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14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Maigret bleibt außen vor...., 20. August 2001
Von Ein Kunde
Dieses Buch war der erste Nicht-Maigret, den ich von Simenon gelesen habe. Von den Maigret Romanen des Autors begeistert war ich anfangs skeptisch, ob auch die "normalen" oder "ernsten" Romane diese mitreißende Wirkung hervorrufen können. Um es kurz zu machen: Sie können. Die Geschichte des Herrn Popinga, dessen Entsozialisation aus der gemütlichen und geregelten Behäbigkeit des niederländischen Bürgers zum jegliche Selbstkontrolle verlierenden, paranoiden Verbrecher im Pariser Großstadt-Dschungel hier plastisch und eindringlich geschildert wird, ist mitreißend bis zum - nüchternen und letzlich offen bleibenden - Schluß. Besonders apart: Die Ermittlungsarbeit der Pariser Kriminalpolizei, also Maigrets Arbeitsplatz, wird hier aus der anderen Perspektive beschrieben, ja man fragt sich, ob nicht Maigret und seine Inspekoren hier ermitteln. Eine Lektüre, die man verschlingen wird.
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22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Identitätssuche, 29. August 2004
In Groningen wohnen nur anständige Leute. Sie haben einen Beruf, eine nette Familie und auf der Straße wird dort niemand von schamlosen Frauen angesprochen wie in Amsterdam. Ein schwarzes Schaf gibt es trotzdem in der Verwandtschaft Kees Popingas. Sein Schwager hatte einmal gut Geld verdient, hatte acht Kinder. Er verlor seinen Job, nun bettelt er. In Kees Popinga scheint sich ein ähnliches Schicksal zu wiederholen. Er ist Prokurist einer Reederei. Die Firma ist in betrügerische Machenschaften verstrickt und macht Pleite. Den Jobverlust und die hohe Hypothekschuld seiner Villa vor Augen, entschließt sich Popinga, aus der Stadt zu verschwinden und ein ganz neues Leben zu beginnen. Wenn er den Zügen nachsah, spürte er immer eine "merkwürdige Beklemmung, die vielleicht eine unbestimmte Sehnsucht verriet." Und jetzt macht er sich auf zum Bahnhof und will ein freies Leben beginnen.Es dauert nicht lange und er wird von der Polizei gesucht, weil er eine Protituierte umgebracht haben soll. In Paris ist Kommissar Lucas hinter ihm her. Kees Popinga fühlt sich völlig missverstanden, wenn er in Zeitungen als "Lustmörder" verschrieen wird, hat er die Frau doch nur versehentlich getötet. Er schreibt sogar an die Zeitungen um sich zu rechtfertigen. "Stellen Sie sich einmal vor, in allen Zeitungen schreiben wildfremde Leute, daß Sie so und so einer seien, obwohl dies gar nicht stimmt..." Georges Simenons Roman handelt von der Suche eines Mannes nach seiner wahren Identität. In Groningen, im Kreis seiner Familie, musste er der brave Ehemann und Familienvater sein. In der Freiheit, in Paris, fühlt er sich durch die Berichterstattung der Presse verleumdet. Dem Kommissar fühlt er sich n o c h überlegen. Ein tiefgründiger und spannender Roman bis zur letzten Seite.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Spannendes und faszinierendes Psychogramm eines Ausbrechers, 12. Januar 2005
Georges Simenon habe ich immer ausschließlich mit den Kriminalromanen rund um Kommissar Maigret in Verbindung gebracht. Welch ein Fehler. Glücklicherweise hat die SZ-Bibliothek mir ein Werk außerhalb dieser Mammutreihe quasi auf dem Präsentierteller gereicht.„Der Mann, der den Zügen nachsah" ist eine fesselnde psychologische Beschreibung eines holländischen Prokuristen, der durch die illegalen Machenschaften seines Chefs zuerst in die Arbeitslosigkeit und dann indirekt auch zu Verbrechen getrieben wird. In den Jahren der Zurückhaltung, in einer allzu gezwungenen Welt, mit einer Ehefrau, die ihn und die er siezt, hat sich in Kees Popinga ein Überdruck aufgebaut, der schlagartig entweicht, als er durch exogene Faktoren frei wird. Zuerst entlädt sich dieser Druck im Mord an einer Prostituierten, die ihn abweist, dann in einer ruhelosen Flucht, einem genial geschilderten Versteckspiel vor der Pariser Polizei, unterbrochen durch wenige zwischenmenschliche Kontakte, insbesondere zu Pariser Prostituierten. Bereits in den dreißiger Jahren entstanden, ist dieser Roman als Abbildung einer Gesellschaft, die jedem einzelnen viele Zwänge auferlegt, so gültig wie damals. Zuviel Beherrschung, die Unterdrückung der eigenen Bedürfnisse, die Zwangsjacke der beruflichen und privaten Existenz, verursachen auch heute noch Ausbruchversuche auf er einen, es muss ja nicht immer gleich Mord sein, oder zerbrochene Existenzen auf der anderen Seite. „Der Mann, der den Zügen nachsah" gehört für mich neben von Keyserlings „Wellen" zu den überraschend positiven Werken der SZ-Bibliothek. (Und nicht immer sind sich die Rezensenten so einig wie in diesem Fall.) Unbedingt empfehlenswert.
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