| |||||||||||||||
Produktinformation
|
Porträts aus Worten
as. Zum Maler liess John Berger sich ausbilden, als Kunstvermittler wurde er berühmt, als Schriftsteller lebt er nun seit Jahrzehnten in der Haute-Savoie; alle drei Vokationen führt er zusammen in einem schmalen Band mit literarischen Porträtstudien, die Individuelles und Existentielles zur Deckung zu bringen suchen. Ein gewagtes Mass an Verkürzung und Vertiefung, das verblüffende Einsichten gewähren, aber auch ins Klischee absacken kann: wenn das Persönliche zu unvermittelt sich ausspricht, wenn die Gestalt des Gegenübers nicht durch Reflexion ausgeleuchtet oder durch geglückte Metaphern, prägnante sprachliche Gesten gleichsam ins Bild gesetzt und damit in die nötige Entfernung gerückt wird. Zentral steht in dem Band ein Gespräch mit dem Photographen Cartier-Bresson, welches in Raum und Zeit die Koordinaten solcher Darstellungskunst zu fixieren sucht: eine «Geometrie» des richtigen Blickwinkels, der korrekten Distanz, des unwiederholbaren Zeitpunktes, die einsehbar, doch nie im voraus zu berechnen ist. Fein und messerscharf zieht sich die Hauptlinie dieses Konstrukts durch das ganze Buch: vorgezeichnet in den Worten Einsteins «Ich fühle mich auf eine Weise solidarisch mit allem Lebenden, dass es mir nicht wichtig scheint zu wissen, wo das Individuum endet oder beginnt» , durchbricht sie die Grenzen zwischen Leben und Tod, überspannt den Raum zwischen Cartier-Bressons Pariser Atelier und dem Speicher eines savoyardischen Bauern. Ihr Ziel findet sie in der letzten Erzählung, deren Motivkonstellation sich assoziativ über Hölderlin in den geistigen Raum der Antike zu verlängern scheint: zur Naturphilosophie des Empedokles, in der Werden und Vergehen aufgehoben sind im Kontinuum irdischen Da-Seins.
Grosse Österreicherinnen
haj. Drei Jahre nach dem Erscheinen ihres Buches «Heimat bist Du grosser Töchter» lässt die Wiener Kulturjournalistin Renate Wagner eine weitere Porträtgalerie von vierzig bedeutenden Österreicherinnen folgen. Wiederum ist der Bogen sowohl zeitlich als auch inhaltlich weit gespannt. Historisch führt die Galerie vom Mittelalter mit Gertrud von Habsburg, der Gemahlin Rudolfs von Habsburg, und der Klausnerin Wilbirg von St. Florian bis in unsere Zeit, die repräsentiert wird durch die Opernsängerin Maria Cebotari, die Schauspielerin Vilma Degischer, die Primaballerina Julia Drapal und die sehr verschiedenartigen Schriftstellerinnen Annemarie Selinko und Ingeborg Bachmann. Auch in diesem Band bildet das Fehlen jeglichen Systemzwangs einen besonderen Reiz, macht die bunte Mischung von Herrscherinnen, Künstlerinnen, Wissenschafterinnen, Schriftstellerinnen, hohen Damen der Gesellschaft oder einfach Gefährtinnen grosser Männer das Buch besonders attraktiv. Da finden sich nebeneinander (um nur sie zu nennen) Karoline Reichsgräfin von Fuchs-Mollarth (Maria Theresias geliebte Obersthofmeisterin), die durch ihren Salon berühmte Fanny von Arnstein, die Schauspielerin Therese Krones (die Idealbesetzung für Raimunds Jugend), die Fürstin Pauline Metternich, die Physikerin Lise Meitner, die Kinderpsychoanalytikerin Anna Freud, Tilly Wedekind und die Kaiserin Zita. Ihre solide recherchierten Porträts hat Renate Wagner mit feuilletonistischer Gewandtheit formuliert, was den reich illustrierten Band zur angenehmen Lektüre macht.
Realität und Realität
upj. Der Karlsruher Philosoph Hans Lenk gehört ohne Zweifel zu den Vielpublizierern in seinem Metier. Ihn deswegen der «Überfliegerei» verdächtigen zu wollen, wäre nicht nur vorschnell, sondern ganz einfach falsch. Die eben veröffentlichten «Vorlesungen über Realismus in der Philosophie» setzen einen Reflexionszyklus fort, den Lenk seit den späten 80er Jahren dem philosophischen «Erkennen» im weitesten Sinne widmet. Während sich ein erster, 1993 publizierter Band der Entwicklung konstruktionstheoretischer Interpretationsansätze widmete, geht es nun um das Oberthema «Interpretation und Realität». Ausgehend von der kognitionsempirischen Konstante, dass der Mensch «nicht nicht interpretieren kann», führt Lenk immer sachnah und in einer Form von Theorie, die das Attribut «spannend» über weite Strecken verdient in das Spielfeld einer differenzierten Realitäts-Typologie ein. Ein besonderes Augenmerk widmet Lenk ausgehend von den in der Quantenmechanik existenten Paradoxa der Frage nach der «Realität» in der Naturwissenschaft.
Juristen und Staatsdenker
zel. Nach dem Vorbild des Historiker- und des Theologenlexikons ist nun auch ein nicht minder nützliches «Juristenlexikon» entstanden. Es versorgt Hilfesuchende mit den Grunddaten aus Leben und Werk nicht nur europäischer Juristen, sondern auch aussereuropäischer wie bereits die Porträts auf dem Umschlag signalisieren. Natürlich lässt sich über die Auswahl der etwa 600 Namen streiten (wieso ist H. Sinzheimer, nicht aber O. Kirchheimer aufgenommen?). Doch schmälern derlei (ihrerseits idiosynkratische) Zweifel das Verdienst des Nachschlagwerks nicht. Wem die knappen Informationen nicht ausreichen und wer gleichwohl noch nicht auf eigene Faust Nachforschungen anstellen will, der kann zu einem anderen, bereits eingeführten Standardwerk greifen, welches ebenfalls der renommierte Rechtshistoriker (und Öffentlich-Rechtler) Michael Stolleis herausgegeben hat. Vorausgesetzt freilich, es handelt sich um einen der 15 frühneuzeitlichen, europäischen «Staatsdenker» von Althusius bis Kant, deren Würdigungen in dem in dritter Auflage (erstmals bei Beck) erschienenen Sammelband Aufnahme gefunden haben.
Kunst und Kontokorrent
lx. Ein unbequemer Soziologe und ein streitbarer Künstler treffen sich zu kulturpolitischen Wechselreden «mit geöffnetem Visier»; zerpflückt wird das Dickicht von postmodernem Nihilismus, staatlicher Patronage und geistiger Anpassung an die Betriebsordnung der Kulturmärkte. Konkret: Pierre Bourdieu und Hans Haacke führten in den 80er Jahren etliche Gespräche zum damals allerdings noch jungfräulicheren Generalthema der kulturellen «Instrumentalisierung». Gewiss hat die Kritik am Kontokorrent-Kunstverständnis, das die hinter der Kunst- und Kulturszene agierenden Geldverteiler in neun von zehn Fällen auszeichnet, nichts von ihrer Berechtigung verloren, auch wenn die Gespräche mit etlicher Verspätung publiziert werden. Mit dem «Gondola! Gondola!» überschriebenen literarischen Impromptu über die Biennale von Venedig hat Hans Haacke dem Band überdies einen Schlussakkord vermittelt, in dem die Bösartigkeit der Kritik zur fröhlichen Kunstform findet. (Doch was tun? Auch der sich verweigernde Künstler wird wenig am Stupor jenes Werbetexters ändern, dessen kunstvolles Bemühen im Satz kulminiert: «Art, for the sake of business.» )
Europäische Musikfestspiele
ab. Die Vereinigung europäischer Musikfestspiele in Lausanne (European Festivals Association) hat eine Broschüre herausgegeben, die in Wort und Bild die Geschichte der angeschlossenen Festspiele und der Vereinigung beschreibt. Im Jahre 1952 wurde sie gegründet, bis 1991 war sie unter dem Namen European Association of Music Festivals bekannt. Denis de Rougement und Igor Markevitch waren die Hauptinitianten. Als 1966 das Israel Festival beizutreten wünschte, erweiterte man den Kreis über Europa hinaus und zog bereits auch die Mitgliedschaft von Osaka in Erwägung. Weder die Festivals noch deren Dachorganisation blieben von den politischen Entwicklungen vor allem der sechziger und siebziger Jahre unberührt; die Veröffentlichung kann auch als ein Beitrag zur neueren Rezeptionsgeschichte der Musik (allerdings kaum zur neueren Musik) gelesen werden. Die Veröffentlichung wird mit einem «Preface» von Sir George Christie, dem Leiter des Glyndebourne Festival, und einem (ebenfalls englischen) Vorwort des Autors eingeleitet. Eine Schlusszusammenfassung rundet die Schrift in französischer, deutscher, italienischer und spanischer Sprache ab.
Adieu Rabelais . . .
rox. Stephen Greenblatt, Professor für Literaturgeschichte im kalifornischen Berkeley, hatte sich schon mit seiner Reiseliteratur-Studie («Marvellous Possessions», 1991) vom historisierenden grand récit verabschiedet und seine kulturpoetischen Studien um petites histoires herum gedeihen lassen. Auch in den «Schmutzigen Riten», der Studie, die die Methodik des New Historicism vielleicht am exemplarischsten aufzeigt, nutzt Greenblatt ebenfalls literarisches Material als Sprungbrett für seine Betrachtungen etwa über den kulturellen Stellenwert, der den im «zivilisierten» Westeuropa als unanständig geltenden intestinalen Körpergeräuschen zukommt. Wo Rabelais noch den Unterleib feiern konnte, wo Luther sich nicht scheute, den Christenmenschen mit einem gerüttelt Mass seiner Fäkalrhetorik bekanntzumachen, gestattet sich die Moderne kaum noch eine verschämte nostalgie de merde.
Besinnung
rfm. Christoph Hürlimann ist Leiter des «Hauses der Stille und Besinnung» in Kappel a. A. Sein Buch regt dazu an, sich im häufig zerfahrenen und ruhelosen, hektischen Leben auf den eigenen, ganz persönlichen Rhythmus zu besinnen. Er zieht dazu Texte und Bilder von Silja Walter heran. Für sie ist das Sichaufmachen und Heimkehren der Weg ins Kloster, wie sie ihn am Beispiel von Gomer, Hoseas Frau, in Gedichte gefasst hat. Ihre Erfahrung lässt sich auch für den «Takt» des eigenen Lebens fruchtbar machen: Wenn ich mir die Zeit nehme, jeden Tag ein Kapitel wie eine Station auf dem Weg in mir wirken zu lassen, kann ein solcher äusserer Rhythmus helfen, zum innern zu finden. Das Bild der tragenden Strohmatte mit verschiedenfarbigen Streifen (einige Beispiele aus der Hand Silja Walters sind abgedruckt) führt zu einem Tagesrhythmus mit den Elementen Beten, Arbeiten und Hören («Lesung»). So verbindet der reformierte Theologe und Bibelausleger traditionelle Elemente und seelsorgerlich-psychologische Einsichten zu einer Hilfe für den eigenen Weg: Was sind meine Streifen auf der Matte? Wie kann ich Gottes Ruf zur Heimkehr vernehmen und mich auf einen Weg machen, der auch ein Weg durch «Wüste» und Einsamkeit ist? «Innerlichkeit» droht zu einer Modeerscheinung zu verkommen, die mit wohlklingenden Worten an der Oberfläche bleibt. Dieses Buch ist ein ermutigender, hilfreicher Begleiter auf einem inneren Weg, der seinen Namen verdient und den zu suchen sich lohnt. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
Vorgeschlagene Tags zu ähnlichen Produkten(Was ist das?)Setzen Sie den ersten relevanten Tag hinzu (ein Schlüsselwort, das mit diesem Produkt in engem Zusammenhang steht).
|
|
Das Forum zu diesem Produkt
Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
|
Ähnliche Foren
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||
|