Wer war Maria Magdalena wirklich? Nicht erst seit dem Weltbestseller von Dan Brown stellt sich die Frage nach der umstrittenen Frau, die die erste Zeugin von Jesus Auferstehung war. Vieles ist ihr nachgesagt worden, sie gilt als Prostituierte, Heilige und geistig Verwirrte. Systematisch wurden ihre Spuren im Neuen Testament von den Aposteln und Kirchenvätern verwischt. Ein anderes Bild findet sich in gnostischen Dokumenten und frühchristlichen Kreisen: Dort wird Maria Magdalena als eine Frau mit spirituellen Fähigkeiten verehrt, als Priesterin und Lehrerin, die die Jünger in ihren Fähigkeiten übertrifft. Sie wird auch als gleichwertige Partnerin Jesu geschildert.
Mulacks Buch klärt auf über die Umstände, die nach Jesu Tod zur Verdrängung der Frauen und des göttlich Weiblichen führten und erläutert gnostische Denkansätze ebenso wie die aus dem apokryphen »Evangelium nach Maria« folgenden esoterischen Lehren. Wer weiß schon, dass die deutsche Übersetzung »Heiliger Geist« für das aramäische »Ruah« nicht korrekt ist? Die Ruah ist nämlich eine weibliche göttliche Kraft, die auch die Bibel durchzieht. Hinter ihr verbirgt sich die Ur-Göttin. Sogar bis ins 13. Jahrhundert wurde in Mailand eine Frau als Inkarnation des »Heiligen Geistes« verehrt. In weiteren Schilderungen Mulacks wird den LeserInnen deutlich, wie frauenfreundlich und fortschrittlich Jesus, auch bezogen auf die Gleichberechtigung der Geschlechter, wirklich war. Leider ist die fundamentale Bedeutung des Weiblichen aus seinen Lehren und seinem Leben verdrängt worden, was die Autorin ganz klar als Skandal bezeichnet. Ein Skandal, der nicht nur für die Frauen verheerende Auswirkungen hatte und hat, sondern für unsere ganze Gesellschaft, geht es doch letztlich um eine Überbetonung des Männlichen, die unter anderem eng verbunden mit der Ausbeutung der Natur ist. Mulack hat ein mitreißendes und dennoch sehr fundiertes Buch zur Wiederentdeckung des göttlich Weiblichen geschrieben, dass allen Frauen neues spirituelles Selbstbewusstsein geben sollte. Ergänzt werden die vier Kapitel »Protokoll einer kirchlichen Verdrängungsgeschichte«, »Maria Magdalena und die gnostische Überlieferung«, »Maria Magdalena und Eva« und »Maria Magdalena und die matriarchale Tradition« mit Abbildungen ausgesuchter künstlerischer Werke zum Thema.