Spätestens bei "Mansfield Park" trennt sich die Spreu vom Weizen. Die, die lockere, "romantische" Komödien wie "Stolz und Vorurteil" zu Jane Austen gebracht haben, können (wie man auch hier sieht) sehr enttäuscht werden. Auch die Verfilmungen führen auf eine falsche Fährte, hat sich doch keine der letzten Jahre zugetraut, diese Heldin so darzustellen, wie sie im Buch erscheint: Passiv, kränklich, verängstigt, teilweise sogar heuchlerisch. Eine, die keine frechen Sprüche auf den Lippen hat und den begehrtesten Mann der Gesellschaft mühelos umgarnt.
Genau diesen Unterschied schätze ich an diesem Buch. Hätte Jane Austen tatsächlich nur 6 mal das "Stolz und Vorurteil"-Thema variiert, wäre der Vorwurf der "leichten Frauenliteratur" nicht ganz von der Hand zu weisen.
"Mansfield Park" ist ein sehr reifes, ernstes Werk, mit dem sich die Autorin auf neues Terrain wagt.
Die Hauptfigur Fanny Price muss man nicht sympathisch finde, um das schätzen zu können - leider werden viele Leser von diesem mangelnden Identifikationspotential abgschreckt.
Es geht um so "dröge" Themen wie Ehre, Pflichtgefühl, Treue und Aufrichtigkeit und das Scheitern an den eigenen Ansprüchen. Das mag manchmal trocken erscheinen, wird aber u.a. aufgehellt durch eine der hinreißendsten Karikaturen Jane Austen's - Mrs Norris. Einer schillernden Anti-Heldin (Mary Crawford), die einem teilweise sympathischer ist als die Heldin selbst, und einer ernsthaften Alternative zum anfangs vermuteten (und letztendlich dann doch stattfindenden) "Happy End".
"Mansfield Park" hat sehr viele Schichten und Schattierungen, besonders deutlich wird das im letzten Drittel des Buches in dem sie sich aus der geruhsamen Welt des Landadels herausbewegt in das Marinemilieu von Portsmouth - diesbezüglich ist es vielleicht das reichste Werk Jane Austen's.