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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
95 von 105 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Was für ein hammerhartes Buch!,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der Mann schläft: Roman (Gebundene Ausgabe)
Schonungsloser ist die Absurdität des Daseins und die Erbärmlichkeit der Menschen selten erzählt worden. Da gibt es Sätze, die führen direkt in den Suizid. "Der Mann schläft" ist konsequenteste Misanthropie in perfekter, knapper, klarer Sprache und eindrücklichen, einfachen und brutal demaskierenden Metaphern, Geschichten und Begegnungen.Und doch: Bei aller Verachtung für uns Menschen, für unsere jämmerlichen Leben, Begierden und Illusionen und für die Katastrophe, die wir uns gegenseitig und auf Erden anrichten, es bleibt,' wie in allen Berg-Romanen,' eine unterschwellige Hoffnung auf Rettung. Rettung ausgerechnet in der Einfachheit einer anspruchslosen und respektvollen, kleinen Liebe, die nichts will als sich selbst. Ich würde zwar diese romantische Hoffnung lieber ebenfalls konsequent gestrichen haben. Aber die Klasse von Sibylle Berg erweist sich gerade auch in der Offenheit des Endes von "Der Mann schläft", der sogar Raum für Happy-End-Süchtige lässt, weil alles andere unerträglich wäre. Was hat man davon, wenn man so einen finsteren Roman liest? Sibylle Bergs "Der Mann schläft" ist im Grunde nicht neu: Heideggersche Geworfenheit, Sartrescher Lebensüberdruss, Kafkaeske Absurdität, Vanitas in Reinform, das kennt man ja reichlich. Auch noch so gekonnt eingewobene Menschen-, Gesellschafts- und Kapitalismuskritik reißt niemanden mehr aus den Socken. Doch Sibylle Berg schafft das: Die Montage des Plots, die Prägnanz der Sprache, die Eindrücklichkeit der Bilder und eingebauten Geschichten sind einsame Klasse. Sibylle Berg gehört für mich zu den ganz großen AutorInnen der Gegenwart. Da können ihr selbst die hochgejubelten Bestsellerschreiberlinge kaum das Wasser reichen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
36 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine gewisse Niedlichkeit,
Von Heike Geilen (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen (HALL OF FAME REZENSENT) (TOP 100 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Der Mann schläft: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Es stört mich nicht, so weit weg von zu Hause zu sein. Es gibt kein Zuhause mehr. Jeder Ort, an dem ich mich aufhalte, ist gleich. Jeder Ort, an dem der Mann nicht ist." Diese Worte der 40-jährigen Ich-Erzählerin in Sibylle Bergs jüngstem - für den Deutschen Buchpreis 2009 nominierten - Roman, zeugen von einem großen Verlust, der ihr widerfahren ist, dem Verlust eines geliebten Menschen."Es kann alles vorbei sein in der nächsten Sekunde, oder noch schlimmer: Es kann alles genauso weitergehen." Berg schildert in "Der Mann schläft" eine Liebe, die "ruhig und still verlief, die freundschaftlich war und eine gewisse Niedlichkeit ausstrahlte". Der Duktus der 1962 in Weimar geborenen und heute in Zürich lebenden "Hasspredigerin der Single-Generation" der vergangenen Jahre ist ruhiger und milder geworden. Aber auch wenn das Buch einen melancholischen Grundtenor aufweist, webt die Autorin viele bitterböse Bilder und Bonmots, gewürzt mit sarkastischen Seitenhieben auf die Sinnlosigkeit des Daseins und gezielten Schlägen gegen die Gesellschaft in ihren literarischen Teppich ein. Nach zu vielen befremdlichen, kurzen Liebesgeschichten, lernt sie - das schwache "Zitat früherer Attraktivität" - eines Tages "den Mann" kennen. Er vermittelt ihr endlich das Gefühl angekommen und aufgehoben zu sein, "zwei mit der gleichen Müdigkeit und dem Wunsch, nicht allein zu sterben". Derweil ist er nicht einmal attraktiv mit seinem 110 Kilo massigen und trägen Körper, den roten Haaren. Er entspricht kaum dem, "was man gemeinhin als Kleinod bezeichnete". Aber vielleicht waren es gerade seine fehlenden Eigenschaften - sich nicht in Stereotypen auszudrücken oder in irgendeinem Bereich als besonders befähigt herauszustellen - die sie "beeindrucken". Ein Gefühl der stillen Perfektion macht sich die nächsten Jahre breit. "Ich war satt." Doch bei einem Urlaub auf einer südchinesischen Insel vor Hongkong kehrt der Mann nach einem Einkauf nicht mehr zurück und bleibt auch im weiteren Handlungsverlauf verschwunden. Die Protagonistin, die ihn überall verzweifelt sucht, verliert sich zunehmend in einer schweren Depression. Doch die Insel mag sie nicht verlassen. Tag für Tag läuft sie die gleichen Wege, starrt auf das graue Meer und verliert sich in Erinnerungen an die gemeinsame Zeit mit dem Mann. Sibylle Berg hat einen sehr erstaunlichen, elegisch-schwungvollen Roman geschrieben. Lebensklug und resigniert, liebevoll und böse zugleich, durchzogen mit einem feinen Humor changieren gleich mehrere Stimmungen im Buch. Manchmal meint man nahezu in einer Lücke zwischen zwei Gedanken hängenzubleiben. Nicht detailliert und wortreich, sondern still und entrückt, aber trotzdem mit unglaublichem Tiefgang sinniert die Autorin über das Leben in all seinen Vielfältigkeit. Dabei wechselt sie zwischen den Zeitebenen, berichtet in kurzen Sequenzen vom Alltag der Frau, unterbrochen durch Erinnerungen an das Leben davor. Sie lässt in ihrem raffiniert komponierten Roman zwei Zeitebenen aufeinander zulaufen, bis die erinnerte Vergangenheit mit dem letzten Kapitel die erzählerische Gegenwart erreicht. Das Lesen verlangt eine erhöhte Konzentration, die jedoch allemal lohnenswert ist, um die vielen kleinen Finessen zwischen den Zeilen zu entdecken. Fazit: "Der Mann schläft", Sibylle Bergs wundervolle Liebesgeschichte, durchsetzt mit gewohnt bissigen, lakonischen und zynischen Lebensbetrachtungen voller Weisheit, ist ein starkes und pointiert geschriebenes großes Stück existenzieller Literatur. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Die übliche Berg-Predigt,
Von The Rat (Zürich) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Der Mann schläft: Roman (Gebundene Ausgabe)
Leider breitet Sibylle Berg auch in diesem Buch ihre durchaus nachvollziehbare zynische Haltung gegenüber dem Leben aus. Berg wie gehabt. So kann sie sich auch hier wieder seitenweise über die Sinnlosigkeit täglicher Verrichtungen ausbreiten. Wer noch nie ein Buch von Frau Berg gelesen hat: why not. Ich gehöre zu den bergerfahrenen Lesern und habe das Buch nach 65 Seiten definitiv zur Seite gelegt.Frau Berg, ich finde Sie hochgradig sympathisch und Ihre Vita eindrücklich. Sie laufen aber Gefahr, sich schriftstellerisch in eine Sackgasse zu begeben. Haben Sie doch Mut zu einer anderen Sicht und Ausdrucksweise. Schreiben können Sie ja. Bin gespannt, was da noch kommt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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