Achtjährig saß ich vor dem Fernseher, als diese Serie erstmals ausgestrahlt wurde. All die Jahre blieb sie frisch in meiner Erinnerung. Sie jetzt wieder zu sehen, bedeutet mir viel, denn in den 70er Jahren gelangen einige große Würfe dieser Art; ein weiterer war "Buddenbrooks" (ebenfalls auf DVD erhältlich). Damals war ein perfekt animierter Vorspann nicht nötig, da saß der Inhalt noch in der Handlung, in den Dialogen, die zur dichten Atmosphäre beitrugen. Fallada wäre glücklich mit der Fernsehfassung seines Romans "Ein Mann will nach oben". Warum können heutige Serien da nicht mithalten? Weil sie für meinen Geschmack zu aufwändig produziert werden. Weil zu schnell und zu viel produziert werden muss, um der großen Nachfrage gerecht zu werden. "Ein Mann will nach oben" kommt in einer hochqualitativen Box daher; Bild- und Tonqualität sind hervorragend; heute altbekannte Schauspieler standen damals am Karrierestart - ihren jugendlichen Gesichtern zu begegnen, ist interessant. Ursela Monn und Mathieu Carriere haben nie wieder in einer so meisterhaften Produktion mitgewirkt, während Rainer Hunold die ganz große Laufbahn noch bevorstand. Die Geschichte, die "Ein Mann will nach oben" erzählt, führt die Zuschauer ins Berlin vor hundert Jahren, Armut und Hunger bestimmen den Alltag der Menschen. Aber sie verstehen es, dem Leben trotzdem die sonnigen Seiten abzugewinnen. Brillanter Mathieu Carriere in der Titelrolle! Nur sein Auftritt in der Episode "Der Untergang des Hauses Usher" in dem französischen Vierteiler "Historie extraordinaire" ist mit dieser Glanzleistung vergleichbar. Wer "Ein Mann will nach oben" vor Jahren gesehen und gemocht hat, der kann bedenkenlos zugreifen. Allen anderen rate ich dringend, dieses Event aus den 70ern nicht länger unentdeckt zu lassen.