Heute war ich aufgeregt, denn ich wusste, das neue Beirut Album würde mit der Post kommen, und da man von vornherein darauf gefasst war, dass Zach Condon und seine Kumpanen (auf "The March of The Zapotec" ist es unter anderem die junge mexikanische Brassband "Jimenez") dieses Mal weitaus experimentierfreudiger gewesen sein sollten, mischte sich zu meiner Vorfreude auch eine gewisse Anspannung hinzu; ich war nun besonders erpicht darauf, zu erfahren, ob Condon dabei seinen so liebenswerten Wurzeln treu geblieben sei.
So viel sei verraten: er hat einen ziemlichen Sprung gewagt - ohne dabei das Gleichgewicht verloren zu haben; sowohl in die Gegenwart, als auch in die Vergangenheit hinein, denn mit "Realpeople: Holland" erinnert er ein bisschen an 80er/90er Jahre Disco ("My Wife, Lost in The Wild") und Popmusik und ist dabei dennoch so viel ausgefeilter und kreiert mit dem "A Sunday Smile"- Reprise "No Dice" soetwas wie "Gypsy-House". Besonders "My Night With The Prostitute From Marseille" hat mit seinem Nintendocore-anmaßenden Melodieostinato etwas so liebliches an sich, dass es sich unmöglich nicht gerne hören ließe. Mit dem verträumt-poetischen "Venice" erinnert Condon wiederum an Post-Rock Größen wie Boards of Canada, ohne dabei an eigener Größe zu verlieren - und ohne dass jener Song sich unnatürlich vom Bisherigen abheben würde.
Die EP "The March of The Zapotec" erinnert viel eher an "Gulag Orkestar", jedoch nicht ohne die altbekannten Akkordeon-, Brass- und Ukulelenklänge auf ein etwas tiefschürfender scheinendes Level zu bringen. "The Ankara" als Balkanpop-Trauermarsch ebenso wie "On A Bayonet" wirken erfahrener, ergründeter als beispielsweise "A Scenic World"; der damals 19-jährige scheint auf dieser EP ein Stück weltlicher geworden zu sein, wobei es einem beim Anhören der 2. EP "Realpeople: Holland" so erscheint, als wäre der aus dem US-Bundesstaat New Mexico stammende Teenager in ihm wiedererwacht und experimentierte mit Heimorgel, Keyboard und einer Menge grandioser Ideen im heimischen Schlafzimmer herum.
Die Kombination aus beidem ist jedenfalls gelungen, und die übliche Energie, die seine früheren Songs in sich tragen, ist auch hier deutlich spürbar.
Diese Doppel-EP ist nicht mit den beiden Vorgängern zu vergleichen; aber sie passt nichts desto trotz ins "Schema" des weltgewandten Condon, der sich nämlich nicht auf irgendein bestimmtes Schema festlegen lässt und vielleicht auch grade deshalb aus der Independent-und Balkanrevivalszene nicht mehr wegzudenken wäre.