Ich habe das Buch gestern durchgelesen, sozusagen in einem durch, weil ich es nicht weglegen konnte. Marco bedient sich eines sehr direkten Sprachstils, der einfach und verständlich ist und dabei sehr glaubhaft und absolut authentisch wirkt. Das Buch nimmt einen sofort gefangen und stimuliert die eigene Vorstellungskraft bis zum fast unerträglichen. Fast glaubt man, den ganzen Gestank selber zu riechen, die unerträgliche Hitze selber zu spüren. Seine Verzweiflung reißt einen mit, die eigenen Gefühle gehen auf Achterbahnfahrt. Marco lässt nichts aus, nimmt einen mit auf einen Trip der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Dinge, die man im Fernsehen gehört und in der Zeitung gelesen hat, stellen sich plötzlich ganz anders dar. Von wegen das Essen sei gut, usw. Das Buch lässt einen sehr nachdenklich, niedergeschlagen und auch wütend zurück. Wie ist so etwas nur im Namen des Rechts und eines angeblichen Rechtsstaates möglich? Es erscheint einem zudem unglaublich, wie ein Staat Untersuchungshäftlinge im Allgemeinen und einen Minderjährigen im Besonderen so vorabbestrafen kann. Wie soll ein Unschuldiger damit klar kommen? Das Buch ist daher auch über den Fall hinaus von hoher Bedeutung.
Das Buch ist ein muss, natürlich für seine vielen Unterstützer, die sich zum Teil namentlich in dem Buch wiederfinden (darunter auch mein Name als Bildquelle für zwei Bilder) und erleben dürfen, was ihre verschiedenen Aktionen für Marco bedeuteten. Aber auch für alle, die den Fall mehr oder weniger interessiert verfolgten, ist das Buch sehr zu empfehlen, schon als Abgleich und Ergänzung zwischen Medienberichten und Wirklichkeit. Ganz besonders zu empfehlen ist das Buch aber für alle, die Marco immer noch für schuldig halten. Denn wer glaubt, öffentlich über Marco herfallen und urteilen zu können, sollte zumindest erst einmal seine Version der Geschichte und seinen Leidensweg kennen.
Es wurde viel darüber diskutiert, ob man dieses Buch jetzt und überhaupt veröffentlichen darf. Man darf, denn wenn das Buch die Wahrheit beschreibt, dann gibt es auch keinen Grund, diese zu verschweigen. Wenn alle meinen, das Recht zu haben über Marco Weiss zu schreiben, dann hat er selber erst recht das Recht seine Sicht der Dinge dagegen zu stellen.
Ist das Buch zu empfehlen. Ja, unbedingt!
PS: Marco ruft in seinem Buch dazu auf, sich typisieren und in die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) eintragen zu lassen, um seinem an Leukämie erkrankten Vater zu helfen. Obwohl dieser Spender inzwischen für Marcos Vater gefunden wurde, sollte sich jeder Leser berufen fühlen, diesem Aufruf nachzukommen, um auch anderen Kranken zu helfen. Immerhin war diese Hilfsaktion ein wichtiger Grund für die vorgezogene Veröffentlichung des Buches.