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Mara Kogoj: Roman
 
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Mara Kogoj: Roman [Gebundene Ausgabe]

Kevin Vennemann
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 217 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 1 (19. Februar 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518418750
  • ISBN-13: 978-3518418758
  • Größe und/oder Gewicht: 20,2 x 12,8 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Kevin Vennemann
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Produktbeschreibungen

kulturnews.de

Natürlich war Opa kein Nazi. Er war bei der Wehrmacht, musste man ja damals, aber da hat er sich nichts zu Schulden kommen lassen, war ja auch nur Sanitäter. Auf jeden Fall hat er nur seine Pflicht getan, und sein Andenken lassen wir uns nicht beschmutzen. Punkt. Wie geht man mit so etwas um? Kevin Vennemann konfrontiert in "Mara Kogoj" zwei Wissenschaftler mit dem Weltbild eines Ewiggestrigen: Tone Lebonja und Mara Kogoj interviewen den Kärntner Neonazi Ludwig Pflügler für eine Studie - und der nutzt die Gelegenheit, seine Meinung zum slowenischen Partisanenkrieg im Kärnten der 40er-Jahre kundzutun. Lobonja und Kogoj reagieren darauf unterschiedlich: Er nach außen unbeteiligt, sie widersprechend, konfrontativ, emotional. Während Kogoj hier Haltung bezieht, wirbelt Vennemann die Perspektiven durcheinander. Wer ist das Ich, das hier erzählt? Kogoj, Lebonja, ein Dritter, Pflügler gar? Der Text schillert, nie sind die Sympathien klar, immer wird eine weitere Bedeutungsebene eingezogen. Das aber macht "Mara Kogoj" zum extrem schwer lesbaren Buch, hoch artifiziell, stellenweise an der Kippe zum Kunstgewerbe: Da will ein Autor zeigen, was er literarisch kann, und gleichzeitig sucht er sich ein historisches Thema, bei dem er ebenfalls mit Hintergrundwissen protzen darf. Erst im letzten Drittel zeigt sich, wie angemessen Vennemanns Arbeitsweise ist: Leicht macht es einem dieser Roman nicht, aber leicht lässt sich auch der Alltagsfaschismus nicht fassen. Denn wer will schon wirklich wissen, wie die Pflichterfüllung Opas damals genau aussah? (fis) www.kulturnews.de

Pressestimmen

»Wie in seinem ersten, von der Kritik gut besprochenen Roman Nahe Jedenew’ geht es auch bei Mara Kogoj darum, schwierige Realitäten der jüngeren Geschichte literarisch greifbar zu machen, die gern totgeschwiegen werden ...«  (Die Tageszeitung )

»Es ist erstaunlich, dass man von einem so jungen Autor lernen kann, wie Erinnerung an Zeitgeschichte abläuft.« (Frankfurter Allgemeine Zeitung )

»Man könnte diesen konzentrierten, klugen Roman auch eine ‚Komposition für drei Stimmen und Tonbandgerät’ nennen, denn sein Rhythmus wird vom Vor- und Zurückspulen und den zyklischen Variationen der zentralen Motive bestimmt. In bester John Cage-Manier wird in jedem Satz das Schweigen spürbar, als das Nicht-Gesagte und Verleugnete schwingt es immer mit.« (Frankfurter Rundschau )

»Vennemann ist also mit seinen dreißig Jahren ein eminent politischer Autor, und so einen hat das deutsche Feuilleton schon seit Jahren gesucht.« (Falter, Wien, Buchbeilage )

»Mara Kogoj des jungen Autors Kevin Vennemann gilt als der schwierigste Roman dieser Saison. ... Und die Anstrengung der Lektüre lohnt.« (Die Tageszeitung )

»Erstaunlich die Genauigkeit und die Treffsicherheit, mit der Kevin Vennemann, der 30jährige gebürtige Westfale aus Dorsten an der Lippe, am Kärntner Beispiel Strategien und Inhalte deutschnationaler Geschichtspolitik rekonstruiert und in die Romanhandlung einbaut ... Ein erstaunliches Buch. Und ein notwendiges.« (Klaus Amman Literaturen )

»Kevin Vennemann erzählt eine Geschichte vom Fortwesen der nationalsozialistischen Vergangenheit Kärntens in der Gegenwart. Und er erzählt sie grandios.«  (Stadt Revue Kölnmagazin )

»Kevin Vennemann hat eine der klügsten und zudem schönsten Weisheiten über das Reden, das Schweigen, das Aufzeichnen und die Historie gefunden … Mara Kogoj ist Literatur in ihrer bedeutsamsten Form.«

(Berliner Zeitung )

»Vennemann ist ein erstaunlicher junger Schriftsteller, bei dem man nicht weiß, was man mehr bewundern soll: die kühle Intelligenz oder die subtil angewandten Register seines sprachlichen Könnens. Bei Mara Kogoj hat er sie alle gezogen ... ein grandioser Roman« (Neue Zürcher Zeitung )

»Kevin Vennemann hat alle Voraussetzungen, das literarische Erbe von Thomas Bernhard anzutreten. Sein Roman Mara Kogoj ist ein Holzfällen auf Kärntner NS-Boden.«

(Werner Krause Kleine Zeitung (Graz und Klagenfurt) )

»Der junge Schriftsteller, von dem ich zuletzt am meisten gelernt habe, ist Kevin Vennemann. Es gelingt ihm, jenseits jeder Erinnerungsrethorik über den Holocaust zu schreiben. Ich hätte nicht gedacht, dass jemand, der 1977 geboren ist, so darüber schreiben kann.« (Georg M. Oswald Süddeutsche Zeitung )

»Es ist ein höchst ungewöhnlicher Ton in der jungen Gegenwartsliteratur.«

(Helmut Böttiger www.dradio.de )

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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Carl-heinrich Bock HALL OF FAME REZENSENT TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Der Roman Mara Kogoj" befindet sich in äußerst ungewöhnlicher Gesellschaft, denn seit dem Geständnis von Günter Grass gibt es in dem letzten Halbjahr verschiedene Romane, die sich mit der SS Geschichte, mit Massakern und entsprechender Zeitgeschichte befassen. Es sind Autoren unterschiedlichsten Alters, die sich plötzlich solcher Themen annehmen. Der eine oder andere sicher ein "Trittbrettfahrer".

Das trifft jedoch in keiner Weise auf Kevin Vennemann zu. Sein Roman "Mara Kogoj" ist eines der wunderlichsten Bücher, die ich seit sehr langer Zeit gelesen habe. Zweifelsohne ist es ein politischer Roman. Ob es ein Roman ist, da habe ich so meine Zweifel. Literatur ist es auf jeden Fall. Ob es ein Singspiel ist, auch da wieder der eine oder andere Einwand. Es ist jenseits und oberhalb der Literatur angesiedelt, in einem Grenzbereich zwischen Musikalität und gesprochenem und geschriebenen Wort. Der Roman lebt aus dem, was der Dichter beschreibt, aus dem was ihm zu beschreiben am Herzen liegt.

Es geht um die jüngere Geschichte Kärntens, die man geschichtlich seit der Volksabstimmung 1920 zurückverfolgen kann. Damals gab es eine Volksabstimmung, ob die Kärntner bei Österreich bleiben sollten oder ob sie sich den Slowenen anschließen wollten. Diese Entscheidung ging gut aus für das Deutschtum in Kärnten, schlecht aus für das Slowenentum dort. Eine Generation später kamen die braunen Machthaber an die Macht, die Slowenen wurden vertrieben. Seit dieser Zeit ist in dieser Region kein gutes, angenehmes Leben miteinander mehr möglich.

Dann kam es am Ende des Zweiten Weltkriegs auf dem Perschmannhof zu einem spektakulären Mordfall. Dieser Hof war in Kärnten einer der wichtigsten Partisanenstandorte im Kampf gegen den Nationalsozialismus. Hier ereigneten in den letzten Kriegstagen, am 25. April 1945 eines der fruchtbarsten NS Verbrechen an der Kärntner Zivilbevölkerung. 11 Familienmitglieder wurden von dem SS Polizeiregiment getötet. Es waren keine Partisanen, sondern eine slowenische Bauernfamilie. Den Frauen und Kindern wurde unterstellt, dass sie Partisanen unterstützt hatten. Es waren also keine Partisanen, sondern nicht Uniformierte und die wurden eigentlich von der Wehrmacht und der SS nicht als Kombattanten eingestuft. Diese Tatsache macht die ganze Sache noch bestialischer. Die Häuser wurden in Brand gesetzt, 1946 kam es zu Verhandlungen am zuständigen Landesgericht, diese wurden jedoch 1949 eingestellt.Eine Wiederaufnahme in den 60 er Jahren verlief ebenso erfolglos. Dagegen kam immer wieder die Behauptung auf, die Partisanen selber hätten das Massaker begangen. Das hält sich im Volksmund bis heute. Später wurde der Hof wieder aufgebaut und ein kleines Museum eingerichtet, in dem die Entwicklung des antifaschistischen Widerstandes in Kärnten dokumentiert wird.

Das ist der eine Fall, der Ausgangspunkt des Romans. Der zweite Fall, die zweite Konstellation betrifft den Umstand, dass sich vierzig, fünfzig Jahre später zwei Slowenen daran machen die Geschichte, die Heimatgeschichte, aufzuarbeiten. Tone Lebonja und Mara Kogoj befragen Einwohner nach dem was passiert ist und protokollieren, was Klagenfurter über ihre Heimat und ihren Staat zu sagen haben. Eine der Personen oder Protagonisten, die sie danach fragen, ist ein gewisser Ludwig Pflügler. Er ist Redakteur, Herausgeber der Saat", einer Blut- und Boden Zeitschrift". Wegen pro nationalsozialistischer publizistischer Tätigkeiten ist er vorbestraft worden, weiß jedoch als einer der Zeitzeugen, was in diesem Land passiert ist. Er hat zu diesem mysteriösen Vorfall Ende des Zweiten Weltkriegs eine Meinung, da sein eigener Vater in diese Geschichte involviert war. Er taktiert zunächst, diffamiert die slowenische Minderheit und betrachtet sich als den allein Wissenden. Doch dann nimmt die genervte Mara Kogoj die Fäden in die Hand und beginnt aus ihrer Sicht zu berichten.

Es ist kurz gesagt, ein Buch was den Leser nicht ruhen lässt, teilweise, weil er auf einem allerhöchsten Niveau fürs Verständnis herausgefordert, teilweise weil es Passagen gibt die langweilen weil die Geschichte nicht voran geht.

Das Buch ist in einer Art parabolischen Form gestaltet. Mara Kogoj benutzt einen Bauernhof, sie setzt genau da an und kümmert sich um die Blicke zurück und versucht das "Phänomen" bis hinein in die Gegenwart nach zu zeichnen und zu belegen. Dabei sind die Eckpfeiler auf der einen Seite das Politische auf der anderen Seite das Musikalische. Was das Musikalische betrifft, muss man sagen, dass das Buch sehr schwer zu lesen ist, weil es ein ganz neuer Sprachduktus ist, eine ganz neue Form in der deutschen Literatur. Wenn man still vor sich hin liest, dann hat man Probleme, weil Satzenden und Satzschlüsse selten übereinstimmen. Darüber stolpert man auf den ersten Seiten, später gewöhnt man sich daran. Doch vielleicht wäre es eine gute Idee das hoffentlich demnächst erscheinende Hörbuch zu kaufen.

Auch wenn dieses Buch inhaltlich und stilistisch schwere Kost ist, ein so wunderschönes Buch ist seit Jahren nicht mehr auf dem Büchermarkt erschienen, daher empfehle ich es mit Nachdruck und Leidenschaft aus vielerlei Gründen.
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