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Diese übertrieben anmutende Aussage belegt Schmidt-Salomon anhand zahlreicher der Bibel entnommener Textpassagen. Hier nur ein paar Beispiele.
Gleich zu Beginn des AT fordert Gott seine Untergebenen zur Vernichtung ganzer Völker auf: „Du musst alle Völker verzehren, die der Herr, dein Gott, für dich bestimmt. Du sollst in dir kein Mitleid mit ihnen aufkommen lassen“ (Deut. 7,16; Schmidt-Salomon, S. 168).
Noch erschreckender und abstoßender wirken Textstellen aus dem NT: „Der Menschensohn wird seine Engel aussenden und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt und Gottes Gesetz übertreten haben, und werden sie in den Ofen brennen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen“ (Mt. 13, 41-43; Schmidt-Salomon, S. 51).
Es lässt sich nun darüber streiten ob Schmidt-Salomon sich und seinem Anliegen einen Gefallen bereitet, wenn er dieses Szenario als „jenseitiges Auschwitz mit Engeln als Selektionären an der himmlischen Rampe“ (51) bezeichnet. Klar ist aber, dass ein Weltbild, in welchem anders denkende Menschen im Ofen verbrannt werden, denkbar schlecht geeignet ist, um menschenwürdige Verhältnisse auf Erden herzustellen.
Das „Manifest des evolutionären Humanismus“ ist zu aller erst die härteste und kompromissloseste Abrechnung mit sämtlichen Religionen seit langem. Allerdings belässt es Schmidt-Salomon nicht bei reiner Kritik sondern wirbt für ein alternatives Gesellschaftsmodell, welches ohne die Hilfe eines allmächtigen Schöpfers auskommt. Grundlegend sei es, den Menschen als Produkt eines evolutionären Prozesses zu begreifen, für den der Eigennutz die hauptsächliche Antriebskraft im Leben darstelle. Dies bedeute jedoch nicht, dass wir in einer kaltherzigen Ellbogengesellschaft leben, die erst durch die heilende Wirkung der Religionen gezähmt werden müsse. Vielmehr lasse sich das Prinzip Eigennutz, hat man es einmal erkannt und akzeptiert, zum Wohle der Gesellschaft benutzen.
Abschließend formuliert Schmidt-Salomon seine „10 Gebote des evolutionären Humanismus“, die er als Gegenprogramm dem jüdisch-christlichen Dekalog gegenüberstellt.
Fazit: Hart, aber unbedingt notwendig! In einer Zeit, in der eine wachsende Zahl von christlichen Fundamentalisten das Rad der Geschichte ins tiefste Mittelalter zurückdrehen will (hier in Deutschland lautstark und verkaufsträchtig vertreten durch Peter Hahne), wird es Zeit, dass auch den hier lebenden 25 Millionen konfessionslosen Menschen, die sich keinem Gott sondern einzig und allein den Werten der Aufklärung verpflichtet fühlen, ein Sprachrohr gegeben wird.
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