Galloway setzt sein aussergewöhnliches Konzept, beim Marathon abwechselnd zu Laufen und zu Gehen, hier um in elf Trainingspläne für AnfängerInnen bis zum 2:39h-Läufer. Gerade wegen seiner Leitlinie, den Körper nicht zu übermüden und dadurch Verletzungen aus dem Weg gehen, sind in der Vorbereitung Läufe über 38 bis 46,5 km (29 Meilen) zu bewältigen; langsam trabend und mit regelmässigen Gehpausen! Um die Muskelermüdung hinaus zu schieben, soll man/frau zwischen 3-4 Laufstilen abwechseln. Die werden zwar beschrieben, doch Illustrationen dazu findet man im Buch nicht. Der Band wirkt reich bebildert, doch das gelingt dem Verlag, indem er den Text geschickt zwischen Zeichnungen einrahmt und mit Fotos hinterlegt.
Neben Trainingsformen wie Hügel- und Steigerungsläufe behandelt Galloway Themen wie Ernährung, Fettburning, Verletzungen; zu Streching gibt es hauptsächlich den Hinweis auf sein anderes Buch. Für mich fand ich im Text neben dem faszinierenden Gehpausengedanken einige Highlights, zB zu Trainings- und Wettkampftempo bei Hitze. Doch wirklich gefallen kann mir das Buch nicht, denn es wirkt, als sei es aus vielen Zeitschriftenartikeln zusammen geschustert. Der Leser merkt dies an den vielen Wiederholungen, an der fehlenden Verbindung bei mehrfach behandelten Themen wie "Lauftechnik" oder "Schnelligkeitstraining", manchmal auch an der wechselnden Übersetzung - mal Grundwert, mal Basiswert der Herzfrequenz statt simpel "Ruhepuls".
Dieses Gallowaybuch erscheint mir solide übersetzt, doch das reicht nicht, wenn das Buch Unerfahrene in Europa zum Marathonziel führen soll; denn hierzulande denkt und rechnet man nicht in Meilen, sondern in km. Und darum ist es kaum im Sinne des Autors, wenn seine Empfehlungen zum Trainingstempo ( 1, 2 oder 3 Minuten pro Meile langsamer als ihr Tempopotential) umgesetzt werden in 37,5 sec, 75sec bzw. 1:52,5 min langsamer pro Kilometer. Dies spiegelt Präzision vor, wo der Autor mit seiner Zwei-Minuten-Regel bewusst unpräzise bleibt. Die Leserfrage zu dieser Regel, "woher weiss ich, dass ich 2 Min/Meile langsamer laufe, als ich an dem betreffenden Tag laufen könnte?", beantwortet Galloway mit "Sie wissen es nicht", laufen Sie einfach langsam genug, um sich schnell erholen zu können.
Ausser - Sie dringen vor bis zu Kapitel 22 "Herzfrequenz", haben einen Pulsmesser und verstehen die dort gemachten Angaben (65%-70% der HFmax) und schaffen es, so langsam laufen. Galloway verschweigt, wie lange Sie dann unterwegs sind beim längsten Lauf - rund 5-6(!) Stunden habe ich errechnet und ausprobiert. -- Das Galloway-Konzept finde ich faszinierend, dieses Buch weniger.