Nach dem Tode Lullys entstand eine Lücke, da er es verstanden hatte alle anderen Musiker vom Theater fern zu halten, dauerte es bis Werke vom gleichen Rang des Meisters aus Florenz entstanden. Seine Söhne Jean und Louis komponierten zwar auch, aber sie erreichten nicht ihren Vater. Erst Marc Antoine Charpentier schuf 1697 mit seiner "Médée" wieder ein Werk das bei den Kennern Bewunderung hervor rief.
1704 brachte dann Marin Marais, der begabteste Schüler Lullys sein erfolgreichstes Werk auf die Bühne der Akademie Royal de Musique - Alcione. Marais ist natürlich in erster Linie für seine Gambenwerke bekannt, das war auch damals so. Insgesammt schrieb er auch nur 4 Opern (Alcide 1693 zusammen mit Louis Lully, Arianne et Bacchus 1696, Alcione 1704 und Sémélé 1709 die allerdings ein Mißerfolg wurde und Mrais daraufhin seinen Abschied von der Bühne nahm. 1686 komponierte er noch unter der Aufsicht seines Meisters eine "Idylle Dramatique" für die Salons in Versailles.)
Alcione besticht vor allem durch ihre kühne Harmonik, Marais fuhr einige Monate an die Küste um das Meer musikalisch beschreiben zu können, nie wieder habe ich so etwas erlebt, man kann das Meer fast riechen...
Es ist ein Paradebeispiel für eine Barockoper zur Zeit des Sonnenkönigs (der von diesem Werk sehr begeistert war), ein Erdbeben, der berühmte Sturm (er wurde später sogar in Lullys Alceste eingesetzt, eine größere Ehre konnte Marais kaum erhalten) , eine Traumszene, die ebenfalls berühmte Szene der Matrosen und die prächtige Chaconne sind nur einige wenige Höhepunkte des Werkes.
Wer von den Instrumentalstücken und Tänzen fasziniert ist, der kann sich noch zusätzlich die Orchestersuiten aus der Oper in der Interpretation von Savall besorgen.
Wer sich für die frz. Barockoper interessiert, sollte sich in jedem Fall dieses Werk sichern.
Diese Aufnahme gehört sicher zu den Besten welche die "Musiciens du Louvre" unter Minkowski bisher eingespielt haben. Jennifer Smith in der Hauptrolle ist zwar Geschmackssache, aber sie überzeugt. Gilles Ragon als Ceix überzeugt gleichermaßen. Huttenlocher, Fouchécourt, Gens sind weitere große Namen. Ein absolutes Spitzenensemble mit einigen der besten Sängerinnen und Sängern des frz. Barockrepetoire.