Sie lieben den (Prog-)Rock der 1970er mit seinen verschachtelten, langen Kompositionen, Pink Floyd und das Gitarrenhandwerk von David Gilmour oder Roger Waters Hang zu großangelegten, themenschweren Konzeptalben? Oder eher donnernde, treibende Drums, knackige Songs und schwere Gitarren? Kein Problem, denn jetzt gibt es ja (Mankind) The crafty ape von Crippled Black Phoenix.
Ganz ernsthaft - was uns die Mannen um Justin Greaves auf ihrem 2012er Album 86 Minuten lang um die Ohren hauen ist eine auf Anhieb kaum zu verdauende Fülle erstklassiger Songs, Sounds, Intermezzi und Variationen einer Musik, die zwar teils an die 1970er erinnert, die es aber tatsächlich so nie gab.
Nein - von altmodisch kann keine Rede sein. (Mankind) The crafty ape vereint fantastische Gitarrenarbeit und Gitarrensoli verschiedenster Couleur mit herausragend guten Songs, die einerseits vor Komplexität strotzen und sich andererseits auch kurz halten können und dabei, wie der spannungsvolle und donnernde Uptempotrack Laying Traps, kraftvoll und griffig sind.
Das Entscheidende an (Mankind) The crafty ape sind nicht nur die Songs an sich, sondern die schiere Menge atmosphärischer Abschnitte während, vor und nach den eigentlichen Songs. Crippled Black Phoenix haben mit diesem Album eine steile Lernkurve hingelegt und vollbringen das Wunder, einen Spannungsbogen aufzubauen, über die gesamte Laufzeit zu halten und in dem fast 15 minütigen, furiosen Finale mit dem genial-sperrigen Titel Faced With Complete Failure, Utter Defiance Is The Only Response enden zu lassen.
Die Vocals auf (Mankind) The crafty ape markieren ebenso wie die Musik eine neue Bestmarke für CBP. Zwei Sängerinnen und ein Sänger, die mal über, mal inmitten der Musik stehen und wie im fantastisch instrumentierten und von Belinda Kordic und Joe Volk gesungenen Operation Mincemeat zur Höchstform auflaufen.
Bis hin zum atmosphärischen Kurztrack Dig, Bury, Deny mit seiner genialen Dobro, wäre ausnahmslos jeder Song von (Mankind) The crafty ape erwähnenswert, aber das würde den Rahmen einer Rezension sprengen. Den vielleicht schönsten Song ihrer bisherigen Laufbahn haben Crippled Black Phoenix mit dem 10 minütigen Heart Of Every Country geschaffen. Natürlich ist das Geschmackssache, aber was dieser Track an Atmosphäre, Eingängigkeit und Melodie, Gitarrenhandwerk und Vielschichtigkeit zu bieten hat - solche Songs erscheinen nicht jedes Jahr.
Neue Türen stößt auch das nachfolgende Get Down And Live With It auf - ein schwerer, behäbiger Track, der auf wundersame Weise doch ins Ohr geht und obendrein auf klasse Vocals von Daisy Chapman und Joe Volk setzt.
Punkt. Aus. Ende. Crippled Black Phoenix haben mit (Mankind) The crafty ape einen neuen Zenit erreicht. Das Album zeigt eine unglaubliche Bandbreite und neue Horizonte der Band auf und lässt vermuten, dass dieser Phoenix noch immer nicht seine Reiseflughöhe erreicht hat. Fantastische Band, fantastisches Album.