Trist ist das Leben der jungen Maria Morzeck und melancholisch ihre Geschichte, die sie in schlichter Sprache selbst zu Papier bringt. Mit Politik hat sie im Ost-Berlin der sechziger Jahre nichts am Hut. Woher also die politische Brisanz dieses Buches, die die DDR dazu veranlasste, die Veröffentlichung und Filmvorführung bis 1989 zu verbieten? Ohne anzuklagen, schildert Maria ihren Werdegang. Nicht dumm, darf sie trotzdem nach der Schule nicht studieren und verdient sich mit kellnern ihren Lebensunterhalt. Denn ihr Bruder sitzt als „Politischer" im Gefängnis, und damit gilt auch sie als politisch unzuverlässig.. Die Verhandlung war nicht öffentlich, eine Besuchserlaubnis gibt es erst nach längerer Zeit, und so weiß Maria lange Zeit nicht, was ihr Bruder eigentlich verbrochen hat, wofür er vier Jahre einsitzen muß. Sie erfährt es ausgerechnet von Paul Deister, dem Richter, der ihren Bruder abgeurteilt hat... es ist im Grunde eine Lappalie: Bruder Dieter hat eine Rede Konrad Adenauers öffentlich abgespielt. Marie lernt Deister kennen und, obwohl sie bald weiß, dass er der Mann ist, der ihren Bruder verurteilt hat - sie ist ihrer wachsenden Liebe zu ihm hilflos ausgesetzt. Es ist eine schwierige Liebe, von beiden Seiten, und es geht natürlich nicht gut aus, zumal Deister verheiratet ist. Nach einem Gnadengesuch kommt Dieter frei und rächt sich - in Kenntnis des Liebesverhältnisses zwischen Maria und Deister - fürchterlich an seiner Schwester, der vermeintlichen Verräterin. Bieler versteht es, Maria als liebenswerten, tapferen, unsentimentalen, realistischen, durchaus gewitzten und schlagfertigen Menschen und doch als Opfer „ihrer Zeit" darzustellen. Die politische Wertung hat Bieler schon damals anderen überlassen müssen.