Setzen Sie sich neben ein Instrument, schließen Sie die Augen, und stellen Sie sich vor, das Instrument neben Ihnen würde etwas aus seinem Leben erzählen. Nur für Sie, mit stillen, manchmal aufbrausenden Tönen, mit einer Verwunderung und einem gewissen Abstand zur eigenen Geschichte, die nur jemand aufbringt, der manchmal belustigt auf sich selbst schaut.
So ist Mara, "The Mara". Ein weltberühmtes Cello erzählt aus seinem Leben. Nicht alles, aber doch das wesentliche. Wolf Wondratschek lässt ein Cello erzählen, das berühmteste Cello der Musikgeschichte. Er tut das unaufgeregt, mit einem sonoren Unterton, und mit jenem Plauderton, der einen innehalten lässt. Fast meint man, die Saiten klingen zu hören.
Mara schweift ab, überspringt Jahrzehnte seiner eigenen Geschichte, weil es sich nicht mehr daran erinnern kann oder mag. Der Stil erinnert an die Erzählungen von Uroma oder Uropa, die Episoden aus ihrem Leben an den Enkel weitergeben. Manchmal sprunghaft, dann wieder werden präzise bestimmte Erlebnisse von Mara ausgebreitet, die besonders einprägsam waren. Z.B. der Untergang mit dem Schiff, oder jener Moment, als man statt der Darmsaiten plötzlich Stahlsaiten aufgezogen hat und Mara glaubte, es würde zerreissen.
Wer sich auf diesen Stil einlässt, auf diese besondere Art des Erzählens, wird durch wunderbares Kino im Kopf belohnt. Hinzu kommen Töne, die von selbst entstehen und das Buch lange nachklingen lassen. Und wer dann noch Wolf Wondratschek live bei einer Lesung erleben durfte (ich hatte das Vergnügen), wie er seinem "Mara" zu einer menschlichen, tiefen, sonoren Stimme verhilft, der ist dem Zauber der Geschichte verfallen.
Manch anderen werden die tatsächlichen Lebenserinnungen von "Mara", das noch immer in Konzerten zu hören ist, wohl zu dürftig sein.