich bin Euer König" (Z. 2447ff.). "Maria Stuart" ist mehr als nur ein persönliches Duell zweier dominanter Frauenfiguren. Schiller integriert hier alles, was zu einer guten Tragödie gehört: Liebe, Hass, Intrigen, Verrat und Enttäuschung. Der für mich entscheidende Satz des Stücks stammt von George Talbot, dem Grafen von Shrewsburry, der darauf hinweist, dass eine tote Maria eine größere Gefahr für Elisabeth darstelle, als eine Lebende: "Du zitterst jetzt/ Vor dieser lebenden Maria. Nicht/ Die Lebende hast du zu fürchten. Zittre vor/ Der Toten, der Enthaupteten. Sie wird/ Vom Grab erstehen, eine Zwietrachtsgöttin,/ Ein Rachegeist in deinem Reich herumgehen,/ Und deines Volkes Herz von dir wenden" (Z. 3114ff.). Dieser Kommentar zu der Bedeutung von Mythenbildungen ist problemlos in die heutige Gegenwart hinein übertragbar. Fazit: Großartiges Drama eines großen Dichters. Für alle, die an Leben und Werk Friedrich Schillers interessiert sind, sei Rüdiger Safranskis Friedrich Schiller: Oder Die Erfindung des Deutschen Idealismus empfohlen, das in mir erst die Lust erweckt hat, mich an die Werke Schillers heran zu wagen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|