Dem Autor ist es durchaus gelungen, eine stimmige, flüssig zu lesende Biografie zu erstellen, die weder zu wissenschaftlich noch zu banal gerät. Das ist ja oft das Problem: Entweder schlägt zu sehr der Historiker durch, der sich über das Auswerten der verschiedensten Quellen in der Aufreihung von Fakten und Daten verzettelt, oder eine Biografie mutiert zur Glorifizierung einer Persönlichkeit und rutscht in Kitsch ab. Michel Duchein ist der Spagat sehr gut gelungen. Manchem Leser mögen die vielen Verweise und mehrfachen Namenserklärungen lästig erscheinen, mir jedoch ist gerade dies positiv aufgefallen, da man so die Personen wieder erkennt und die Zusammenhänge immer wieder ins Gedächtnis gerufen werden.
Man merkt zwar, dass Duchein Maria Stuart durchaus eher wohlgesonnen ist als der Kontrahentin Elisabeth I. von England, aber er ist dennoch bemüht, immer wieder alle Aspekte zu beleuchten, und betont für meinen Geschmack fast etwas zu oft, dass der Historiker sich von subjektiver Betrachtung fern halten sollte. Wenn man sich ein wenig häufiger mit Biografien oder Büchern dieser Art beschäftigt, ist man auch ohne diese Hinweise in der Lage, etwaige Parteinahme oder nicht ganz objektive Betrachtungen zu erkennen und als solche zu bewerten. Wer sich für Maria Stuart und die politischen Begebenheiten ihrer Zeit interessiert, ist mit diesem Buch sehr gut bedient.