"Mannhardts rätselhafte Fälle" ist eine Sammlung kurzer Kriminalgeschichten, die einst in der Berliner Zeitung abgedruckt und nun in diesem Buch vereint wurden. Eigentlich sind es Rätselkrimis, bei denen der Leser zum Mitraten und Mitkombinieren aufgefordert wird, um aus den Tatverdächtigen den Täter zu ermitteln. Die Lösung gab es stets in einer anderen Zeitungsausgabe nachzulesen.
In dem Buch ist jedoch die jeweils komplette Geschichte hintereinanderweg abgedruckt, so daß das Mitraten leider etwas auf der Strecke bleibt. Es hätte mir besser gefallen, hier einen Absatz einzufügen, damit man an entsprechender Stelle selbst einmal das Gelesene auswertet und kombiniert, um hinterher seine Gedanken mit der Lösung des jeweiligen Falles zu vergleichen. Das hätte weitaus mehr Spaß gebracht.
Lesen lassen sich die 10 Fälle, die sich je zur Hälfte an Ostern und an Weihnachten abspielen, recht flott. Etwa 20 Seiten umfaßt jeder Fall, die den Leser quer durch ganz Berlin führen, denn gemordet wird in jedem Stadtteil der Hauptstadt. Knifflig sind die geschilderten Mordfälle allemal. Abwechslungsreich auch, denn es werden immer mehrere Tatverdächtige mit Motiven angeboten und die Tötungsarten variieren. Doch hintereinanderweglesen kann man das Buch nicht, man fühlt sich dann überfüttert und zu einseitig unterhalten, denn vom Aufbau her sind alle Kriminalgeschichten gleich. Ich habe das Buch daher Geschichte für Geschichte in der Badewanne oder in der Bahn gelesen und somit auf mehrere Tage verteilt.
Einen besonderen Reiz hatte das Buch natürlich für mich, weil sich alle Fälle in Berlin abspielen. Da ich hier wohne und die beschriebenen Schauplätze ausnahmslos kenne, hatte ich von Anfang an einen besonderen Bezug zum Buch, denn ich hatte direkt beim Lesen gewisse Straßen und Gebäude vor Augen und konnte mir dadurch die Situationen wirklich bildhaft vorstellen. Manchmal war es, als sähe ich zu.
Unterhaltsam ist das Buch auch, weil es ihm an Situationskomik nicht fehlt. Auch makabere Wortspiele und freche Sprüche gibt es zu Hauf. Das fand ich äußerst amüsant. Oft mußte ich deswegen beim Lesen lachen, obwohl ein Mord nun nicht gerade lustig ist.
Recht sympathisch ist einem auch das Ermittlerpaar dieses Buches, obwohl Kommissar Mannhardt (natürlich) ein Westberliner ist, wohingegen seine assistierende Kollegin (nur) aus Marzahn kommt. Gedanken dazu mag sich jeder selbst machen.
Insgesamt ist "Mannhardts rätselhafte Fälle" durchaus ein Buch, welches man lesen und somit empfehlen kann, mag man seichte Kriminalgeschichten schmökern. Ich allerdings brauch jetzt wieder mal etwas Tiefgründiges, Nervenaufreibendes und Spannendes zum Lesen. All dies konnte mir dieses Büchlein nämlich nicht bieten...