Um nichts weniger geht es dem Autor. Was den Sachverstand betrifft: Ich (und wahrscheinlich einige andere auch) habe alle vier offiziellen Evangelien und einen Teil der Apokryphen ganz gelesen und studiert. Ich kann mich Langbein in seinen wesentlichen Thesen nur anschließen. Insbesondere seine Ausführungen zu den Ereignissen um die Auferstehung herum, Jesus überlebte die Kreuzigung, sehe ich genauso. Es geht um Maria Magdalena. Sie war auch meiner Meinung nach nicht nur Jesus Frau, sondern die Kraft, die hinter Jesus, Jeschua wirkte. Die heilige Hochzeit und das göttliche Paar - dies ist ein uralter realer Kult, der tatsächlich von Jeschua und Maria Magdalena aufgenommen wurde und der der eigentliche vergessene Mythos des wirklichen Christentums ist.
Langbehn benutzt eine sehr angenehme, nüchterne und sachliche Sprache. Sicher gibt es Passagen in dem Buch, in dem Überlegungen darlegt werden, die noch unsicher sind, sich aber auch nicht widerlegen lassen. (Zum Beispiel Pfingsten - salopp gesagt das Ausschütten des heiligen Geistes durch Maria Magdalena, oder Jesus Taufe auch als mythisch reale Vereinigung von Mann und Frau). Aber diese Überlegungen sind legitim, durchaus denkbar und werden sinnvoll in die Thesen eingeflochten, die sich belegen lassen. Denn Langbein belegt seine Aussagen, sie sind allerdings eine ungeheure Provokation und werden deshalb noch lange bekämpft werden. Zum Glück werden Menschen, die neue Wahrheiten entdecken (oder in diesem Falle eher alte wieder entdecken) heute meist nicht mehr auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Wenn die Kirche Maria Magdalena nicht aus den Evangelien zum großen Teil herausgeschrieben hätte, wenn sie diese Heilige nicht zur Hure gemacht hätte und sich selber damit beschmutzt hätte, dann wäre eine ganz andere Kirche entstanden mit Frauen als Priesterinnen sowie Priester und Priesterinnen mit gelebter Sexualität. Vor allem aber keine machtbesessene Kirche, sondern Gemeinden der gegenseitigen Hilfe und Liebe. Früher hieß es mal, in jeden Haushalt gehöre eine Bibel. Sie kann da bleiben, aber es sollten ihr die Apokryphen wie die Evangelien der Maria Magdalena, des Thomas, des Philippus und des Judas beigestellt werden. Das würden die real existierenden Kirchen dann allerdings wirklich nicht überstehen.