Ela Eckert: Maria und Mario Montessoris Kosmische Erziehung
Vision und Konkretion
Klinkhardt Bad Heilbrunn,2001, 273 Seiten
Dieses Buch enthält drei neue Gesichtspunkte, die bisher noch nicht in der deutschsprachigen Montessori-Literatur zu finden waren:
Erstmals taucht neben Maria Montessori ausdrücklich und ausführlich ihr (unehelicher) Sohn Mario auf. Über ihn wurde lange geschwiegen. Tatsächlich war er nicht nur lebenslang der Begleiter, Manager und Übersetzer der Vorträge seiner Mutter, sondern er hat mit ihr gemeinsam das Konzept der Kosmischen Erziehung entwickelt, praktisch erprobt und weiter entwickelt. Die Verfasserin hat eine Liste der zahlreichen Publikationen von Mario M. Montessori zusammengestellt.
Während des zweiten Weltkrieges waren Mutter und Sohn Montessori in Indien interniert. Dorthin hat sich die Verfasserin auf Spurensuche begeben und tatsächlich noch Zeitzeugen von damals interviewen und überhaupt die wesentlichen Phasen der Entstehungsgeschichte der Kosmischen Erziehung rekonstruieren können. Außerdem ist viel über die Kontakte der Montessoris in Indien, vor allem zu maßgeblichen Personen der indischen Unabhängigkeitsbewegung zu erfahren.
In dem Buch wird das Konzept der Kosmischen Erziehung in seiner Entstehungsgeschichte wie auch systematisch zusammenfassend dargestellt. Es geht dabei um die „Erforschung von Natur und Kultur durch die Kinder und mit den Kindern", um ganzheitlich-komplexes statt lineares Denken. Die Kosmische Erziehung hat ökologische, humane und politisch-soziale Akzente mit dem obersten Ziel des Friedens. Das ist
eine realistische Utopie, aber kann es überhaupt zukunftsweisende Pädagogik ohne solche Utopien geben? Die Kosmische Erziehung ist für die heutigen Schulprobleme von großem Interesse. In vielen Ländern ist die Debatte darüber in vollem Gange; die Verfasserin bezieht sich auf zahlreiche internationale Quellen und Diskussionsbeiträge.
Nicht zuletzt: Das Buch ist gut geschrieben und mit Genuss zu lesen.
C.R.