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Marbot. Eine Biographie. SZ-Bibliothek Band 85
 
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Marbot. Eine Biographie. SZ-Bibliothek Band 85 [Gebundene Ausgabe]

Wolfgang Hildesheimer
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 326 Seiten
  • Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek; Auflage: 1., Aufl. (8. Dezember 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3866155352
  • ISBN-13: 978-3866155350
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 12,8 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 273.413 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Wolfgang Hildesheimer
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Andrew Marbot wird am 4. April 1801 als Kind von Sir Francis Marbot und Lady Catherine geboren. Er hat eine besondere Nähe zu seiner Mutter. Pater van Rossum ist sein Lehrer. Bald entdeckt er die Leidenschaft für Kunst. Angesichts der "Entstehung der Milchstraße" von Tintoretto bittet er die Mutter, ihm zu zeigen, wo an ihr die auf dem Bild zu sehenden Körperteile der Juno wären. "Die Mutter wies diesen Wunsch zwar zurück, doch nicht etwa in Entrüstung, sondern lachend. Sie schloss das Kind in ihre Arme, so dass es dieses geheimnisvolle Gebiet zwar nicht mit den Augen, dafür aber körperlich fühlend für sich erschließen konnte." 1820 kommt es in London erstmals zum Inzest mit der Mutter. Danach lernt er auf Reisen Persönlichkeiten wie Lord Byron oder Schopenhauer kennen. Wegen des Todes des Vaters muss er zurück nach England. Dort lebt die Liebe zwischen Marbot und Lady Catherine auf. Im April 1825 reist Andrew nach Redmond Manor ab. Zwei Tage später folgt Lady Catherine, kehrt aber schließlich nach Marbot Hall zurück und beichtet Pater van Rossum alle Sünden. Andrew will England für immer verlassen. Auf der Eröffnungsausstellung der Royal Academy trifft er William Turner und schreibt über dessen "Der Hafen von Dieppe" seinen ersten Essay. In Weimar besucht er Goethe. Nach einer Tour durch deutsche, schweizerische und italienische Städte erreicht er Urbino, bricht aber bald nach Rom auf. Dort hat er eine Affäre mit Teresa Guicolli. Im Herbst 1827 reist er nach Paris, trifft Delacroix und diskutiert mit Hector Berlioz über Kunst und Musik. Im Februar 1830 verlässt Sir Andrew Marbot eines Tages sein Haus in Urbino...

Klappentext

»Wer war dieser Andrew Marbot, dessen Name kein Lexikon verzeichnet? Er war, so wird uns mitgeteilt, ein englischer Adliger aus dem frühen 19. Jahrhundert, 1801-1980, Asthetiker und Kunstpsychologe, der auf erstaunliche Weise Kunsteinsichten Freuds und der Moderne vorwegnahm. Er bereiste Frankreich, Italien und Deutschland, besuchte Goethe in Weimar, kannte Byron und Shelley, Turner und Delacroix, Leopardi, Platen und Schopenhauer. Postum, 1834, erschien sein Buch Art and Life, das auch ins Deutsche übersetzt wurde. Bald fand Marbot seinen ersten Biografen, Hadley-Chase und wurde dann gründlich vergessen. Zu Unrecht, wie Hildesheimer zeigt. Denn Marbot war auch ein interessanter Charakter, nicht zuletzt durch die inzestuöse Beziehung, die er zu seiner Mutter, Lady Catherine Marbot, unterhielt.«
Hanio Kesting, Frankfurter Rundschau -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Dieses Buch ist in seiner Art einzigartig, wenn auch zahlreiche Elemente der formalen und inhaltlichen Gestaltung in früheren Texten und Reden Hildesheimers bereits anklingen, jedoch nie in dieser (in einer fiktiven Biographie zunächst merkwürdig anmutenden) Ausführlichkeit und Konsequenz verarbeitet wurden. Wie Hildesheimer es selbst formuliert (welche Feinheit aber bei der ersten Rezeption des Buches oft übersehen wurde und damit zu einer Vielzahl von Missverständnissen zwischen den Polen "Scherz" und "Biographie einer realen Person" führte), wurde Marbot in die Kulturgeschichte des frühen 19. Jahrhunderts gleichsam eingewoben. Dies ermöglicht eine nicht nur amüsant und ironisch gemeinte (wie die einleitende Schilderung des Zusammentreffens mit Goethe zunächst vermuten lassen könnte), sondern psychologisch und kulturhistorisch "stringente" Konfrontation mit einigen Größen der damaligen Künstler- und Philosophenwelt (u. a. Leopardi, Schopenhauer). Neben diesem bereits in den "lieblosen Legenden" angelegten, dort noch satirischen Aspekt berührt vor allem die Konstruktion einer prä-psychoanalytischen Künstler-Theorie aus dem Bewältigungsversuch eines Inzestes von Andrew Marbot mit seiner Mutter. Dieser Inzest wird für den Helden - neben einem starken Willen, nicht aber der Fähigkeit zu eigener kreativer Produktivität - zum Movens sowohl seiner (in langen Zitaten ausgeführten) Studien als auch seines finalen Suizids. Ein erzählerischer Kunstriff Hildesheimers ist die Einfürung eines frühen Biographen (Hadley-Chase), der einerseits neben Briefen und Schriften als "legitime" Quelle für "Daten" dient, andererseits aber die Distanzierung des modernen Biographen immer wieder provoziert. Hier kommt deutlich der hohe Anspruch Hildesheimers an die Wahrhaftigkeit des Biographen und damit ein pädagogisches Element zum Ausdruck. Für Hildesheimer selbst gewann Sir Marbot zunehmend Eigenleben, wurde von ihm später mehrfach zitiert, und auch für den Leser scheint es zuletzt kaum noch glaublich, dass diese akribisch gezeichnete Figur tatsächlich nur ein Phantasieprodukt sein sollte.
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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Diethelm Thom VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Hildesheimer, Wolfgang, Marbot - Eine Biographie, 1981 (SZ-Bibliothek 2007)

Eine groß angelegte Irreführung des Lesers - hier bemüht sich einer der bedeutenden deutschen Schriftsteller der siebziger Jahre, den Leser glauben zu machen, dass mit diesem Buch die Biographie eines einzigartigen, bis dato fast ganz unbekannten Menschen vorgelegt werde, nämlich eines gewissen Marbot, eines englischen Kunstkritikers und Zeitgenossen der Romantiker. Obwohl es ihn in Wirklichkeit gar nicht gegeben hat, behauptet der Sprecher , Marbot habe eine für seine Zeit revolutionäre und einzigartige Sichtweise von bildender Kunst initiiert, indem er nämlich nach dem Zusammenhang von Kunstwerk und unbewussten psychischen Motiven im Künstler gesucht und damit die moderne psychoanalytische Sichtweise bereits Anfang des 19.Jahrhunderts vorweggenommen habe. Gleichzeitig sei dieser Marbot - ein privilegierter Adliger- rätselhaft in seiner inzestuösen Beziehung zu seiner Mutter und in seinem frühen Freitod gewesen, der Sprecher versucht also akribisch den Spuren dieses Lebens nachzugehen, um so wie sein Held Aufschluss zu gewinnen über den Zusammenhang von Werk und Psyche.
Zu diesem Zweck gibt er sich als Wissenschaftler aus, der eine aufwändige und penible Recherche betreibt, um die Begegnungen Marbots in seiner Zeit mit berühmten Zeitgenossen (z.B. Goethe, Schopenhauer) darzustellen und seine Äußerungen zu meist weltberühmten Kunstwerken zu analysieren. Dabei ist auffällig, dass gewissermaßen eine Hypergenauigkeit an den Tag gelegt wird, um die Aussagen glaubwürdig zu machen. Es entsteht ein unbedingt überzeugendes Bild von der Zeit, in die Marbot eingebettet ist. Die Belege im Zusammenhang mit Marbot sind allerdings immer eher weniger bekannten oder nicht leicht zugänglichen Quellen entnommen, so dass der einigermaßen gebildete Leser sie nicht so ohne Weiteres wiedererkennen oder nachprüfen kann, er neigt vielmehr dazu, dem Ton der genauen Recherche zu vertrauen. Darüber hinaus sind die Kunstanalysen, die angeblich von Marbot stammen, so tiefgründig und in sich interessant, dass der Leser der Darstellung mit Gewinn und bereitwillig folgt. Marbot fasziniert außerdem durch seinen tiefen ethischen Ernst, sein kompromissloses Außenseiterschicksal und die Konsequenz, mit der er lebt, so dass der Leser ihn als real existierende, geschichtliche Person kaum noch in Frage stellt.

Es stellt sich also die zentrale Frage, warum Hildesheimer wohl diesen Aufwand getrieben hat - warum wollte er den Leser glauben machen, dass Marbot keine fiktive Gestalt ist? Eine Antwort könnte sein, dass er (wie es aus seinen theoretischen Äußerungen hervorgeht) der Möglichkeit von fiktionaler Literatur in seiner Zeit mehr und mehr misstraut hat und schließlich als Schriftsteller ganz verstummt ist. Dann wäre die Schein-Recherche für ihn eine Möglichkeit gewesen, doch noch einmal Literatur zu schaffen.
Eine andere Antwort: Der Autor hat sich mit Marbot eine Gestalt geschaffen, die seine eigenen kunsttheoretischen Gedanken repräsentierte, und diese Gestalt hat ihm darüber hinaus den Vorwand geboten, bestimmte brisante Themen, die ihn selbst beschäftigten (Inzest, Selbstmord), auszuloten. So schreibt der Sprecher selbst: "Der typische Biograph ist derjenige, der nicht nur seinen Helden wählt, sondern der - wie Freud sagt - auf eigentümliche Weise an ihn fixiert ist, und zwar - ich ergänze - auf eine solche Weise, dass er zunehmend der Idee verfällt, von seinem Helden gewählt worden zu sein." (147). Schließlich könnte man die dargestellte Methode Marbots, nach dem Zusammenhang zwischen dem Werk und der Psyche des Künstlers zu fragen, auf Hildesheimer selbst anwenden und in seiner Biografie nach Antworten suchen.
Das Buch ist brillant geschrieben und verrät ein profundes kulturhistorisches Wissen, sonst hätte der Autor gar nicht auf so überzeugende Weise mit dem Material spielen können. Gleichzeitig setzt es beim Leser ein echtes Interesse an den aufgeworfenen kunstästhetischen Fragen und Problemen voraus, und hier setzen meine Vorbehalte ein: Dieser ungeheure Aufwand, den Hildesheimer getrieben hat, um das Buch so zu schreiben, mag subjektiv begründet und notwendig gewesen sein. Es ändert nichts an der Tatsache, dass hier ein literarisches Werk mit nicht enden wollenden Quellenverweisen und kunstästhetischen Äußerungen theoretisch überfrachtet ist. Letzten Endes bleibt die Darstellung doch immer nur Fiktion, und man profitiert nicht davon, dass dies unbedingt verschleiert werden soll. Denn der Leser dürfte in der Regel Hildesheimers Skrupel der Literatur gegenüber nicht teilen, er ist nach wie vor noch bereit, der tieferen Wahrheit von Literatur zu glauben.
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
"Marbot - eine Biographie" ist keine Biographie, aber nicht etwa, weil Hildesheimer hier das Leben und Werkauszüge einer erfundenen Person (Sir Andrew Marbot) beschreibt. Das Buch ist Meta-Biographie insofern, als er das Modell einer Biographie im Sinne Hildesheimers exemplarisch vorführt (und gleichzeitig auf brillante Weise unterhält und zur Kunstrezeption anregt): sein Postulat, ein Biograph habe stets wahrhaftig zu sein in dem Sinne, dass zwischen der Darstellung von Fakten und Interpretationen, Spekulationen des Biographen immer konsequent zu differenzieren und diese Differenzierung auch explizit kenntlich zu machen sei. Vergnüglich zu lesen und schlüssig und einfühlsam konstruiert sind die Konfrontationen der Hauptperson mit verschiedenen Kulturträgern des frühen 19. Jahrhunderts, da sie nicht nur Marbot, sondern auch diese Menschen sensibel charakterisieren, natürlich stets mit einer Prise Hildesheimerscher Ironie. Lediglich das Konstrukt, dass der Bewältigungsversuch eines vollzogenen Sohn-Mutter-Inzestes in analoger Art zu einer Sublimation von Inzestphantasien ablaufen könnte, ist diskussionswürdig, aber von der literarischen Konstruktion her erweist es sich als tragfähig. Insgesamt eine Herausforderung an Autor und Leser gleichermaßen.
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