Es sind nur knapp 40 Seiten, auf denen der französische Schriftsteller Jean Giono (gest. 1970) die Geschichte des provencialischen Bauern Elzéard Bouffier entwickelt. 11 dieser Seiten füllen die ebenso zurückhaltenden wie eindrücklichen Farbillustrationen von Quint Buchholz aus. Offensichtlich autobiographische Züge trägt dieser Text, der eine gelebte Erfahrung, nämlich die Begegnung des Schriftstellers mit einem ganz besonderen Menschen dokumentiert, und den kontinuierlichen Austausch mit diesem über einen Zeitraum von gut 30 Jahren, bis zum Jahre 1945. Schauplatz ist eine verödete Berglandschaft im Norden der Provence, in die sich der einsam lebende Schäfer und spätere Imker Bouffier zurückgezogen hat, nachdem sein einziger Sohn und dann seine Frau gestorben waren. Über Jahrzehnte widmet er sich dort dem Pflanzen von Bäumen: Eichen vor allem, aber auch Buchen, Birken, Ahorne und andere Arten. Unermüdlich und durch Rückschläge nicht zu bremsen, setzt er bei seinen Streifzügen durch die Landschaft Samen dieser Bäume in die Erde, gibt dem toten Land Schritt für Schritt sein Leben zurück. Einfühlsam, still und ohne jegliches Wissen seiner wenigen Mitmenschen, die das stetig sich erweiternde Grün und das Wachsen zehntausender Bäume gleichwohl verblüfft und ahnungslos registrieren. So vergehen zwei Weltkriege, während derer Bouffier weiter seiner Passion nachgeht, und während derer die Bäume sich zu Wäldern verdichten, ausgetrocknete Flussbette sich nach langer Zeit wieder mit Wasser füllen und zahllose Bergbewohner aus ihrem durch die Ödnis der Landschaft begünstigten Stumpfsinn heraus und wieder Mut zum Leben finden. In ganz einfachen Sätzen schafft es Giono, das Schaffensbild eines unverbildeten Bergbauern zu zeichnen, der durch Ausdauer und Selbstlosigkeit Großes bewirkt, „der ein Werk geschaffen hat, das Gottes würdig ist" (Original-Zitat). Ein lesenswerter Text, nicht nur für Menschen, die sich der Kritik der Massengesellschaft verschrieben haben.