Ich habe hier das Bedürfnis diesen Film einmal zu verteidigen, weil ich merke, dass sich viele, die den Film bewerten, sich daran stören, dass er mit der Vorlage nicht mehr viel gemein hätte. Hierzu muss ich sagen: "Das stimmt. Macht aber auch nicht viel." Warum ich das sage? Nun, weil es wahrscheinlich einen langweiligen Film gegeben hätte, wenn sie Fanny Price so gezeigt hätten, wie im Buch beschrieben. Gut, zugegeben, ich mag auch gerne Frauen, die zurückhaltender in ihrem Wesen sind, aber es ist auch gut zu sehen, wenn sie aus ihrer Schüchternheit herauskommen und sich zu verteidigen versuchen. Und das macht Fanny hier in dieser Verfilmung. Sie hat hier ihre ruhigen Momente, aber dann traut sie sich auch in die Verteidigung zu gehen. Es hält sich hier alles schön die Waage und dieses Verhalten finde ich sehr zeitgemäß. Ich denke nicht, dass heute noch viele eine Frau sehen möchten, die alles herunterschluckt und immer alles so macht, wie man ihr sagt. Gerade das finde ich an Elizabeth Bennet so reizvoll, dass sie immer das sagt, was sie denkt. Und das auch schon zur damaligen Zeit von der Autorin so erdacht. Ich glaube, dass macht den Reiz des Romanes aus, dass sie eben nicht sittsam da sitzt und in ergebungsvoller Haltung auf ihren Mr. Darcy wartet. Ich denke, er hätte sich auch nie in sie verliebt, wenn sie sich schweigsam in ihr Schicksal gefügt hätte. Ich denke, so hat auch die Regisseurin von Mansfield Park gedacht. Deshalb hat sie eine Heldin erschaffen, die sich auch bei einer ihr günstigen Gelegenheit zur Wehr setzen kann. Nicht immer gelingt ihr das und sie schweigt lieber. Aber gerade das macht Fanny glaubhaft und vermittelt dem Zuschauer das Gefühl, dass sie zu einer selbstbewussten Frau heranreift. Ich finde es immer wieder herrlich, diese Verwandlung miterleben zu dürfen und ich bin froh, dass ich keine Fanny sehen muss, wie in der Verfilmung von 1983, in der sie einfach nur langweilig und farblos ist.
Ich muss gestehen, dass ich den Film erst lieb gewonnen hatte, als ich ihn ca. drei mal gesehen habe. Ich fand am Anfang die Ausstattung der Räume auch etwas karg, doch jetzt stört mich das nicht mehr, weil der Film durch seine Personen lebt und den Charme, den er versprüht. Frances O`Connor finde ich als Fanny eine sehr gute Besetzung, da die Schauspielerin nicht zu jung und auch nicht zu alt für die Rolle ist, um ihr so abnehmen zu können, dass sie für ihr Glück kämpfen kann und weiß, was richtig für sie ist. Aber auch alle anderen Schauspieler passen hervorragend zu ihren Rollen.
Ich finde, es ist ein richtiger Kunstfilm mit gehobenen Niveau. Gerade manche Augenblicke, wie die Zeitlupenszene mit Fanny auf dem Pferd reitend, finde ich genial umgesetzt. Auch die bissige Ironie, die einer Jane Austen würdig ist, findet man in dem Film zu genüge.
Nach meiner Meinung ist es nicht immer so schlimm, wenn der Film von der Vorlage abweicht. Entscheidend ist dann, was der Regisseur/Drehbuchautor daraus macht. Bei dieser Verfilmung wurde alles bestens gemacht und deswegen gebe ich dem Film ganze
fünf Sterne.