Für den Deutschen ist nach Holland fahren wie zum Bäcker gehen, es geht schnell und ist bald wieder vergessen. Damit das nicht so bleibt, sollte man sich durchaus über Kultur und Landschaft unseres fleißigen Nachbarvolkes unterrichten. Der vorliegende Reiseführer aus der Marco Polo Reihe bietet einen ersten Einstieg für den Bereich der Niederländischen Küste. Hier befinden sich nach Meinung der Autoren die schönsten Sandstrände Europas, freundliche Menschen und eine ganze Galerie von Sehenswürdigkeiten. Es gibt offenbar lecker, lecker Essen und in den meisten Zeiten des Jahres auch reichlich Sonne. Von Seeland bis Groningen werden Hotels, "Insider-Tips" und Essensgelegenheiten aufgelistet und mit vielen kleinen Bildchen illustriert. Ein wenig ähnelt der kleine Reiseführer deswegen einem bebilderten Telefonbuch, was aber nicht schlimm wäre, wenn die Angaben ebenso verlässlich und vollständig wären wie ein Telefonbuch. Das sind sie aber nicht durchgängig. Im Kapitel über Westfriesland fehlt mit Bolsward eine der interessantesten Städte mit einem der schönsten Renaissancerathäuser ganz Hollands. In Franeker hat zwar Descartes studiert, wie der Führer richtig vermerkt, aber nicht im 18. Jhdt, sondern um 1615. Dokkum, die Stadt, in der im Jahre 754 Bonifatius erschlagen wurde, wird überhaupt nicht erwähnt. Im Register findet man Verweise auf eine Seite 122, obwohl das Buch nur 116 Seiten hat. Rätselhaft auch das kurze Kapitel über Ameland - in den "Top Tips" wird Ballum als das Juwel der Insel definiert, im Text daneben gilt dann plötzlich Hollum als der schönste Inselort. Was denn nun? Am tollsten aber sind die die Passagen über "Bloß nicht". Da raten die Autoren allen Ernstes, die Niederlände bloß nicht" in Deutsch anzusprechen, denn "das haben die Niederländer nicht so gerne". Alles in allem also nicht sonderlich empfehlenswert.