Nie kann ich machen was ich will"
Ein provenzalisches Tagebuch
Es ist ein Lesevergnügen, den Aufzeichnungen des 37jährigen Versicherunsgvertreters und besessenen Boule-Spielers Marcel Dauphin über die süße Schwere und die drückende Leichtigkeit des Lebens in Südfrankreich zu folgen.
Der Autor, Walter Popp, der zusammen mit Bernhard Schlink den Krimi-Longseller "Selbs Justiz" (Diogenes Verlag) geschrieben hat, führt uns im Tagebuch eines Boule-Spielers 2007" durch das Jahr zwischen Luberon und Marseille. Er lässt uns teilhaben an den realen und phantasierten Ausflügen, Ausbrüchen und Ausstiegen eines genervten Ehemanns, Familienvaters und erfolglosen Liebhabers, bei dem alle Fluchten doch in der Erkenntnis enden, dass nichts ist, wie es scheint und jede Pastis-Runde mehr vernebelt als erhellt.
Für den in chauvinistischem Moll räsonierenden Marcel spielen die Versicherungsabschlüsse eine ebenso untergeordnete Rolle wie die Tatsache, dass er sein neues Auto nicht mehr in seiner Garage unterbringen kann, weil sie vollgestopft ist mit Tupperware, die seiner Frau Francesca eine engagierte und mit Fortbildungskursen umrahmte Beschäftigung bietet. Dann schon eher die Diskussion um die neue Flutlichtanlage für den Boule- Platz, die Kabalen des Vereinslebens und natürlich die Wettkämpfe. Als nicht ganz ungetrübte Höhepunkte leuchten der Kauf eines Computerprogramms, das die Boule-Technik zu verfeinern hilft und der Erwerb eines "Dämmerungs-Sets" für schwierige Lichtverhältnisse auf.
Das Großformat (33x30cm) bringt das von Ingeborg Kempf handschriftlich edierte Tagebuch versehen mit wunderschönen Schwarzweiß-Bildern des Autors über das "Spiel mit den Kugeln" zur Geltung und lässt uns darüber hinaus teilhaben an den französischen Feiertagen und ganz nebenbei den politischen Voraussagen für das Jahr 2007.
Es ist zu hoffen, dass die schriftstellerische Kontinuität von Selb über Marcel Dauphin anhält und wir mit einer Fortsetzung rechnen dürfen.