Maria Braun(Hanna Schygulla) hat mit ihren Gatten Hermann (Klaus Löwitsch) in diesem Fassbinderfilm nach der Eheschließung 1 1/2 Tage zusammengelebt, dann musste er wieder an die Front. Maria sucht nach dem 2. Weltkrieg nach Hermann, den sie immer noch liebt und läuft mit einem Such-Schild durch die Trümmer der Stadt, wo sie mit ihrer Mutter gemeinsam in einer spießigen kleinen Wohnung haust. Um zu überleben wird sie Bardame.
Als sie erfährt, dass Hermann gefallen ist, geht sie eine Beziehung zu einem schwarzen GI ein, wodurch sich ihre Lebensbedingungen erstaunlich verbessern. Maria ist eine Pragmatikerin, die sich der gegebenen Situation anpasst und das Beste daraus macht.Doch da taucht der tot geglaubte Hermann wieder auf und erwischt seine Frau mit dem Schwarzen beim Stelldichein. Maria erschlägt im Affekt ihren Liebhaber.
Hermann geht für Maria ins Gefängnis. Sie schwört ihm zwischenzeitlich ein Heim aufzubauen. Dieser Schwur von Maria geschieht freiwillig, wird also von Hermann keinesfalls abverlangt. Maria besitzt die innere Stärke aber auch die Kaltblütigkeit um ihr Versprechen in die Tat umzusetzen. Sie streift Vergangenes ab und lebt ausschließlich im Jetzt. Die Nazi-Zeit reflektiert sich nicht, sie gehört dem Gestern an.
Diese Haltung war möglicherweise für eine ganz Generation notwenig, um aufbauen zu können. Trauer hätte das Land stagnieren lassen, vielleicht konnte sich diese Generation Trauer gar nicht leisten. Der Trümmerberg musste beseitigt werden. Es blieb keine Zeit zum nachdenken. Vielleicht war es keine Unfähigkeit zu trauern, sondern einfach Zeitmangel. Ein weites Feld, über das sich viel diskutieren lässt.
Die tatkräftige Maria lernt im Zug den Fabrikanten Oswald (Ivan Desney) kennen, der sie von nun an fördert und in dessen Firma sie Karriere macht. Oswald wird ihr Geliebter. Maria trennt sehr genau zwischen Job und Privatleben, weil sie Abhängigkeiten verhindern möchte. Ihren Gatten besucht sie nach wie vor im Gefängnis, da ihm immer noch ihre ganze Liebe gilt.
Mittlerweile besitzt Maria eine Villa und ist bestens situiert. Hermann verschwindet zunächst nach Ablauf seiner Haftstrafe überraschend nach Übersee, um angeblich sein Leben neu zu gestalten. Als Oswald stirbt erscheint Hermann allerdings plötzlich vor der Tür der Villa, in der das Testament Oswalds vollstreckt wird. Maria und Hermann erhalten jeweils zu Hälfte Oswalds Vermögen.
Offenbar hat Hermann Oswald zu dessen Lebzeiten seine Frau überlassen, keineswegs aus Habsucht, sondern aus Freundschaft, weil er sah wie sehr dieser Mann Maria liebte. Hermann schenkt Maria unaufgefordert seine Vermögensteile, doch das Schicksal verwehrt Maria das gemeinsame Glück mit ihrem Gatten...Vielleicht wäre dieses fiktive Glück auch gar nicht möglich gewesen, weil die verschiedenen Lebenswege beide zu sehr voneinander entfernt hatten. Ein Problem mit dem sich sicher viele Ehepaare nach dem Krieg auseinandersetzen mussten, nach Jahren der Trennung durch Krieg und Gefangenschaft....
Sehr gute schauspielerische Leistungen, nachdenkliche Dialoge, hervorragende Darstellung des Nachkriegs- und Aufbaumilieus.