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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Die Sehnsucht nach Liebe und die Flucht vor dem Leben.,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Mao II. (Gebundene Ausgabe)
Andy Warhol's Mao wird zum Sinnbild der Masse, in der das Individuum zu versinken droht. Bill, der erfolgreiche Schriftsteller, versucht in die Einsamkeit zu flüchten. Nur seinem treuesten Leser - Scott - gelingt es, den geheimen Aufenthaltsort seines Idols zu finden. Scott, Bill und Karen: der Leser, der Schriftsteller und die nach spiritueller Erleuchtung hungernde Frau bilden das im Zentrum des Geschehens stehende Dreigespann dieses Romans. Gefangen scheinen sie alle drei zu sein. Bill in seinem Wahn, vor dem Leben fliehen zu müssen. Scott, der sich selbst aufzulösen beginnt, um als "Bills-Worte-wiedergebende-Maschine" ins Leben zurückzukehren. Karen, die sich nach einer Erlösung sehnt.Liebe, Leben und Einsamkeit scheinen die drei Pole zu sein, zwischen denen Don Delillo sein Menschenbild zu skizzieren versucht. Nur daß die Liebe hier in erster Linie auf körperliche Liebe reduziert bleibt. Lustlos und nebensächlich wirkt die Sexualität der Romanfiguren Don Delillos. Ihre Einsamkeit macht sie stark und menschlich zugleich und über das Erleiden dieser Einsamkeit gelingt es dem Leser, jenen Zugang zu ihnen zu finden, der uns durch ihres Liebesverhalten zunächst versperrt zu sein scheint. Aber nicht nur ihr Liebesleben mag uns merkwürdig erscheinen, wie z.B. bei Scotts scheinbar phobisch-manisches Verhalten. Aber irgendwann scheint es uns verständlich, dass er alles um sich herum zu ordnen, katalogisieren und verwalten beginnt. Das scheinbar Absurde ist nichts Anderes als der zum Scheitern verurteilte Versuch, der existentiellen Lebensangst zu entfliehen. Eine Flucht, die Delillo und Bill nur schreibend, und dem Leser nur lesend gelingt, weshalb dieses Buch für alle F.Kafka und P.Auster Fans empfehlenswert ist. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Vermassung - Entmassung,
Von
Rezension bezieht sich auf: Mao II. (Taschenbuch)
Das Buch beginnt mit der fantastischen Schilderung einer Massenhochzeit der Moon-Sekte im Yankee Stadium in New York und endet in einem grotesken Bild, einem Blick vom Balkon auf eine Strasse im vom Bürgerkrieg zerfurchten Beirut des Jahres 1989, wo eine feiernde Hochzeitsgesellschaft, von einem Panzer eskortiert, durch die Trümmer taumelt.1989, das „kurze 20.Jahrhundert" (Hobsbawn) endet mit Getöse: in Peking auf dem Tienanmen wird der Studentenprotest nieder gewalzt, Ayatollah Khomeini stirbt. Die Fernsehbilder dieser Ereignisse flackern gewissermassen als Hintergrundbeleuchtung durch den Plot. Später wird dann -ausserhalb dieser Geschichte- die Berliner Mauer fallen. Am Ende ist auch der ebenso berühmte wie geheimnisumwölkte Autor, Bill Gray, dessen real existierendes Leben an einem unbekannten Ort, weit ab, von einem jungen Paar verwaltet wird. Er, Scott, ist ständig damit beschäftigt, Ordnung und Disziplin in sein eigenes und Bill's versifftes Leben zu bringen. Sie, Karen, ehemals Teilnehmerin an der Massenhochzeit, nun der Moon-Sekte entwunden, wurde von Scott aufgegriffen, in des Dichters Haus gebracht, wo sie nicht zuletzt ein wenig für dessen unterleibliches Wohl sorgt. Die schwedische Fotografin Brita, spezialisiert auf Schrifstellerporträts, dringt mit Hilfe Scotts in diese eigentümliche Idylle ein, tut ihren Job und scheint Bill aus dessen Lethargie zu wecken. Bill, ein von Pillen und anderen Lastern verseuchtes Wrack schreibt seit vielen Jahren an einem Buch, die Geburt will nicht gelingen, sein Verleger drängt, lockt ihn nach New York, später nach London, wo er kraft seines mythischen Ansehens in der Literatenszene an der Befreiung einer sich in Beirut in den Fängen einer maoistischen Gruppierung gehaltenen Geisel, einem jungen Westschweizer Poeten, mitwirken soll. Mao (Der Grosse Vorsitzende sagt: Die Massen sind der Gott), einst Gott der Rote Fibeln schwenkenden Massen, von Andy Warhol ironisierend in ein konsumierbares, weil vervielfältigbares Massenprodukt verwandelt, in dem er ihm verschieden eingefärbte aber identische Gesichter lieh, als ob hinter jedem Gesicht ein verstecktes Idividuum lauerte. Jedem sein Mao. Mao, genau wie heute Ché, sind zu verramschbaren Marken verkommen. Die Masse trägt Markenprodukte, „Nike" ist schon Programm genug. Ob der Busen durch Ché oder den Haken verziert ist hat keine Bedeutung. DeLillo betritt zuweilen die philosophische Metaebene, lässt eine Figur aus der Masse heraus treten (Karen aus der Moon Sekte) und Bill, der Zurückgezogene, wird, indem er sich fotografieren lässt, zum Massenprodukt, zum Mythos, wie einst der ebenfalls fotografierte Mao, im Yangtse schwimmend. Damit entlässt Bill sich selber aus dem Leben; sein Buch wird nicht mehr benötigt. Auch Scott braucht Bill nicht mehr, der Mythos hat den Dichter ersetzt. Brita liefert das bildnerische Rohmaterial für die Ikonisierung, Scott steuert Warhols Mao als Zeitgeist-Tableau zur Dekodierung der Welt bei und Khomeini mag noch immer nicht von den Mauern lächeln. Essayistische Intarsien über die Twin Towers oder Terrorismus lassen schemenhaft „11-09" als Chiffre der Zukunft am Horizont erscheinen. Lächelt Khomeini etwa doch ? DeLillos Buch ist schillernd und lässt viele Lesarten zu. Nach furiosem Beginn wird es etwas zähflüssig, die Dialoge sind etwas verquast, die Figuren zu flach, Spielmaterial, - naturgemäss bildet Bill die Ausnahme- doch im zweiten Teil nimmt die Geschichte Fahrt auf und lässt den Leser fast etwas atemlos zurück. In DeLillos semiotischem Dekor kann sich der Leser verlieren, oder eine neue Welt entdecken. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Vieles in kurzen Sätzen,
Von Klaus Grunenberg (97447 Gerolzhofen, Bayern) - Alle meine Rezensionen ansehen (VINE®-PRODUKTTESTER) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Mao II (Taschenbuch)
Es ist gute amerikanische Erzählweise und Schreibtradition, die uns Lesern zeigen und erklären will, wie Erzähltes oder gar Lyrik uns weiterhelfen kann im Leben.Das kommt auch alles daher wie gestochen und doch so natürlich entwickelt, das Gute nämlich und das Böse. Und es ist auch ein Krimi, der sich auftut und es ist eine Tragödie, die Komödienhaftes in sich birgt wie das Leben, es ist das Leben selbst. Es ist Langatmigkeit, also auch Langeweile und Eingehen auf Intimes, auf Geräusche und auf sich selbst. Es ist der Ausblick auf die Menschenmassen unserer Erde, auf China und auf Vergleiche mit anderen Völkern, Nationen. Dann wiederum ist es die spannende Geschichte einer Befreiung, einer Geiselbefreiung und es ist die Geschichte vom bösen Terrorismus, den Menschen entstehen lassen können, wenn sie wollen und der Ursachen hat. Es ist die Sache mit den Beziehungen unter den Menschen, also die wichtigeste Sache der Welt und somit gibt es neben der politischen Lage, die immer und überall eine Rolle spielt, wo Staatsgebilde entstanden sind (und entstehen), gibt es neben dieser auch Beziehungen unter Menschen, die glänzend sein können und von Liebe umkränzt wie ein Heiligenschein. Ja, so werden viele ihr Leben sehen und so werden manche es zu bestehen wissen, dieses buntgewürfelte Leben. Mao II von Don DeLillo ist offenbar eine Offenbarung für den Autor wie für die Leser. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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