Alex Garlands zweiter Roman ist ungleich facettenreicher als es der etwas einfallslose und simple Titel vermuten lässt. Aber ich muss zugeben: Was ein Tesserakt ist, so der Originaltitel, habe ich auch erst jetzt gelernt. Das Buch beginnt fulminant und wieder ist es ein Hotel (wie auch schon in The Beach) wo alles seinen Anfang nimmt. Der Engländer Sean bereitet sich dort auf ein Treffen mit dem Gangsterboss Don Pepe vor. Die atemlose Spannung die ihn ergriffen hat überträgt sich fast mühelos auf den Leser. Warnung: Wer diese ersten Seiten kurz vor dem Schlafen gehen beginnt, wird garantiert so schnell nicht wieder aufhören können. In cleveren Rückblenden breitet sich dann die Handlung wie ein Teppich über die Philippinen aus und der Leser erfährt mehr über die Protagonisten des scheinbar so unheilvollen Treffens. In diesen und in weiteren Momenten könnte man Vergleiche zu einem Tarantino Drehbuch bemühen, jedenfalls was Komplexität und Verschachtelung der Handlung betrifft. Es sollte mich wirklich überraschen, wenn dieses Buch nicht ebenfalls verfilmt wird.
Später erweitert sich der Kreis der Personen, deren Schicksalslinien sich in dieser Nacht in Manila kreuzen um die Ärztin Rosa, die Straßenkinder Vincente und Totoyo und dem Psychologen Alberto. Durch Rückblenden in die Vergangenheit auch dieser Personen werden zahlreiche Nebenfiguren eingeführt und Garland verleiht dem Buch dadurch eine bemerkenswerte Tiefe. Gleichzeitig gelingt es ihm, viele Eindrücke vom Leben in Manila und auf den Philippinen zu vermitteln. Schlusspunkt des Romans und Treffpunkt der Straßen die das Schicksal bereist ist das Haus von Rosa. Hier kommt es zum spektakulären Showdown wo alle Hauptpersonen unerwartet zusammentreffen. Leider ist damit auch das Ende erreicht und leider bleiben auch sehr viele Fragen offen. Trotzdem halte ich Manila für ein sehr unterhaltsames und gelungenes Buch, das The Beach in vielerlei Hinsicht mindestens ebenbürtig ist. Ambitionierter erscheint es mir allemal.