Habe mir vor 10 Monaten nach ausschweifenden Überlegungen die CR-603 in schwarz gekauft. Passend dazu gabs das Auslaufmodell der KEF IQ70 Standlautsprecher - die Firma wird wegen des sehr direkten Klangbildes gerne mit Marantz kombiniert.
Wichtig für mich war:
3 analoge und einen optischen Digitaleingang, ansprechendes aber kompaktes Design, Nutzung von Streaming mittels uPNP und direkten Internetzugriff (Internetradio, Napster) und das ganze mit dem Sound eines erwachsenen Systems. Als Konkurrenz standen die Yamaha MCS-1330 und die Denon DF 107 jeweils gepaar mit einer Squeezebox touch. Nach Aufsuchen eines recht gut ausgestatteten HIFI-Studios waren beide Konkurrenzgeräte auch mit Standlautsprechern absolut deklassiert. Kriterium war dabei nicht die Lautstärke, da die Marantz nur ca. 30 qm beschallen muss, sondern vielmehr der Detailreichtum und die Klangfarbe. Zu einer Hifieinsteigeranlage ala Denon PMA510 hörte ich hingegen zumindest im ersten Punkt keinen Unterschied, bin aber auch Neuling. Mehr Worte zum Klang will ich nicht verlieren, das muss man sich selbst anhören. Mehr jedoch zur Funktionalität im Alltag:
Ich höre Musik vorwiegend vom NAS in 192kbit MP3, von CD, von Napster. Dazu kommt der Eingang für den MediaPC mit Bluraywiedergabe in 2.0 und das Streaming mittels Twonky über mein Asus-Tablet. Zu den einzelnen Punkten:
1. Die Anlage ist über Netzwerkkabel über den Arcor-Router mit dem NAS verbunden. Sie empfängt die Daten vom NAS mittels uPNP und ordnet diese schön in Ordnern. Die Navigation erfolgt flüssig, nach anwählen der Datei zieht sie sie in den Cache und startet das Lied - vom Tastendruck zum ersten Ton in ca. 2sek. Dann folgt das nächste etc. Probleme mit dem Format hatte ich bisher nicht.
2. Kurz nach dem Kauf der Anlage habe ich bei Napster unterzeichnet und zahle früher 10, nun 8 Euro monatlich für die Flatrate. Die Einrichtung war ein Kinderspiel. Die Anlage wählt sich selbstständig ein (10 sek) und es lassen sich Top100 Albums, Songs, Künstler oder eben die eigenen Playlists anzeigen. Die Navigation hat hier und da denkpausen, vereinzelkte Verzögerung bis zu 2 sek sind beim Stöbern recht nervig. Auch eine Suchfunktion geht, ist zwar für Alben und Künstler brauchtbar, aber für Tracksuchen sowohl vom Tippen als auch von der Ergebnisdarstellung unkomfortabel. Ich stelle Playlists mit Tablet oder Notebook zusammen und ruf sie dann von der Marantz ab, was ausgezeichnet geht. Selten verliert die Anlage den Weg zum nächsten Lied und kehrt auf den Napsterhomescreen zurück. Leider streamt napster neuerdings nur noch in 128kbit, den qualitätsunterschied hört man! Mit Last.fm habe ich keine Erfahrungen.
3. Internetradio (v-tuner) geht wiederum ohne Denkpausen und die Bedienung ist spitze. Man findet leicht neben radio Charivari aus der Oberpfalz auch K-Rock aus New York. WMA und MP3 gehen gleichermaßen.
4. Zusätzlich nutze ich mein Android-Tablet mit der Marantz. Zum einen zum direkten Stream von Musik mittels Twonky und uPNP. Hier kann z.B. direkt von einer Website ein Stream durchgeleitet werden - z.B. aus der Hörbar bei Deutschlandfunk. Zum anderen habe ich auch immer wieder das AVR-App von Marantz zur Fernsteuerung der Anlage genutzt, z.B. in der Badewanne liegend (geht flüssig mit android 3.2 und 4.0). Leider gehen damit nicht mehr Befehle als mit der Fernbedienung. Toll wäre z.B. die Eingabe von Buchstaben mittels Androidtastatur oder ein Anzeigen der Napstersuchergebnisse der Anlage.
Abschließend noch zur Produktqualität nach 10 Monaten. Die Anlage ist ausgezeichnet verarbeitet, die Metallhülle fasst sich spitze an, die Tasten und Stecker sind über jede Abnutzung erhaben. Die Fernbedienung belächelte ohne Murren Stürze vom Sofa oder dem Couchtisch auf den Parkettboden. Updates zieht die Anlage selbsttätig aus dem Netz. Und dann doch noch ein Wort zum Klang: Hin und wieder bin ich beim Hören von alten CDs überrascht über ein vorher nie gehörtes Cello, ein Tamborin, einen schiefen Ton oder den etwas schrägen Backgroundsänger - Details, die ich vorher nie wahrgenommen hab. Hier spielt die Kleine gang groß auf.
P.S. Habe lange zwischen vier und fünf Punkten überlegt. Für Radio-, Internetradio- und CD-Hörer sind es sicher 5 Punkte. Aber die Denkpausen in Napster sind insbesondere bei einem Preis von 650 Euro verbesserungsfähig und damit keine volle Punktzahl wert.