„Der Mann in Papis Bett!" - ein Liebesroman über zwei Männer und ihre Rolle als Väter.
Mutter, Vater, Kind ist als alleiniges Familienmodell längst überholt, auch wenn konservative Zungen anders tönen. Wie lange das Thema schon schwelt, zeigt die Neuauflage des Liebesromans „Der Mann in Papis Bett", den der heute 62-jährige kanadische Schriftsteller Michel Tremblay schon vor fast 20 Jahren schrieb. Aus heutiger Sicht immer noch erstaunlich modern.
Politisch ambitioniert? Keine Spur. Darum ging es Tremblay nicht. Was zählte, war die persönliche Akzeptanz, das Sichtbarmachen. Als er die Liebesgeschichte über zwei Männer und ihre Rolle als Väter veröffentlichte, war das Thema noch skandalös genug. Der Autor verstand es sehr anschaulich, die schwule Lebenswelt im Detail zu charakterisieren. Jenseits aller Klischees bediente er virtuos ein Repertoire an „Problemfaktoren", die für sich genommen bereits Sujet genug wären: Da ist der 39-jährige Jean-Marc, der sich nach etlichen gescheiterten Beziehungen vom 15Jahre jüngeren Mathieu aus seiner sicheren Singlewelt herausgerissen sieht -und prompt rebelliert. Als dann noch der 4-jährige Sohn setner neuen Liebe mit in die Beziehung stolpert, öffnen sich Jean-Marc ungeahnte Horizonte.
Einfühlsam und verstörend vertraut beschreibt der Autor die emotionalen Achterbahnfahrten der Protagonisten zwischen Zweifel und Anfeindung, Liebe und Zuversicht. Ein Roman, der auch heute noch mitreißt und unter die Haut geht.