Es dauert ein wenig, sich in den Psychothriller "Manisch" von Ruth Newman reinzufinden. Es hängt nicht an der Story, die wahrlich fesselnd ist, sondern vielmehr an dem gewöhnungsbedürftigen Schreibstil der Autorin. Denn im Verlaufe des Romans springt sie häufig zwischen Gegenwart und Vergangenheit, was an sich nicht so dramatisch wäre, würden diese Zeitsprünge nicht so unübersichtlich stattfinden. Oft ist es mitten in einem Kapitel von einem Absatz zum nächsten, dass Newman Ort und Zeit verändert und genau das macht es beim Lesen anfangs etwas anstrengend und holprig. Allerdings gewöhnt man sich mit der Zeit dran und irgendwann so ab der Hälfte des Romans zeigt sich, dass genau dieses Stilmittel einen besonderen Anteil an der Grundspannung von "Manisch" hat.
Worum geht es in dem Psychothriller?
An einem College in britischen Cambridge treibt ein Serienkiller sein Unwesen. Zwei Studentinnen sind bereits brutal ermordet worden, bei einer fehlte der Kopf. Als ein dritter Mord geschieht, findet der mit den Morden beauftragte Detective Chief Inspector Stephan Weathers neben der weiblichen Leiche die vollkommen weggetretene Olivia und ihren Freund Nick - beide blutbesudelt. Offensichtlich hat Olivia den Mord miterleben müssen, wenn sie nicht sogar die Täterin war. Weathers zieht seinen alten Freund, den Psychologen Matthew Denison hinzu, der bereits im Rahmen der ersten beiden Morde bei der Tätersuche unterstützend dabei war. Denison soll versuchen, Olivia aus ihrer Apathie zu befreien und ans Licht zu holen, was die Studentin offensichtlich mit aller Macht verdrängt. Doch je mehr er von Olivia erfährt, umso verworrener und erschütternder stellen sich die Mordserie und die dahinter verborgenen Motive dar. Denison muss versuchen, Wahrheit von Schein zu trennen und gerät dabei bis an die eigenen Grenzen...und darüber hinaus. Denn nichts ist so wie es erscheint und selbst als alle Rätsel gelöst, alle Motive herausgefunden und der Mörder überführt scheint, ist der Fall noch lange nicht abgeschlossen.
Ruth Newman hat in der Tat einen verstörenden Psychothriller geschrieben, der viele Einblicke in Psyche der Menschen bietet und aufzeigt, wie das Gehirn eines Menschen extremste Belastungssituationen zu bewältigen versteht. Und dies schafft sie auf eine Art und Weise, die sehr informativ ist - und zwar ohne zu Lasten der Spannung und des Handlungsverlaufes zu gehen. Bis zum Schluß habe ich mich immer wieder von ihr auf falsche Pfade führen und von den unerwarteten Wendungen überraschen lassen. Das Ende des Thriller ist konsequenterweise auch nicht das sonst in solchen Romanen erwartete und - ohne etwas davon vorwegzunehmen - genau das passt zum gesamten Thriller.
Schade wirklich nur, dass durch diese sehr ungewöhnlichen und übersichtlichen Zeitwechsel vor allem in der ersten Hälfte zu oft der Lesefluss unterbrochen wird. So gebe ich "nur" 4 Sterne und verspreche wirklich erstklassiges, nur leicht getrübtes, Lesevergnügen.