Lange hat Simone de Beauvoir damit gezögert, mit diesem Roman, der zu ihren Erstlingswerken zählt, an die Öffentlichkeit zu gehen. Im Nachwort des Buches bezeichnet sie den Roman selbst als eine Art Gesellenstück mit Mängeln und Unbeholfenheiten, in dem sich jedoch viele der Themen abzeichnen, die ihr wichtig waren und die sie später wieder aufgenommen hat.
Gefallen werden die Erzählungen von Marcelle, Chantal, Lisa,... vor allem denjenigen, die bereits mehr über Simone de Beauvoirs biografischen Hintergrund wissen, die z.B. ihre autobiografischen Werke „Memoiren einer Tochter aus gutem Hause" und „In den besten Jahren" bereits gelesen haben. Denn immer wieder werden im Verlauf der Erzählungen Parallelen aus ihrem wirklichen Leben erkennbar, ähneln Romanfiguren realen Personen oder erinnern beschriebene Begebenheiten an tatsächlich geschehene Ereignisse aus ihrem Leben.
Am Beispiel von fünf Töchtern aus gutem Hause zeigt Simone de Beauvoir, wie negativ sich die starre geistig-religiöse Erziehung der damaligen Zeit auf Entwicklung und Schicksal ihrer Opfer auswirken konnte - bis hin zu deren vorzeitigen Tod. Die fünf kurzen Novellen sind jeweils Teilstücke, Fragmente aus dem Leben und Umfeld der Protagonistinnen, von denen jedes für sich allein genügend Potenzial in sich hätte, um daraus einen „großen" Roman zu schreiben. Doch Simone de Beauvoir hat einen anderen Weg gewählt. So sagt sie später selbstkritisch, dass es den Charakteren an Tiefe fehle und dass ihr der Tod ihrer besten Freundin Zaza, der in ihren Augen das größte Verbrechen der bürgerlichen Erziehung war, „als Erzählung gänzlich misslungen" sei. Dies mag sein, dennoch hat der gewählte Erzählstil auch seine guten Seiten: Zum einen sind die Novellen durch unterschiedliche Erzählperspektiven sehr abwechslungsreich und wirken durch Dialoge oder Tagebuchaufzeichnungen sehr authentisch. Auch ist es beim Lesen immer wieder interessant, wie die Personen aus einer der Novellen in einer der folgenden wieder auftauchen bzw. erwähnt werden. Durch diese romanhafte Verknüpfung von Personen und Handlungen entsteht doch der Eindruck eines zusammenhängenden Ganzen. Zum anderen kommt Simone de Beauvoir dadurch, dass sie in diesem „kleinen" Roman ihre Rebellion gegen die Bourgeoisie mit vergleichsweise wenigen Worten umreißt, denjenigen Lesern entgegen, die noch keines ihrer Bücher kennen und die so einen ersten Eindruck von den Themen, die ihr wichtig waren, erhalten, der dann vielleicht Lust auf mehr macht.