Wer historische Romane oder Biografien der Manns liest, bekommt nicht nur ein Buch über eine Persönlichkeit oder geschichtliche Begebenheit / Epoche, nein, wie auch bei Stefan Zweig z.B. kann das Buch darüber hinaus einfach als literarisches Schaffen des Autors selbst gelesen werden. Jeder gute Schriftsteller hat einen individuellen Stil, der seine Liebhaber findet, die allein schon wegen dieses Stils die Bücher genießen. Besonders ausgeprägt findet man dies bei den Manns, speziell bei Heinrich oder Golo Mann. Es bleibe jedem Leser selbst überlassen, ob er an der blumigen, oft als umständlich beschriebenen Art des Schreibens und Erzählens Gefallen findet oder eben nicht, doch erklärt sich darin die sehr unterschiedliche Bewertung auch der zwei Bände „Die Jugend des Königs Henri Quatre“ und „Die Vollendung des Königs Henri Quatre“, die eben deswegen alle Bestand haben können. Heinrich Mann widmet sich seinem Lieblingsthema sehr poetisch und lyrisch, ist wortgewaltig und bedient sich einer blumigen Sprache, die mit flehentlichen oder ekstatischen Ausrufen untermalt / angereichert ist. H. Mann unterteilt seine Bände nicht nur in Kapitel, sondern diese sind noch mal Oberkapiteln zugeteilt, die jeweils mit einem Abschnitt namens „Moralité“ enden. Ich erwähne das deshalb, weil dieser Abschnitt in französischer Sprache geschrieben ist, aber das braucht niemanden abschrecken, denn es gibt einen Anhang, in dem sich die Übersetzung aller „Moralités“ befindet! Trotzdem würde ich persönlich sagen, dass Französischkenntnisse hilfreich sind, einfach wegen des Leseflusses und der Originalität des Werkes, die sonst doch ein wenig beeinträchtigt wird. Man kann prinzipiell nur eins der zwei Bände für sich lesen, doch ich empfehle wärmstens, beide Bücher hintereinander durchzulesen.