Die 21 jährige Paula Köhlmeier ist im Sommer 2003 ist mit einer Freundin zu einem Spazierweg auf den Schlossberg aufgebrochen, wo sie jeden Weg auswendig kannte, ist ausgerutscht, in die Tiefe gestürzt und sofort an ihren Kopfverletzungen gestorben. Die Eltern von ihr, das Vorarlberger Schriftsteller Ehepaar Monika Helfer und Michael Kohlmeier die haben dann dieses Buch mit kurzen Erzählungen, Romankapiteln und Skizzen ihrer Tochter herausgegeben.
Maramba, eine Geschichte heißt übrigens auch so und das war wohl die Antwort eines Liebhabers der sich vor ihr hinter dem Wort versteckt hat. Die Eltern erklären im Nachwort, es sei das Wort für das, was sich anders nicht sagen ließe.
Die Paula Köhlmeier ist nach dem Abitur erst eine Zeit lang nach Mexiko gegangen und dann hat sie während ihres Filmstudiums an der Wiener Filmakademie. Sie schreibt eigentlich Zusammenfassungen von viel größeren Geschichten, und das ist eine sehr gute Möglichkeit zu verdichten. Man merkt da schon die künftige Filmemacherin Sie hat ja an der Filmakademie Drehbücher geschrieben. Ich habe das Gefühl viele dieser Texte der knapp 50 Prosastücke sind Entwürfe zu Filmen, die sie dann vielleicht zu großen Drehbüchern ausarbeiten wollte.
Sie schreibt ohne Unterschied zwischen Wesentlichem und Unwesentlichem zu machen. Sie schreibt mit einem melancholischen Charme von alten, vereinsamten Menschen und von jungen Leuten, die am Rande der Wohlfahrtsgesellchaft leben. Und bei diesen jungen Menschen, die eigentlich nur vor ihren Gefühlen leben, die verwahrlost wirken, ist viel Zärtlichkeit, Sehnsucht und Verlassenheit zu spüren. Das Gefühl der Vereinsamung und Vereinzelung jeder Person dieses Buches ist so unglaublich stark und ansteckend, schon das zu lesen macht das Buch zu einem sehr wertvollen.
Die Autorin verwendet keine Adjektive, keine Psychologie. Kausale Verhältnisse wie in anderen Büchern werden nicht hergestellt, es gibt lediglich Abläufe, reduziertes Sprechen über Existenzzustände, über Existenzgefühle. Dabei verwendet die Autorin Stenogramm artige Sätze die jedoch von einer poetischen Kraft und Einzigartigkeit sind. Ihr Schreiben kann man auch als hoch fragmentarisch bezeichnen.
Die Geschichten, die man konventioneller Weise, als die gelungensten betrachten würde, sind tatsächlich die schwächsten, während die so nur dahin geworfenen, fragmentarischen, wo der einzelne Satz mehr zählt als die ganze Story, die starken Geschichten sind.
Die Dramaturgie des Textes hat etwas Atemloses. Alles in allem, es ist ein sehr schönes Buch. Und das unglaublich schöne dieses Buches, im Gegensatz zu vielen anderen Büchern ist es, das es so wenig will.
Man kann jetzt sicher traurig sein, dass diese junge Autorin nicht mehr lebt, deren Stimme man gern noch viele Jahre gehört hätte, das soll man auch, aber man muss auch glücklich sein, dass es dieses Buch gibt.