Der Marco Polo Reisefuehrer Baltikum kann nicht gleichzeitig allen drei Laendern gerecht werden. Von 130 Seiten widmen sich 21 ausschliesslich Litauen, 19 Estland und sogar nur 17 Lettland. Besonders auffaellig offenbart sich die Komprimierung in der Beschreibung der Metropole Riga, einer Stadt mit einer ueber 800-jaehrigen Geschichte (haeufig als Paris des Ostens bezeichnet), die auf 7 Seiten abgehandelt wird. (Das ist etwa genauso, als wuerde man die Beneluxstaaten, die weitaus mehr gemeinsam haben als die Baltenrepubliken, zusammen mit Amsterdam im gleichen Rahmen beschreiben.)
Es fehlen wesentliche Museen, wie das fuer die Geschichte Rigas und der Seefahrt (im Domkomplex), sowie des historischen Museums Lettlands, fuer das mittwochs der Eintritt frei ist. Die Beschreibungen des Okkupationsmuseums und des Kriegmuseums sind unzureichend. Ein Hinweis auf die Gedenkstaette mit den Ruinen der ehemaligen Grossen Synagoge von Riga, in der am 4. Juli 1941 ueber 300 Menschen durch verbrennen bei lebendigem Leib ermordet wurden, fehlt voellig. Insgesamt wird die 6000-jaehrige geschichte des Baltikums auf nur 2 Seiten tabellarisch angesprochen.
Ein grober Fehler ist der Hinweis, dass Lettland im Sommerhalbjahr der MEZ um 2 Stunden voraus sei. Tatsaechlich gilt auch dort die Osteuropaeische Zeit (MEZ + 1 Stunde). Mit dem im Estlandteil für Tallinn empfohlenen Bus Nr. 5 kommt man zwar irgendwo hin, jedoch nicht wie beschrieben zur "Saku Suurhaal", wo 2002 der Eurovison Song Contest stattfand. Dort fährt die Buslinie Nr. 6 hin.
Der mit Abstand beste (Insider)Tipp fuer Riga ist das lettische Speiselokal Alus Seta - wirklich Klasse und sogar noch preisguenstiger, als beschrieben.
Fuer den groben Ueberblick und das Preisleistungsverhaeltnis, das der Reisefuehrer Baltikum von Marco Polo bietet gibt es 3 Amazonsterne.