Wenn ein Autor bei uns im Forum anklopft und sein neues Buch vorstellen möchte, sind wir zunächst einmal ein wenig kritisch. Allerdings war das mit Bernd das Brot Erfinder Tommy Krappweis ja nicht irgendwer, der da anklopfte, sondern ein Mann mit Humor und interessanten Lebenslauf, der seinen ersten Fantasy-Roman geschrieben hat und sich zudem schon in den Vorgesprächen nicht nur an Werbung, sondern auch an Feedback interessiert zeigte.
Also schnell das Buch bestellt. "Mara und der Feuerbringer" wurde vom Schneider Verlag liebevoll gestaltet und vom Stiefbruder des Autors, Adriaan Prent, wunderschön illustriert. Das stellt das Buch optisch schon auf eine Stufe mit den Tintenwelt Romanen von Cornelia Funke und das will was heißen.
Der Plot: 14-jährige entdeckt an sich außergewöhnliche Kräfte und muss einer Prophezeiung folgend die Welt retten klingt zunächst einmal, nun ja, nicht gerade innovativ. Aber gerade hier zeigt sich mal wieder, dass nicht nur wichtig ist, was geschrieben wird, sondern wie es geschrieben wird. Mara ist ein echter Pageturner. Die ersten Kapitel sprühen nur vor Wortwitz. Wie seine Vorbilder Gaiman und Pratchett ist Krappweis ein Beobachter der Merkwürdigkeiten des Alltags, seien es nun Esoterik Freaks, Kaffee-/Kakao-/Suppeautomaten oder hellhörige Nachbarn, und ab und an schimmert auch ein wenig Bernd durch die Seiten. Doch wer nun glaubt, ein ganz und gar albernes Werk in Händen zu halten, der irrt gewaltig. Spätestens ab dem zweiten Teil wird der Roman ernster und es überwiegen die Fantasy-Elemente. Bis zum letzten Viertel konnte ich nicht im Geringsten sagen, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird, für mich ein sehr gutes Zeichen. Auch wenn Vergleiche dem Roman nicht gerecht werden, da er für mich ein Unikat ist, würde ich den Aufbau der Geschichte am ehesten noch als Jumanji der germanischen Mythologie bezeichnen, da die Grenzen zwischen den Welten letztendlich verschwimmen und wie bei Jumanji ein bisschen was in unsere Welt hinüberschwappt ;-)
Besonders gespannt war ich darüber, wie die wissenschaftliche Unterstützung von Prof. Simek in den Roman integriert wurde. Mit dem "Versprechen der Wölfe" von Dorothy Hearst und "Der Eid des Steinkönigs" von Kristin Falck hatte ich zuletzt zwei Romane gelesen, bei denen die wissenschaftlichen Elemente kaum in die Geschichte integriert waren und wie ein Fremdkörper wirkten. Das ist bei Mara ganz und gar nicht der Fall. Die Geschichte folgt ungestört und ohne Unterbrechungen ihrem dramaturgischen Verlauf, wen Detailinformation interessieren, der findet diese im ausführlichen Anhang.
So ist Mara ein witziger, spannender und gut geschriebener Fantasyroman für junge und jung gebliebene Leser, der auf sehr unterhaltsame Weise das Interesse für die germanische Mythologie weckt und es dabei versteht, ohne erhobenen Zeigefinger mit falschen Vorstellungen à la Richard Wagner aufzuräumen.
Ganz wichtig noch zum Schluss: Auch wenn Mara und der Feuerbringer der Auftakt zu einer Trilogie ist, ist die Geschichte abgeschlossen und auch einzeln gut lesbar. Es muss also niemand einen üblen Cliffhanger befürchten, es bleibt aber noch genügend Stoff, um die Geschichte weiterzuspinnen. Ich bin also schon gespannt auf Band 2.