Dieses Buch bietet einen profunden und zugleich höchst lesbaren Überblick über die Geschichte Klagenfurts. Es legt besonderen Augenmerk auf die Geschichte des intellektuellen Lebens in einem Gebiet, in dem drei Kulturen zusammenfließen.
Die Tatsache, dass das Buch problematische Aspekte der Kärntner Geschichte nicht ausspart, sondern thematisiert -- im erfrischenden Gegensatz zur offiziellen Landesgeschichtsschreibung --, hat zu einigen Kontroversen in geführt. Dass es sein Ziel sei, zur Korrektur eines heimelig-völkischen Kärntenbildes beizutragen, das problematische deutschnationale, konservativ-klerikale und aufklärungsfeindliche Traditionen verdrängt bzw. idealisiert, sagt der Autor klar: Protestantenvertreibung, Metternich-Staat, Unterdrückung fortschrittlicher Kunst im 20. Jhdt. werden ausführlich dargestellt, vielfach mit neuen und wichtigen Einsichten.
Gerade durch diese Schwerpunktsetzung gewinnt die Lokalgeschichte exemplarische, über regionale Begrenzungen hinaus verallgemeinerbare Bedeutung, und hierin liegt die entscheidende Stärke des Buchs: Die eindrucksvolle Dokumentation der Tatsache, dass Provinzialismus keine Frage von geographischer Lage (zwischen Tauern und Karawanken) ist, sondern Resultat bewußter, reaktionärer Machtpolitik (Gegenreformation, Polizeistaat, Diktatur, Parteiprotektion), die sich geistige Isolation und verzögerte Aufklärung zu nutze macht und diese aktiv befördert. Baum zeigt nämlich, wie im Kontrast dazu reges geistiges und kulturelles Leben auch in Kärnten nicht völlig unterdrückt werden konnte und in liberaleren Phasen auch sogleich erwachte: Die intellektuelle Blüte unter den reformierten Ständen, der mit den Zentren der deutschen Aufklärung vernetzte Herbert-Kreis, der Nötscher Kreis oder die (exilierten) Kärntner Literaten des 20. Jhdts. Wilhelm Baums Klagenfurter Lokalgeschichte wird vor allem auch durch diesen Kontrast bedeutend, spannend - und nährt zarte Hoffnung für die Zukunft der Region.